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Charles Kupchan: Die europäische Herausforderung. Vom Ende der Vorherrschaft Amerikas. Deutsch von Friederich Mielke. Rowohlt Verlag, Berlin 2003. 319 Seiten, 19,90 [Euro].Wird das 21. Jahrhundert das amerikanische Zeitalter mit einem Imperium Americanum sein (in das sich, wie manche fordern, ...

          Charles Kupchan: Die europäische Herausforderung. Vom Ende der Vorherrschaft Amerikas. Deutsch von Friederich Mielke. Rowohlt Verlag, Berlin 2003. 319 Seiten, 19,90 [Euro].

          Wird das 21. Jahrhundert das amerikanische Zeitalter mit einem Imperium Americanum sein (in das sich, wie manche fordern, die Europäer tunlichst einordnen sollten), oder haben die Vereinigten Staaten den Zenit ihrer Macht bereits erreicht? Wird das 21. Jahrhundert ein Zeitalter der Multipolarität werden? Charles Kupchan, Professor an der Georgetown-Universität in Washington, D.C., und langjähriges Mitglied des Council on Foreign Relations, hat einen herausragenden Beitrag zu dieser alternativen Grundsatzdiskussion geschrieben - ein scharfsinniges, ein exzellentes Buch! Er bezieht eine klare Position zugunsten der zweiten Alternative und begründet sie kraftvoll und kenntnisreich, häufig mit historischen Reflexionen.

          Seine zentrale These lautet: "Zusammen mit einem zunehmend integrierten Europa werden sich auch Rußland, Japan und China schrittweise zu Gegengewichten der amerikanischen Macht entwickeln . . . Der Aufstieg anderer Mächte und Amerikas schwindender und unilateral geprägter Internationalismus weisen darauf hin, daß sich Amerikas unipolare Stellung verflüchtigt. Unipolarität wird von Multipolarität abgelöst. Die Präsenz einer Hegemonialmacht weicht einem globalen Konkurrenzkampf um Position, Einfluß und Status." Noch in diesem Jahrzehnt werde Europa den Anfang machen; die asiatischen Mächte würden im Lauf des 21. Jahrhunderts folgen.

          Gegen unilaterale Einsätze

          Wie sollen die Vereinigten Staaten darauf antworten? Während die Neokonservativen in der Regierung Bush unilaterale Einsätze der amerikanischen Streitkräfte befürworten, um Amerikas Hegemonie so lange wie möglich sicherzustellen und den Aufstieg alternativer Machtzentren zu behindern, sieht Kupchan die einzig konstruktive Antwort der Vereinigten Staaten darin, rechtzeitig eine "Große Strategie für den (unvermeidlichen) Übergang zur multipolaren Welt" zu entwerfen und umzusetzen. Anderenfalls werde eine "gefährliche Mischung" aus Isolationismus und Unilateralismus - "zwei Seiten der gleichen Medaille" - in der amerikanischen Politik Platz greifen und das Verhältnis zu Europa vergiften.

          Kupchan steht in der geistigen Tradition des "realistischen Liberalismus" (John Herz), der die machtpolitische Logik des Realismus ernst nimmt, aber sie zu durchbrechen versucht. Seine "Große Strategie" ist ein "neuer liberaler Internationalismus" - ein Mittelweg zwischen zuviel und zuwenig Engagement, verbunden mit "strategischer Zurückhaltung", mit der Bereitschaft, "aufstrebenden Machtzentren einen Teil der eigenen Macht abzugeben". So soll der Wettbewerb "in kooperative Bahnen" gelenkt werden, also zwischen den verschiedenen Machtzentren ein Verhältnis entstehen, das andere Autoren (wie David Calleo und der Rezensent) als "kooperative Balance" und "kollektive Führung" bezeichnen.

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