https://www.faz.net/-gqz-q1bd

: Dies Bildnis ist bezaubernd schön

  • Aktualisiert am

Stefan Fisch/Wilfried Rudloff (Herausgeber): Experten und Politik. Wissenschaftliche Politikberatung in geschichtlicher Perspektive. Verlag Duncker & Humblot, Berlin 2004. 384 Seiten, 98,- [Euro].Steffen Dagger/Christoph Greiner/Kirsten Leinert (Herausgeber): Politikberatung in Deutschland.

          Stefan Fisch/Wilfried Rudloff (Herausgeber): Experten und Politik. Wissenschaftliche Politikberatung in geschichtlicher Perspektive. Verlag Duncker & Humblot, Berlin 2004. 384 Seiten, 98,- [Euro].

          Steffen Dagger/Christoph Greiner/Kirsten Leinert (Herausgeber): Politikberatung in Deutschland. Praxis und Perspektiven. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004. 222 Seiten, 24,90 [Euro].

          Marco Althaus/Dominik Meier (Herausgeber): Politikberatung - Praxis und Grenzen. LIT Verlag, Münster 2004. 269 Seiten, 19,90 [Euro].

          Politikberatung ist - um mit Fontane zu sprechen - ein weites Feld, auf dem sich sehr unterschiedliche Akteure tummeln: Wissenschaftler, Lobbyisten und Agenturen. Die Variantenvielfalt macht generelle Aussagen fast unmöglich. Vor allem aber ist Politikberatung - in Deutschland zumal - so kontrovers wie die Politik und die Politiker, die beraten werden. Manche Beobachter glauben, zur Zeit eine Hochkonjunktur der Politikberatung feststellen zu können. Andere sprechen angesichts skandalöser Vorgänge von einer Vertrauenskrise. Die einen sehen in der Politikberatung eine potestas indirecta oder "fünfte Gewalt", die anderen schätzen ihren Einfluß gering ein. Einige versprechen sich von der Politikberatung rationale, sachadäquate Problemlösungen und einen pluralistischen Diskurs, wieder andere befürchten die Entdemokratisierung der Politik durch eine unverantwortliche und unkontrollierte "Nebenregierung".

          Soweit die Politikberatung durch Wissenschaftler erfolgt, erhoffen sich viele eine Verwissenschaftlichung der Politik, während andere eine Politisierung der Wissenschaft befürchten. Wissenschaft als Aufklärerin oder als Magd der Politik? Distanz zur Politik oder Nähe? Und seit in der Politikberatung kommerzielle Unternehmen - Consultingfirmen - eine zunehmende Rolle spielen und aus Staatsaufträgen ihre Gewinne erzielen, wird das Für und Wider der Ökonomisierung des politischen Lebens auch in diesem Bereich aktuell - Stichwort: Gutachterindustrie. Schließlich erzeugt die Professionalisierung - also Politikberatung als Beruf - die Tendenz, die "Angebotsseite" durch eigene Studien- und Ausbildungsgänge zu stärken und dabei auch ein spezielles Berufsethos zu formulieren, das sich nach Auskunft der einschlägigen Dokumente an der Leerformel des Gemeinwohls orientiert und mit dem Bemühen um Verhaltensstandards der Politiker korrespondiert.

          Dieses facettenreiche Bild mit seinen widersprüchlichen Interpretationen spiegelt sich in drei Büchern wider, die dazu beitragen wollen, die jeweiligen Aspekte zu beleuchten und die Argumente deutlicher erkennbar zu machen. Es geschieht in unterschiedlicher Weise und auf verschiedenem Niveau. Das von Marco Althaus und Dominik Meier herausgegebene Buch enthält die Tonbandabschrift der "Panels" von zwei Fachkonferenzen, die 2003/04 an dem privaten "Deutschen Institut für Public Affairs" (Potsdam/Berlin) veranstaltet wurden. Dessen "Gesellschafter und Akademischer Leiter", Mitherausgeber Althaus, hat einen längeren Beitrag nebst Dokumenten zur "Grauzone Berufsethos" beigesteuert. In dem von Steffen Dagger und anderen zusammengestellten Band sind die Gastreferate eines "praxisnahen Seminars" am Berliner Otto-Suhr-Institut abgedruckt; es ist also gewissermaßen ein Grundkurs-Reader für Lehre und Praxis der Politikberatung. Die von Stefan Fisch und Wilfried Rudloff sorgfältig recherchierte und ordentlich redigierte Publikation ist hervorgegangen aus einer Tagung am Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung der Hochschule Speyer. Die Entwicklung der wissenschaftlichen Politikberatung in Deutschland vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart wird kenntnisreich nachzeichnet und wirkungspolitisch analysiert. Die Lektüre dürfte von all denjenigen, die der Talkshows müde sind, goutiert werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel beantwortet im Rahmen der Befragung der Bundesregierung die Fragen der Abgeordneten. Dabei gibt sie sich angrifflustiger denn je.

          Regierungsbefragung : Merkel an der Ballwurfmaschine

          Gut eine Stunde lang lässt sich die Kanzlerin im Bundestag befragen und liefert sich mit Linken und Rechten einen rhetorischen Schlagabtausch – so offensiv hat man Merkel selten erlebt. Neue Inhalte wurden dabei gleich mitgeliefert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.