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: Der Aussöhner

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Der langjährige Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien (1968 bis 2000) behandelt in seinem Buch schlaglichtartig und in gut lesbarem, essayistischem Zugriff Fragen aus dem Komplex "Flucht und Vertreibung, Vertriebenenintegration, deutsch-polnische Beziehungen, Politik der Vertriebenenverbände", und zwar unter besonderer Berücksichtigung Schlesiens beziehungsweise der Schlesier.

          Der langjährige Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien (1968 bis 2000) behandelt in seinem Buch schlaglichtartig und in gut lesbarem, essayistischem Zugriff Fragen aus dem Komplex "Flucht und Vertreibung, Vertriebenenintegration, deutsch-polnische Beziehungen, Politik der Vertriebenenverbände", und zwar unter besonderer Berücksichtigung Schlesiens beziehungsweise der Schlesier. Herbert Hupka, als "Halbjude" und Vertriebener Opfer zweier totalitärer Systeme und von diesen Erfahrungen tief geprägt, war stets ein unkonventioneller Geist. Bis 1990 ein unbedingter Verfechter der Nichtanerkennung der Oder-Neiße-Linie, was ihm (zu Unrecht) den Vorwurf des Revanchismus eintrug, widmet sich Hupka seit der von ihm nicht in Frage gestellten abschließenden Regelung der Grenzfrage um so stärker dem Ziel einer echten Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen. Seine Heimat Schlesien, die heute dort lebenden Menschen (polnische Mehrheit wie deutsche Minderheit) und die Schlesier und ihre Nachkommen in der Bundesrepublik betrachtet er hierbei als wichtige Brücke zwischen beiden Völkern. Davon legt das Buch eindrucksvoll Zeugnis ab. So werden Kritiker der Vertriebenenverbände möglicherweise erstaunt lesen, daß sich der Autor vom Wirken der "Preußischen Treuhand" distanziert.

          Vehement kritisiert Hupka fehlende Sachkenntnis über deutsch-polnische Gegenwartsfragen bis in die Ebene der Medien und der Politik hinein und fordert, diesem Mißstand abzuhelfen. Das Geleitwort des niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff, der nach seiner Amtsübernahme die seit 1950 bestehende Patenschaft seines Landes für die Landsmannschaft Schlesien wiederaufleben ließ, darf vor diesem Hintergrund wohl als demonstrative Geste verstanden werden. Tätige Aussöhnung impliziert für Hupka das geduldige Bohren dicker Bretter, allen Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschen und Polen zum Trotz. Das "Zentrum gegen Vertreibungen" ist für ihn ein konstruktiv gemeinter Teil eines solchen, für beide Seiten nicht einfachen Dialogs. Auch wenn man nicht allen Aussagen uneingeschränkt folgen will, so ist der Band dennoch ein wichtiger Beitrag zu einer Debatte, die sich - aus unverstelltem Blick in die Vergangenheit - als in die Zukunft gerichtet versteht. Bedauerlich ist das völlige Fehlen von Anmerkungen und Literaturangaben, das es dem Leser zum Teil erschwert, die Argumentation Hupkas schlüssig nachzuvollziehen.

          MATTHIAS STICKLER

          Herbert Hupka: Schlesien lebt. Offene Fragen - kritische Antworten. Langen Müller Verlag, München 2006. 236 S., 19,90 [Euro].

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