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: Katastrophal

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VIETNAMKRIEG. Im Januar 1944 schrieb Präsident Franklin D. Roosevelt an Außenminister Cordell Hull über Indochina: "Frankreich hat dieses Land - 30 Millionen Menschen - fast hundert Jahre in seinen Besitz gehabt, und dem Volk geht es schlechter als zu Beginn. Frankreich hat es hundert Jahre gemolken.

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          VIETNAMKRIEG. Im Januar 1944 schrieb Präsident Franklin D. Roosevelt an Außenminister Cordell Hull über Indochina: "Frankreich hat dieses Land - 30 Millionen Menschen - fast hundert Jahre in seinen Besitz gehabt, und dem Volk geht es schlechter als zu Beginn. Frankreich hat es hundert Jahre gemolken. Das Volk Indochinas verdient etwas Besseres als das." Das Ergebnis ist bekannt. Vietnam wurde "Amerikas längster Krieg" mit katastrophalen Folgen: 58 000 amerikanische Soldaten starben in Vietnam, eine Millionen südvietnamesische Soldaten fielen, etwa zwei Millionen tote Zivilisten waren zu beklagen. Zwei Millionen Menschen wurden verstümmelt, weitere zwei Millionen giftigen Chemikalien ausgesetzt. Genaue Zahlen über Nordvietnam gibt es nach wie vor nicht. Es ist aber anzunehmen, daß dort mindestens genauso viele Menschen umgekommen sind. Es war der erste verlorene Krieg für die Vereinigten Staaten. Es gibt nur ganz wenige Kriege, über die in Amerika inzwischen mehr geschrieben wurde. Warum also noch ein Buch? Die Herausgeber des Sammelbandes geben die Antwort: Es sei der Versuch, eine vergleichende und internationale Perspektive zu liefern. Der vergleichende Aspekt ist dabei sicherlich der schwächste. Was hat Vietnam etwa mit den Philippinen 1898 bis 1900 zu tun? Oder Versailles und Vietnam? Interessanter sind die Aufsätze über die Auswirkungen des Krieges. Da werden wichtige Fragen gestellt und zum Teil beantwortet, etwa: Wie wurde der Krieg finanziert? Wie haben die westlichen Staaten auf die Eskalation des Krieges reagiert? Wie Thailand? Welche Rolle spielten Rotchina und die Sowjetunion im Kampf um die ideologische Vorherrschaft? Fast überall verspielten die Vereinigten Staaten damals jenes Ansehen, das sie sich im Zweiten Weltkrieg und danach erworben hatten, zumindest in weiten Teilen der Bevölkerung. Die Regierungen sahen das - mit wenigen Ausnahmen - anders. Hier wären Studien über die britische Labour-Regierung, Frankreichs de Gaulle und Schwedens Palme sinnvoll gewesen. In einem brillanten abschließenden Essay "Vietnam: Many Wars?" stellt Lloyd C. Gardner den Vietnam-Krieg in den größeren Zusammenhang des Kalten Krieges. War der Vietnam-Krieg nur eine "Episode", eine verlorene Schlacht in einem Krieg, der letztlich gewonnen wurde? Dies ist eine jener Fragen, deren Beantwortung möglicherweise mithelfen kann, die Tragödie des Vietnam-Krieges zu verstehen. (Andreas W. Daum/Lloyd C. Gardner/Wilfried Mausbach (Herausgeber: America, the Vietnam War, and the World. Cambridge University Press, Cambridge 2003. 371 Seiten, 14,95 Pfund.)

          ROLF STEININGER

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