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: Für Männlein

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Ein "Bericht" will der Rückblick des ehemaligen Bundeswehrgenerals Franz Uhle-Wettler sein, keine Autobiographie. Der Autor läßt seine Dienstzeit im Medium zahlreicher persönlicher Dokumente passieren. Das verdient Interesse, denn der Autor, in Marburg bei Fritz Wagner und Wolfgang Abendroth promoviert, ist ein ebenso gebildeter wie unbequemer Beobachter.

          Ein "Bericht" will der Rückblick des ehemaligen Bundeswehrgenerals Franz Uhle-Wettler sein, keine Autobiographie. Der Autor läßt seine Dienstzeit im Medium zahlreicher persönlicher Dokumente passieren. Das verdient Interesse, denn der Autor, in Marburg bei Fritz Wagner und Wolfgang Abendroth promoviert, ist ein ebenso gebildeter wie unbequemer Beobachter. Von konservativer Grundeinstellung, gehört Uhle-Wettlers Herz dem einfachen Soldaten - "meinen Männlein", heißt es einmal -, den engagierten Unterführern und Truppenoffizieren. Sein Befund ist überaus kritisch. Der "Ruhm der Heere" der beiden Weltkriege kommt besser weg als die spärlichen Verdienste der Bundeswehr. Bei der von Krisen, Personal- und Materialengpässen gebeutelten Armee vermißt er die "Kriegstüchtigkeit". Die Diagnose setzt bei den Versäumnissen der militärischen wie politischen Führung ein, und schon für den jungen Leutnant steht fest: "Die Bundeswehr wird von unten nach oben immer schlechter."

          Zeit seines Dienstlebens beobachtet Uhle-Wettler den Verfall des militärischen Könnens, während die "moderne Menschenführung" ideologisiert und kanonisiert worden sei. Auch hier gilt seine Faustregel "daß das Richtige alt und das Neue falsch ist". So kann es nicht verwundern, daß der Autor der Verwissenschaftlichung der Offiziersausbildung mit äußerster Skepsis und gern auch mit beißender Kritik gegenübersteht. Manche treffende Schilderung spießt die Bürokratisierung des Truppenalltags auf, die die Ausbildung erschwert und die vielgerühmte Auftragstaktik praktisch verunmöglicht. Gegenüber den bündnisstrategischen Vorbereitungen des atomaren Gefechts auf mitteleuropäischem Boden, "if deterrence fails", meldet der Autor wiederholt Bedenken an, die seinerzeit in einer bemerkenswerten Studie über Defensivverteidigung (1980) mündete - natürlich nicht ohne heilige Kühe zu schlachten, wie das Primat der Panzerwaffe und die Liebe zur "Übertechnisierung". Kurzum, man liest den Bericht mit Interesse, Zweifeln und gelegentlichem Kopfschütteln. Ganz gegen seinen Willen aber hat Uhle-Wettler (Jahrgang 1927) ein Selbstporträt gezeichnet, in dem man viele Züge der Zwischengeneration der jungen Kriegsoffiziere wiedererkennt, die noch im Fronteinsatz des Weltkriegs gestanden und gleichwohl fast die gesamte Zeit der "alten" Bundeswehr begleitet hat.

          KLAUS NAUMANN

          Franz Uhle-Wettler: Rührt Euch! Weg, Leistung und Krise der Bundeswehr. Ares-Verlag, Graz 2006. 216 S., 19,90 [Euro].

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