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: Fernab von Berlin

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Teile der Südsee gehörten einst zum Deutschen Reich. Australien eroberte diese Kolonien 1914 und entließ sie erst 1975 in die Unabhängigkeit. Bis heute ist die Teilnahme australischer und neuseeländischer Truppen am Ersten Weltkrieg ein wichtiger Teil der kollektiven Erinnerung in beiden Ländern.

          Teile der Südsee gehörten einst zum Deutschen Reich. Australien eroberte diese Kolonien 1914 und entließ sie erst 1975 in die Unabhängigkeit. Bis heute ist die Teilnahme australischer und neuseeländischer Truppen am Ersten Weltkrieg ein wichtiger Teil der kollektiven Erinnerung in beiden Ländern. Im August 1914 besetzten australische Freiwillige zunächst das Bismarck-Archipel, dann die übrigen deutschen Südsee-Inseln sowie den deutschen Teil von Papua-Neuguinea. Anhand von Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und späteren Berichten zeigt der Autor anschaulich auf, wie sich die unzureichend ausgebildeten australischen Truppen dabei eher unbeholfen bewegten. Bei Bita Paka ließen sie sich sogar von den wenigen deutschen und einheimischen Soldaten in ein Gefecht verwickeln, bei dem mehrere Australier ihr Leben verloren. Am 17. September 1914 kapitulierte der deutsche Gouverneur. Einem Hauptmann gelang es freilich, sich in den unzugänglichen Urwäldern zu verstecken und dort, gestützt auf loyale Einheimische, die deutsche Kolonialherrschaft über das Ende des Krieges 1918 hinaus durch das Hissen der Reichsflagge in entlegenen Dörfern zu verteidigen. Militärisch waren diese "Erfolge" allerdings ohne Belang.

          Für das australische Militär erwies sich dieser erste Einsatz bald als schwieriger als ursprünglich erwartet: Die Verluste im offenen Kampf waren zwar gering, eines der beiden U-Boote, das die Transportflotte gegen einen möglichen Angriff des deutschen Ostasiengeschwaders verteidigen sollte, ging aber samt Besatzung durch einen Unfall verloren. Renitente deutsche Kolonisten konnten zudem erst durch eine aufsehenerregende öffentliche Auspeitschung zur Räson gebracht werden. Hinzu kamen erhebliche disziplinarische Probleme unter den eigenen Truppen. Dem Ruf des australischen Kommandeurs haben diese Probleme nicht geschadet. Im Rang eines Generalmajors fiel er bei einem Besuch der Westfront 1917. Alles in allem handelt es sich um eine gut recherchierte Darstellung über einen Nebenkriegsschauplatz, der in der Erinnerung der Nachfahren von Soldaten vom fünften Kontinent genauso wichtig ist wie die Schlachten an der Westfront für Deutsche, Franzosen und Engländer.

          MICHAEL EPKENHANS

          Kevin Meade: Heroes before Gallipoli. Bita Paka and that One Day in September. Verlag John Wiley & Sons, Sydney/Melbourne 2005. 138 S., 29,95 $.

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