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: Ein Manager der Vernichtung

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Daß ihn selbst all dies kurzzeitig tatsächlich aufwühlte, hält Cesarani nicht für unglaubwürdig. Aber die Selbstbeschwichtigung wirkt: Kriegslage und -notwendigkeiten, die Opfer als gefährliche "Bazillen" und "Krebszellen" entmenschlicht, nicht zuletzt die Befehle von "ganz oben", von Hitler und Himmler vor allem. Als Protokollant auf der Wannsee-Konferenz dabei, wo die Durchführung des Massenmords zwischen den beteiligten Instanzen koordiniert wurde, wird Eichmann anschließend von Heydrich und "Gestapo"-Müller - mit dem er sich ohnehin einmal in der Woche trifft, gelegentlich Schach spielt - zu Cognac und Zigarre eingeladen und ist erleichtert: Er wird weiterhin gebraucht, obwohl es nicht mehr um sein Spezialgebiet Auswanderung/Vertreibung geht - seit Oktober 1941 gilt ein Ausreiseverbot für europäische Juden, ist die tödliche Falle zugeschnappt -, sondern um Vernichtung. Dazu Cesarani: "Und so machte sich Eichmann mit all seinen Managerfertigkeiten an seine neue Aufgabe. Die Deportation von Menschen in den Tod wurde mit der gleichen problemorientierten Unternehmensmentalität arrangiert, wie er früher den Transport von Benzin zu Tankstellen organisiert hätte . . . Er wurde zum Völkermord herangebildet und entschied sich dafür, das Gelernte in die Tat umzusetzen."

Eichmann, mittlerweile SS-Obersturmbannführer, entwickelte sich zum mehr als willigen, zum fanatischen Vollstrecker der "Endlösung", kontrollierte, systematisierte, dirigierte alle Etappen eines Leidenswegs von Millionen bis zu den Lagertoren, intervenierte immer wieder, um von Saloniki bis zur Slowakei Ausnahmen von der Deportation in die Vernichtung durch Gas oder Zwangsarbeit zu verhindern. Die 2000 Züge der Reichsbahn in die Todeslager ordert sein Referat. Die Bestellungen für das tödliche Zyklon B, die "Lieferung" von Skeletten und Schädeln bolschewistischer Kommissare an NS-Rassenforscher gehen über Eichmanns Schreibtisch. Die Verwendung der Haare der Opfer wird in seinen Akten geregelt. Die Statistik über die Todeszahlen hängt im Büro seines Stellvertreters, die mit Eichmanns Hilfe durch den Statistiker Richard Korherr abgefaßte "Bilanz der Vernichtung" wird auf einer Schreibmaschine mit extra großen Lettern getippt - damit auch Hitler sie lesen kann.

Überdies wurde Eichmann noch unmittelbar zum Täter, als er 1944 in Ungarn ein eigenes mörderisches Sonderkommando leitete, dabei - von ungarischer Seite unterstützt - "buchstäblich selbst vierhunderttausend Juden in Eisenbahnwaggons zur Deportation stieß", am Ende beharrlich Todesmärsche organisierte, mit Rückendeckung von Heinrich Müller und Kaltenbrunner sogar gegen Himmler opponierte, der ihn angesichts der herannahenden Niederlage plötzlich zum "Judenpfleger" machen wollte. Eichmann, der sich bis zum Schluß nicht von Rassenhaß und Rassenwahn zu lösen vermochte, blieb ein überzeugter Nationalsozialist, war tief in den Völkermord verstrickt, war ein "genocidaire", wie man heute in Frankreich sagt. Daß er gehängt und seine Asche am 1. Juni 1961 ins Meer gestreut wurde - es war das einzig mögliche Ende angesichts jener Millionen von Opfern, denen ihre Mörder selbst nicht einmal ein Grab zugestanden hatten.

DANIEL KOERFER

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