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: Die Endphase des Alles oder Nichts

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Die blutigsten Jahre der Menschheitsgeschichte zu beschreiben und im Gedächtnis der Welt zu halten, ist ein Unterfangen, an dem seit jenem 1. September 1939 viele Nationen mitwirken. Da der Zweite Weltkrieg mit seinen 60 Millionen Toten - die Mehrzahl Zivilisten - vom Deutschen Reich gezielt herbeigeführt und gegen jede Vernunft bis zum 8.

          Die blutigsten Jahre der Menschheitsgeschichte zu beschreiben und im Gedächtnis der Welt zu halten, ist ein Unterfangen, an dem seit jenem 1. September 1939 viele Nationen mitwirken. Da der Zweite Weltkrieg mit seinen 60 Millionen Toten - die Mehrzahl Zivilisten - vom Deutschen Reich gezielt herbeigeführt und gegen jede Vernunft bis zum 8. Mai 1945 hingezogen wurde, ist es für die zivilisierte Welt von eminenter Bedeutung, wie Deutschland mit seiner historischen Verantwortung für diese Katastrophe umgeht. Der Kampf um Aufrichtigkeit gegenüber der eigenen Geschichte ist in der Bundesrepublik mittlerweile an ein gutes Ende gelangt. Es war nicht zuletzt die Bundeswehr, die aktiv daran teilnahm. Mit ihrem renommierten Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) leistete sie einen zentralen Beitrag zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus, der aus dem Krieg kam, Krieg bedeutete und im Krieg unterging: Mit Erscheinen von Band 10 über den Zusammenbruch 1945 ist das Monumentalwerk "Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg" im Umfang von insgesamt über 12000 Druckseiten abgeschlossen.

          Nüchtern und auf hohem zeitgeschichtswissenschaftlichen Niveau analysiert die Weltkriegsgeschichte aus dem MGFA den verbrecherischen, die Interessen der Nation mit Füßen tretenden Angriffskrieg und die aktive Mittäterschaft - "Verstrickung" wäre der falsche Begriff - der Wehrmacht dabei. Das imponierende Werk ist von wohlfeiler Verdammungsliteratur ebenso weit entfernt wie von den Entschuldungsstrategien gescheiterter Militäreliten und einflussreicher, politisch lange gut abgestützter Traditionalisten in den westdeutschen Streitkräften, die den gern geglaubten Mythos von der "sauberen Wehrmacht" bis in die achtziger Jahre hinein hochzuhalten versuchten.

          Bereits während der Planungen, die bis in die sechziger Jahre zurückreichen, verließ man die Bahnen altgedienter Operations- und Kriegsgeschichte preußisch-deutscher Tradition und öffnete sich einer modernen Militärgeschichte, ja die damals noch in Freiburg ansässigen Historiker begründeten sie mit. Da sich im Zeitalter des industrialisierten Krieges die Unterscheidung zwischen Front und "Heimatfront" verwischt, weil alle Bürger und das gesamte Potential des Staates in die totale Kriegsanstrengung einbezogen werden, ist eine militärgeschichtliche Gesamtdarstellung heute nur noch dann akzeptabel, wenn sie sich um eine ausbalancierte Behandlung politischer, ökonomischer, sozialer, militärischer, technischer, psychologischer und kultureller Wirkungsfaktoren bemüht. Das haben die seit der Wiedervereinigung in Potsdam arbeitenden Historiker frühzeitig erkannt und in dreißigjähriger Arbeit eindrucksvoll umgesetzt.

          Bücher haben ihre Geschichte, heißt es. Diese zehn Bände spiegeln wie wenige die Geschichte der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Deutschland, aber auch den ungemein fruchtbaren Methodenpluralismus und die Meinungsvielfalt in der Zeitgeschichtsforschung. Sie sind zugleich die Visitenkarte einer Armee, die sich aus einer verhängnisvollen Militärtradition gelöst hat. Es versteht sich, dass dem ausdauernden Leser in dieser Darstellung auf breitester Literatur- und Quellengrundlage sämtliche halbwegs belangvollen deutschen Operationen zu Wasser, zu Lande und in der Luft einschließlich der gegnerischen Strategien auf allen Kriegsschauplätzen vor Augen geführt werden. Bis ins Detail hinein lernt er die Mobilisierung der "Volksgemeinschaft" und eines Militärapparates kennen, in dem 5,3 Millionen Soldaten ihr Leben ließen - "eine der größten Opfergruppen innerhalb der deutschen Gesellschaft". Man erfährt, wie unzulänglich das System der Kriegswirtschaft funktionierte und wie hoffnungslos unterlegen das industrielle Potential der Achsenmächte dem der Anti-Hitler-Koalition immer gewesen ist.

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