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: Ein Schloss im Felde und im Widerstand

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Das wunderschön gestaltete Buch liest sich wie eine Mischung aus "Namen, die keiner mehr nennt" und "Um der Ehre willen" von Marion Gräfin Dönhoff. Die 2002 verstorbene Journalistin hätte gewiss ihre Freude an dieser Doppelbiographie gehabt. Denn die evangelische Theologin, Grünen-Politikerin und frühere ...

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          Das wunderschön gestaltete Buch liest sich wie eine Mischung aus "Namen, die keiner mehr nennt" und "Um der Ehre willen" von Marion Gräfin Dönhoff. Die 2002 verstorbene Journalistin hätte gewiss ihre Freude an dieser Doppelbiographie gehabt. Denn die evangelische Theologin, Grünen-Politikerin und frühere Vizepräsidentin des Bundestages Antje Vollmer setzt Heinrich und Gottliebe von Lehndorff samt der entrückten Welt in Steinort ein eindrucksvolles und einfühlsames Denkmal in Worten und Bildern. Dabei ist die Quellenbasis dünn: wenige Tonbandaufnahmen von Gesprächen mit Gottliebe von Lehndorff, die einst Tochter Vera ("Veruschka") führte, Gottliebes Manuskript über 1944, einzelne Dokumente Heinrichs sowie Fotos aus dem Familienalbum. Den "Rest" las sich Frau Vollmer an aus Memoiren, "Kaltenbrunner-Berichten" und Sekundärliteratur.

          Graf Lehndorff wurde 1909 in Hannover geboren, wuchs in Preyl auf - in der Nähe von Friedrichstein, wo die gleichaltrige Marion Dönhoff "ihren Vetter Heini einmal im Laufe eines weitläufigen Versteckspiels im Eiskeller versteckt hatte und danach völlig vergaß". Die Eltern Lehndorff waren begeisterte Trakehnerzüchter. Seine Schwester Karin und Marion Dönhoff "eroberten sich auf dem Pferderücken nicht nur Respekt, sondern auch manche Freiheiten, die die Generation ihrer Mütter noch nicht gehabt hatte". Bald wurde die Clique auseinandergerissen, weil die Kinder in Internate mussten.

          Der betont protestantisch ausgerichteten Klosterschule Roßleben in Thüringen gelang es, den "Zögling Lehndorff" zu bändigen. Auf der Suche nach Schulzeit-Spuren fand sich die Beurteilung des Klassenlehrers, der den Adligen 1929 als "unreif, tolpatschig, poltrig, naiv" beschrieb. Von 1932 bis 1934 lebte Lehndorff in Frankfurt am Main, wo er "offensichtlich" juristische und betriebswirtschaftliche Vorlesungen besuchte. Danach leistete er "vermutlich" Wehrdienst ab. Als Anfang 1936 sein Onkel Carol starb, musste er den heruntergekommenen Großbetrieb wieder voranbringen. Steinort "war nicht nur eins der schönsten, sondern auch eines der größten Güter in Ostpreußen. Es umfasste fast 5500 ha, die Wasserflächen nicht einberechnet." Während der Olympischen Spiele lernte der junge Schlossherr in Berlin die 1913 geborene Gottliebe Gräfin von Kalnein näher kennen; Anfang 1937 fand die Hochzeit statt.

          Was "nicht gradlinig in diese Geschichte einer heilen, versunkenen Welt" passt, war Lehndorffs Eintritt in die NSDAP im Mai 1937. Ob es aus "Leichtsinn und Unbedarftheit", aus "Opportunismus oder wirtschaftlichem Kalkül" geschah, weiß Frau Vollmer nicht. Sicher sei nur, dass er "spätestens 1941 einer der Verschwörer im engsten Umkreis von Henning von Tresckow" wurde. Dies stelle den Bruch mit früheren "leichtfertigen und spontanen Entscheidungen" dar. "Was zählt in einem Leben, sind wohl doch nicht die unbedarft begangenen Irrtümer, sondern ihre Korrektur und das Maß der persönlichen Entscheidungsfreiheit, die man durch eigenes Urteilsvermögen, eigene Erfahrung und eigenes Lebensrisiko erreicht hat," meint die Biographin.

          Nach Kriegsbeginn 1939 forderte der spätere Feldmarschall Fedor von Bock den Reserveleutnant als Ordonnanzoffizier an. Nachdem Bock 1942 in die "Führerreserve" versetzt worden war, wurde Lehndorff der Heeresgruppe Mitte zugewiesen, war aber häufig freigestellt für die Gutsverwaltung. Bald begann seine Kuriertätigkeit zwischen dem Hitler-Gegner General Friedrich Olbricht in Berlin und "den verschiedenen Aufenthaltsorten Tresckows im Osten". Tresckow, Motor des militärischen Widerstandes und angeheirateter Neffe Bocks, teilte über Lehndorff im Sommer 1944 Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit, dass das Attentat auf Hitler "um jeden Preis" erfolgen müsse, "um vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Schritt gewagt" zu haben.

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