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: Erfolgssofa

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Den Publikationsreigen zum 80. Geburtstag von Helmut Kohl am 3. April eröffnen zwei "Spiegel"-Veteranen. Wolfgang Bickerich und Hans-Joachim Noack erzählen kurzweilig von "Helles" frühen Prägungen und vom Aufstieg des CDU-Politikers, der ein Leben lang das tat, "was sein Instinkt für richtig hielt".

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          Den Publikationsreigen zum 80. Geburtstag von Helmut Kohl am 3. April eröffnen zwei "Spiegel"-Veteranen. Wolfgang Bickerich und Hans-Joachim Noack erzählen kurzweilig von "Helles" frühen Prägungen und vom Aufstieg des CDU-Politikers, der ein Leben lang das tat, "was sein Instinkt für richtig hielt". Als Ministerpräsident in Mainz (1969 bis 1976) galt Kohl als "Baum unter Büschen". Damals habe er sich im Weinkeller "diebisch an seiner Spezialität erfreut, mit allerlei Schabernack Hochstimmung auf Kosten Dritter zu erzeugen. ,Bernhard, mach de Aff', befiehlt er dort nicht selten zu vorgerückter Stunde seinem Kultusminister Bernhard Vogel, der danach bereitwillig auf dem Tisch tanzt". Anfang der siebziger Jahre entwickelte sich Kohl "Schritt für Schritt zum notorischen Machtmenschen, der von seiner arg gebeutelten Partei ungeniert Besitz ergreift". Nach der Wahlschlappe des Unionskanzlerkandidaten Strauß (CSU) im Herbst 1980 begann die stabilste Phase von Kohls Karriere, "die bis dahin eher wie auf einer Achterbahn verlief". Zwei Jahre später war er Kanzler - trotz der hämischen Witze, die über ihn gerissen wurden, trotz der überwiegend negativen Medienberichterstattung (vornweg meist der "Spiegel"). Die Autoren bescheinigen ihm eine Begabung, "die unter Staatsmännern oder in der Diplomatie höchst selten anzutreffen ist: Er hat die Fähigkeit, seine Gäste, bildlich gesprochen, auf sein Sofa zu ziehen." Er tauschte mit ihnen gern Kindheitserinnerungen aus: "Staatskunst auf dem Biedermeiersofa, Politik wie in der Pfalz. Aber erfolgreich, wie sich erweisen sollte - Kohl zu misstrauen fiel seinen Gesprächspartnern schwer."

          Die Autoren würdigen Kohls große Leistung im Vereinigungsprozess und in der Europapolitik, werfen ihm aber vor, sich bei den Kosten der Einheit "mit Winkelzügen und Täuschungen" vorangeschleppt zu haben. Fast 40 Seiten sind der Nach-Kanzler-Zeit seit Herbst 1998 gewidmet: dem tiefen Absturz durch die Parteispendenaffäre, dem Rechtstreit um Stasi-Akten, dem Schicksalsschlag durch Hannelore Kohls Freitod und der allmählichen Rückkehr auf den Denkmalsockel. Bickerich und Noack drücken sich um ein eigenes Resümee. Stattdessen zitieren sie aus einer Tageszeitung, die eine "Betrachtung über den erfolgreichsten Kanzler der Republik" anstellte.

          RAINER BLASIUS

          Wolfram Bickerich/Hans-Joachim Noack: Helmut Kohl. Die Biographie. Rowohlt Verlag, Berlin 2010. 300 S., 19,95 [Euro].

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