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: Gesunder Blutdruck

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Johannes Rau, im Gespräch mit Evelyn Roll, Weil der Mensch ein Mensch ist. Verlag Rowohlt Berlin, Berlin 2004, 192 Seiten, 16,90 [Euro]."Natürlich bedarf es einer programmatischen Erneuerung der SPD, die hinausgeht über die jeweils gerade aktuellen Fragen", hat Bundespräsident Rau jetzt gesagt. Rau ...

          Johannes Rau, im Gespräch mit Evelyn Roll, Weil der Mensch ein Mensch ist. Verlag Rowohlt Berlin, Berlin 2004, 192 Seiten, 16,90 [Euro].

          "Natürlich bedarf es einer programmatischen Erneuerung der SPD, die hinausgeht über die jeweils gerade aktuellen Fragen", hat Bundespräsident Rau jetzt gesagt. Rau fügte aber eine - wie eine von ihm aufgestellte Bedingung klingende - Bemerkung an: "Das geht aber nur mit einer Partei, die einen gesunden Blutdruck hat, die vital und lebendig ist." Viel spricht dafür, daß er Zweifel hat, daß dem so sei. Als Bundespräsident hat er die Mitgliedschaft in der SPD ruhen zu lassen, und zum Brauch gehört es auch, sich als Staatsoberhaupt zurückzuhalten. Doch hat sich Rau nun, gegen Ende seiner Amtszeit, ermahnend geäußert. Er macht sich, das ist soweit bekannt, Sorgen um die Stabilität des Parteiensystems in Deutschland. Und weil er aus der SPD kommt, gilt sein Augenmerk der Sozialdemokratie stärker als den anderen Parteien.

          Zwar vermeidet der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident und stellvertretende SPD-Vorsitzende - wie er es auch früher tat - offene Kritik. Doch was Rau in einem nun in Buchform veröffentlichten Interview mit der Journalistin Evelyn Roll gesagt hat, klingt, als habe er einen Gesprächsbedarf, der sich nicht im Loben und Schönreden seiner politischen Heimat erschöpfen will. Es sind die Zwischentöne und die Konditionen, die die Haltung Raus charakterisieren. Er sagt: "Unternehmen erwarten von der Politik zu Recht, daß sie ihnen Planungssicherheit gibt." Doch sagt er auch: "Weniger Sicherheit als den Unternehmen darf man aber auch den Menschen nicht zumuten." Er sagt: "Ganz gewiß brauchen wir Reformen bei den sozialen Sicherungssystemen." Doch fügt er an: "Wir müssen über Bismarck hinaus, aber nicht hinter Bismarck zurück." Glaubt er, daß die gegenwärtige Regierung das wolle oder tue? Er sagt es nicht. Aber Befürchtungen schwingen mit.

          Franz Müntefering, der am Sonntag zum SPD-Vorsitzenden gewählt wird, hat an Rau zu schätzen gelernt, Geschichten zu erzählen. Rau tut das - jedenfalls in der Regel - nicht um des Erzählens willen. Er erzählt von Willy Brandt, als wolle er dessen Nachfolgern eine Mahnung übermitteln. Brandt habe es also, wenn Wichtiges zur Lösung anstand, so gehalten: "Wann immer er ein Problem vor sich sah, hat er die Bezirksvorsitzenden zu sich gebeten. Die waren damals allerdings noch viel wichtiger und mächtiger. Und dann hat er dagesessen, tief deprimiert gewirkt und gesagt: Ich habe da ein großes Problem. Dann hat er das Problem geschildert und gefragt: Könnt ihr mir da irgendwie helfen? Was meinst du denn?" Rau erzählt das auf Fragen, ob der "Agenda 2010"-Prozeß in den früheren Zeiten innerparteilich anders als heute, zu Schröders Zeit, vorbereitet worden wäre. Brandt habe einem engeren Kreis von Funktionären stets das Gefühl gegeben: "Ich brauche euch." Ob dieser kleine Kreis dann für den Vorsitzenden gekämpft habe? "Ja, die sind dann immer losmarschiert." Bei den Sitzungen heute aber ließen sich die Bezirksvorsitzenden häufig vertreten.

          Rau erzählte auch eine andere Geschichte, die von einem früheren stellvertretenden Parteisprecher (Fritz Stallberg), der länger als 45 Jahre in der Partei und in deren Gremien stets dabeigewesen sei. Der habe zu seinem 70. Geburtstag einen "anonymen Form-Geburtstagsbrief von seiner Partei" erhalten mit dem Satz: ". . . sprechen wir Ihnen zum 70. Geburtstag unseren herzlichen Glückwunsch aus." Nichts sonst habe in dem Brief gestanden, und Stallberg habe ihm gesagt: "Nie mehr, nie, nie mehr will ich mit denen was zu tun haben."

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