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: Herausforderer mit Chancen

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In Amerika schießen derzeit die Berichte und biographischen Versuche über John F. Kerry, den Herausforderer George W. Bushs, wie Pilze aus dem Boden. Es handelt sich dabei um eine andere Pilzsorte als die ebenfalls sehr zahlreichen biographischen Versuche über den amtierenden Präsidenten - die sind in der Regel giftig. Das kann man von den Kerry-Biographien nicht behaupten, weder von den amerikanischen noch von den diesseits des Atlantiks niedergeschriebenen.

          Michael Kranish/Brian C. Mooney/Nina J. Easton: John F. Kerry. Der Herausforderer. Aus dem Amerikanischen von Hainer Kober. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2004. 335 Seiten, 19,90 [Euro].

          Friedrich Mielke: John F. Kerry. Eine amerikanische Biographie. Herbig Verlag, München 2004. 223 Seiten, 19,90 [Euro].

          Jochen Arntz, Holger Schmale: John Kerry. Kandidat gegen Bush - Amerika vor der Entscheidung. Verlag Kiepenheuer & Witsch 2004. 159 Seiten, 7,90 [Euro].

          Es ist Wahlkampf in Amerika. Die Konkurrenz um das Oval Office im Zentrum des machtvollsten politischen Systems der Welt wird traditionell als alle Emotionen des Wahlvolkes hochputschendes Endspiel zweier Personen inszeniert, die nach längeren Ausscheidungskämpfen bei den Republikanern und den Demokraten übriggeblieben sind. Die jeweiligen Vizepräsidenten-Kandidaten spielen dabei nur eine unterstützende Nebenrolle. Daß es neben den Kandidaten der beiden großen Parteien häufig auch noch einen dritten oder vierten Kandidaten gibt, wird kaum wahrgenommen.

          Im November 2004 heißt die Endspielpaarung George W. Bush, Republikaner und 43. Präsident mit bisher ziemlich gemischter Amtsbilanz, gegen John F. Kerry, Demokrat und langjähriges Mitglied des Senats. Bush ist durch seine Familienbande, die bizarre Geschichte seines Wahlsiegs in Florida, seine religiös-konservativen Anschauungen und seine Selbstwahrnehmung als "Kriegspräsident" hinreichend bekannt und wirkt durch sein politisches Profil ungemein polarisierend. Von Kerry hingegen wissen bislang nur die wenigsten etwas Genaueres. Entsprechend liegt es gleichermaßen in seinem eigenen und im Interesse der amerikanischen Öffentlichkeit, daß sich dies ändert. Denn wer die Wahl hat, hat die Qual, und da will man doch wenigstens wissen, warum oder für wen man sich quält. Deswegen schießen in Amerika derzeit die Berichte und biographischen Versuche über den Herausforderer wie Pilze aus dem Boden. Es handelt sich dabei um eine andere Pilzsorte als die ebenfalls sehr zahlreichen biographischen Versuche über den amtierenden Präsidenten - die sind in der Regel giftig. Das kann man von den Kerry-Biographien nicht behaupten, weder von den amerikanischen noch von den diesseits des Atlantiks niedergeschriebenen.

          Kerry sei, schreiben etwa Michael Kranish und seine Koautoren, für die Öffentlichkeit ein ziemliches Rätsel, nicht zuletzt wegen seines ebenso verschlungenen wie faszinierenden Werdegangs. Der fleißige Gebrauch des Adjektivs "faszinierend" zur Charakterisierung von Kerry legt die Vermutung nahe, daß die Autoren ihm zumindest nichts Böses anhaben wollen. Und tatsächlich zeichnen sich alle drei hier besprochenen Biographien durch eine Grundstimmung tiefer Sympathie und innerer Übereinstimmung aus. Sie stimmen auch in ihren Inhalten weitgehend überein, halten sich also an eine einzige und, sagen wir: werbende Lesart von Kerrys Werdegang und politischem Wirken. Insofern handelt es sich bei allen drei Büchern um Verbrauchsmaterial mit dem Verfallsdatum 2. November 2004. Denn entweder wird Kerry dann zum 44. Präsidenten gewählt, oder er verliert gegen Bush. Im ersten Fall wird all das, was bis jetzt im Zentrum von Kerrys Lebensweg steht, zur Vorgeschichte seiner eigentlichen Biographie und diese ganz neu geschrieben werden. Im zweiten Fall wird sich schon bald kaum noch jemand für den "faszinierenden Werdegang" des abgeschlagenen Senators interessieren.

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