https://www.faz.net/-gqz-qztx

: Foltern gilt nicht . . .

  • Aktualisiert am

Karen J. Greenberg/Joshua L. Dratel (Herausgeber): The Torture Papers. The Road to Abu Ghraib. Cambridge University Press, Cambridge 2005. XXXIV und 1249 Seiten, 27,50 £.Alfred W. McCoy: Foltern und foltern lassen. 50 Jahre Folterforschung und -praxis von CIA und US-Militär. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Bischoff. Verlag Zweitausendeins, Frankfurt/M.

          4 Min.

          Karen J. Greenberg/Joshua L. Dratel (Herausgeber): The Torture Papers. The Road to Abu Ghraib. Cambridge University Press, Cambridge 2005. XXXIV und 1249 Seiten, 27,50 £.

          Alfred W. McCoy: Foltern und foltern lassen. 50 Jahre Folterforschung und -praxis von CIA und US-Militär. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Bischoff. Verlag Zweitausendeins, Frankfurt/M. 2005. 258 Seiten, 14,90 [Euro].

          Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington hat die Welt den Atem angehalten. Sind das die Vorboten einer neuen, die Staatenwelt und ihre Regeln und Normen in nachhaltige Turbulenzen stürzenden Welle von Gewalt? Beginnt jetzt ein unnachsichtig geführter Krieg gegen westliche Demokratien und Marktwirtschaft? Wie kann man sich in den attackierten Gesellschaften dagegen wappnen? Solche Fragen stellten sich mit besonderer Heftigkeit in den Vereinigten Staaten, für die der 11. September 2001 zu einem kollektiven Schockereignis wurde, dessen Wirkungen den Schock von Pearl Harbour sechzig Jahre zuvor noch erheblich übertraf - nicht zuletzt wegen der der Bild-Medien, die fast in Echtzeit über diesen Anschlag global berichteten.

          Sehr rasch reagierte Präsident Bush mit der Ausrufung des "Globalen Krieges gegen den Terrorismus". Mit der vollen Wucht einer militärischen Supermacht gingen die Vereinigten Staaten gegen Al Qaida und seine Unterstützer vor. Eine große Ad-hoc-Allianz, die auch von Staaten unterstützt wurde, welche ihrerseits nicht unbedingt als Leuchttürme der Demokratie gelten können, sollte die Al-Qaida-Führung jagen, weiteren Terroranschlägen vorbeugen und Regierungen, die mit dem Terrorismus sympathisierten, politisch und notfalls auch militärisch zu Fall bringen. Aus diesem Impuls heraus begannen die Kriege in Afghanistan und später im Irak. Bush setzte aber auch weitreichende Strukturveränderungen bei der Terrorbekämpfung im Innern der Vereinigten Staaten durch.

          Der 11. September 2001 ist also für die amerikanische Sicherheitspolitik eine drastische Zäsur. Auch die mächtigste Nation der Welt hatte sich auf ihrem Territorium nicht gegen die Attentate entschlossener und tückischer Terroristen schützen können. Um eine befürchtete Wiederholung zu verhindern, gingen die Vereinigten Staaten auf Geheiß ihres Präsidenten gegen mutmaßliche Terroristen, deren sie habhaft werden konnten, mit äußerster Härte vor. Verständlich ist das. Aber so, wie es gemacht wurde, hat es sich nicht bewährt.

          Dafür stehen zwei Namen: Guantánamo Bay und Abu Ghraib. Berichte wie der vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz oder die Bilder von extrem demütigenden Schikanen der Häftlinge haben der Weltöffentlichkeit den Eindruck vermittelt, daß die Vereinigten Staaten entweder systematisch oder aus einer gewissen Nachlässigkeit heraus die Regeln wichtiger internationaler Vorschriften für die Behandlung von Gefangenen verletzen, ja sie für sich als nicht geltend ansehen. Hinzu kommen noch die Berichte über geheime amerikanische Gefängnisse in befreundeten Ländern (auch wiederum nicht gerade die demokratischsten Verbündeten) sowie über die zielbewußte Überführung einer Reihe von Gefangenen in die Obhut befreundeter Regierungen, deren Polizeiapparate über eine Menge Folter-Erfahrungen verfügen.

          Der umfangreiche Dokumentations-Band von Karen J. Greenberg und Josua L. Dratel besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil werden regierungsinterne Memoranden abgedruckt (insgesamt 28), in denen es zumeist um die Frage geht, welche rechtlichen Beschränkungen der amerikanische Präsident im Krieg gegen den Terrorismus zu respektieren hat. Diese Frage kam auf, weil die Attentate vom 11. September für die amerikanische Regierung weit jenseits der durch völkerrechtliche Regeln oder Konventionen wenigstens ein bißchen eingehegten Kriegführung angesiedelt waren. Auch schien die Bedrohlichkeit einer Wiederholung solcher Schläge so hoch, daß es nahezuliegen schien, auf irgendwelche Beschränkungen in der eigenen Kriegführung ebenfalls zu verzichten. Nicht, weil man es so wollte, sondern weil es notwendig erschien.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hinter Glas: Ministerpräsident Reiner Haseloff am Dienstag im Landtag

          Krach wegen Rundfunkbeitrag : Die CDU sitzt in der Klemme

          Der Magdeburger Streit über den Rundfunkbeitrag wächst sich zu einem politischen Beben aus, das nicht nur das Kenia-Bündnis in Sachsen-Anhalt zerstören könnte. Auch der Koalitionsfrieden in Berlin ist in Gefahr.

          EU-Aufbaufonds : Ungarn und Polen drohen leer auszugehen

          Die EU-Kommission bereitet nach F.A.Z.-Informationen in Absprache mit den anderen Ländern vor, den Aufbaufonds ohne Polen und Ungarn in Kraft zu setzen. Sie hat mehrere Möglichkeiten.
          Stefan Löfven, Ministerpräsident von Schweden, auf einer Pressekonferenz in Stockholm am 31. März

          Schwarze-Peter-Spiel : Wer ist schuld an den vielen toten Schweden?

          Die zweite Corona-Welle trifft Schweden mit voller Wucht. Auf der Suche nach den Verantwortlichen geraten die Regionen ebenso in den Fokus wie die Gesundheitsbehörde und die Regierung in Stockholm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.