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: Eine Heldin zum Fürchten

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Vor allem Anverwandtschaft und Verehrung sprechen aus diesem Versuch, der Lebensgeschichte Ulrike Meinhofs gerecht zu werden. Jutta Ditfurth beschränkt sich in ihrer Biographie auf die Einfühlung in das Selbstverständnis ihrer Heldin. In einer mehr als sechsjährigen Recherche hat sie sich zum äußersten Verständnis ...

          Vor allem Anverwandtschaft und Verehrung sprechen aus diesem Versuch, der Lebensgeschichte Ulrike Meinhofs gerecht zu werden. Jutta Ditfurth beschränkt sich in ihrer Biographie auf die Einfühlung in das Selbstverständnis ihrer Heldin. In einer mehr als sechsjährigen Recherche hat sie sich zum äußersten Verständnis für die Verbrechen der Ulrike Meinhof und der RAF emporgearbeitet. Sie beschreibt den Lebensweg der Terroristin als Aufeinanderfolge von Radikalisierungsschüben, für die sie schlechte Menschen und die schlechten gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich macht. In der Ditfurth-Meinhof-Welt steht dabei außer Frage, dass die Guten links sind und die besonders Guten "radikale Linke". Für eine sensible Intellektuelle wie Ulrike Meinhof war der Griff zur Waffe demzufolge eine logische Konsequenz aus dem Scheitern der außerparlamentarischen Opposition nach dem Ende der Großen Koalition 1969.

          Diese Meinhof-Story lebt von starken Vereinfachungen. So gelingt ihr die geradlinige Rekonstruktion des Erlebnis- und Denkhorizonts der kommunistischen Journalistin und späteren RAF-Terroristin. Durch den emphatischen Blickwinkel verstellt sich die Autorin allerdings den Blick auf naheliegende Einwände gegen Meinhofs irrationale Scheinlogik. Andererseits leuchtet sie einen historischen Kontext aus, den große Teile der 68er Erlebnisgeneration längst aus ihrer Erinnerung eliminiert haben. Der West-Berliner Polizei gelang es im Herbst 1970, eine Reihe von Bandenmitgliedern aus der RAF und anderen bewaffneten Kampfgruppen festzunehmen. Jutta Ditfurth bemerkt dazu: "Jetzt saßen schätzungsweise 40 Menschen aus der radikalen Linken allein in Westberlin im Gefängnis." Sie bezeichnet die Terroristen als "radikale Linke" und belegt detailliert, warum die Rote Armee Fraktion, nachdem sie sich zum "fortgeschrittensten Flügel" der sozialistischen Systemüberwinder ausgerufen hatte, gerade wegen der Bereitschaft zum "radikalen Bruch" mit der bürgerlichen Existenz auf eine breite Unterstützung in linken und linksliberalen Kreisen bauen konnte.

          Die RAF war tatsächlich in ihrer Anfangszeit keineswegs isoliert. Viele "gute Linke" halfen den Baader-Meinhof-Leuten, sich zu verstecken. Es wurden Wohnungen und Häuser zur Verfügung gestellt, Ausweise "verloren", Geld aus Banküberfällen "gewaschen", Fahrzeuge überlassen und vor allem die "Idee des bewaffneten Kampfes" durch heroisierende Flugschriften und endloses Palaver in Teach-ins und Kneipen unter die Leute gebracht. Recht plausibel destruiert Jutta Ditfurth die linke Lebenslüge, wonach es angeblich eine reformselige 68er-Bewegung gab, die mit der isolierten Terroristenfraktion Ulrike Meinhofs nichts gemein hatte. Meinhofs Freund und Mittäter Horst Mahler, der heute als rechtsextremer Phantast von sich reden macht, tituliert die RAF mittlerweile hämisch als Waffen-SDS. Die Revolutionstheorien des SDS von 1968 und die RAF-Idee lagen näher beieinander, als das den tonangebenden Heldendarstellern der Studentenrevolte heute lieb ist. Ulrike Meinhof sprang mit Andreas Bader im Juni 1970 nach einer Schießerei aus einem Parterrefenster in den Untergrund, ihr Hopser aus der Apo in die RAF war wahrlich kein großer Sprung.

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