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: Der verlorene Vater

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WIDERSTAND. Die Journalistin Wibke Bruhns hat ein Buch über Hans Georg Klamroth geschrieben, jenen Major der Reserve aus großbürgerlicher Kaufmannsfamilie in Halberstadt, der zu den Männern des 20. Juli gezählt wird. Dabei hatte der Abwehroffizier nie an der eigentlichen Attentatsplanung teilgenommen, war nur "Mit-Wisser, nicht Mit-Täter".

          WIDERSTAND. Die Journalistin Wibke Bruhns hat ein Buch über Hans Georg Klamroth geschrieben, jenen Major der Reserve aus großbürgerlicher Kaufmannsfamilie in Halberstadt, der zu den Männern des 20. Juli gezählt wird. Dabei hatte der Abwehroffizier nie an der eigentlichen Attentatsplanung teilgenommen, war nur "Mit-Wisser, nicht Mit-Täter". So sieht es die 1938 geborene Tochter, die jüngste von fünf Kindern. Ihre Schwester Ursula heiratete 1943 den vierzehn Jahre älteren Oberstleutnant Bernhard Klamroth, einen Vetter zweiten Grades von Hans Georg. Bernhard war ein enger Vertrauter des Hitler-Gegners Generalmajor Hans Stieff und besorgte gemeinsam mit Albrecht von Hagen den Sprengstoff für das Attentat. Ein Treffen der beiden Klamroths mit Stieff und Claus von Stauffenberg Anfang Juli 1944 sollte Hans Georg zum Verhängnis werden, weil er danach weder seinen Schwiegersohn Bernhard noch die anderen Verschwörer ans Messer lieferte. Bernhard wurde am 21. Juli 1944, Hans Georg am 25. Juli verhaftet - dazwischen kam noch am 22. Juli Bernhards und Ursulas Sohn zur Welt. Mitte August verurteilte der Volksgerichtshof Bernhard und Hans Georg als Hochverräter zum Tode. 35 Jahre später sah Wibke Bruhns in einer Fernsehdokumentation ihren Vater vor dem Volksgerichtshof, aber erst nach dem Tode von Mutter Else im Jahr 1987 begann sie, über sein Leben zu recherchieren: "Heute weiß ich, daß viele der 20.-Juli-Witwen gegenüber ihren Kindern geschwiegen haben. Es war ein Schweigen, wo Fragen sich verbot. Die Zumutung wurde von beiden Seiten vermieden." Sie erzählt die Geschichte ihrer Familie vom Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, leidet nachträglich innig mit der Mutter an den Eskapaden des Vaters, dem sowohl Ehefrauen aus befreundeten Familien als auch Au-pair-Mädchen nicht nur zu Füßen liegen wollten. Die Eltern waren in der NSDAP und setzten große Hoffnungen auf den "angebeteten" Hitler; bei der Mutter kamen nach dem Judenpogrom 1938 erste Zweifel am Regime auf, beim Vater während des Dänemark-Einsatzes 1940/41. Mehrfach wirft die Tochter ihnen nun vor, daß sie sich wohl zu sehr um Deutschlands Ehre und viel zuwenig um das Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus gesorgt hätten. Immerhin endet die eindrucksvolle, den Leser mitreißende und durch die zitierten Familienpapiere quellennahe Vatersuche versöhnlich: "Ich habe von dir gelernt, wovor ich mich zu hüten habe. Dafür ist ein Vater da, nicht wahr? Ich danke dir." (Wibke Bruhns: Meines Vaters Land. Geschichte einer deutschen Familie. Econ Verlag, München 2004. 396 Seiten, 22,- [Euro].)

          rab.

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