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: Die Bombenbastler Hitlers

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Rainer Karlsch: Hitlers Bombe. Die geheime Geschichte der deutschen Kernwaffenversuche. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005. 415 Seiten, 24,90 [Euro].Die Bombe platzte am 3. März 1945 auf dem Gelände des KZ Ohrdruf im Thüringischen - dann 60 Jahre später als "medialer Super-GAU", wie ein Journalist meinte.

          Rainer Karlsch: Hitlers Bombe. Die geheime Geschichte der deutschen Kernwaffenversuche. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005. 415 Seiten, 24,90 [Euro].

          Die Bombe platzte am 3. März 1945 auf dem Gelände des KZ Ohrdruf im Thüringischen - dann 60 Jahre später als "medialer Super-GAU", wie ein Journalist meinte. Von "Sensation" bis "Scharlatanerie" reichen die Wertungen des Buchs von Rainer Karlsch. Die einen glauben, die Geschichte des "Dritten Reiches" müsse umgeschrieben werden, die anderen sehen im Autor schlicht einen "Spinner". Es gibt Physiker und physikalische Anstalten, die Karlschs Thesen bestätigen, andere bestreiten sie. Am 12. Oktober 1944 auf Rügen, am 3. März 1945 in Ohrdruf unter der formalen Leitung der SS (Hans Kammler) seien zwei nukleare Explosionen ausgelöst worden; letztere habe Hunderte von Menschenleben gefordert. Gerade deswegen hätten alle Beteiligten über Farm Hall (das englische Internierungslager für deutsche Atomforscher) hinaus bis zu ihrem Lebensende sich gehütet, davon zu sprechen. Diese Behauptung ist Höhe- und Endpunkt des Buches zugleich.

          Einige Indizien (Bodenproben) sprechen für, andere gegen diese nuklearen Ereignisse. Die Phalanx der heutigen deutschen Atomphysiker scheint sich nur in einem Punkt einig zu sein: Was, wenn überhaupt, immer da explodierte, eine Atombombe vom Typ Hiroshima war es nicht, denn es ist unbestritten, daß den Deutschen die dafür benötigte Menge hochangereicherten Urans 235 nicht zur Verfügung stand. Vielleicht aber war es eine nach dem Hohlladungsprinzip gezündete kleine "Atomgranate" (Karlsch in einem Interview), vermutlich vom Typ einer Neutronenwaffe. Weitere Untersuchungen seien notwendig, dies der einhellige Tenor der Fachleute. Wie es zu der Explosion vom 3. März 1945 kam oder kommen konnte, ist der eigentliche Inhalt dieses Buches - umständlich, langatmig, aber nicht unlogisch erzählt, ein mixtum compositum aus harten Quellen, physikalischen Untersuchungen, klugen Überlegungen, gewagten Spekulationen und bloßen ondits, die 60 Jahre später in den Legendenschatz zur Geschichte des "Dritten Reiches" vorzüglich passen. Karlsch hat ein verdienstvolles Buch geschrieben - es ließe sich unschwer unter die kontrafaktische Geschichtsschreibung einordnen. Oder die der Science-fiction. Was wäre, wenn . . . Das ist eine legitime historische Frage.

          Daß Heisenberg, Carl Friedrich von Weizsäcker, auch Harteck weder Heroen noch Schurken waren, ist nicht neu. Neu ist, daß Gerlach, Trinks, Ardenne und ein paar andere viel tiefer in die atomare Bombenplanung verstrickt waren, als sie nach dem Krieg glauben machen wollten. Sensationell wirkt die Behauptung, Kriegsmarine wie Reichspost hätten ihr jeweils eigenes atomares Süppchen gekocht - wovon zumindest in den großteils erhalten gebliebenen Akten der Seekriegsleitung mit keinem Wort die Rede ist, geschweige denn, daß die Protagonisten mit den Admiralen Rhein und Witzell an der Spitze je darüber geschrieben hätten. Gesprochen auch nicht: Karlsch behauptet, bei dem Gespräch zwischen Hitler und Dönitz am 14. Oktober 1944 sei es vermutlich um den Rügen-Versuch gegangen, es gebe keine Aufzeichnungen. Doch, die gibt es, und aus denen geht hervor, daß die beiden über viele aktuelle Probleme der Kriegführung miteinander gesprochen haben - nicht aber über irgendwelche atomaren.

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