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: Der Alte im Fegefeuer

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Die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag. Sitzungsprotokolle 1957-1961. Bearbeitet von Reinhard Schiffers. Zwei Halbbände. Droste Verlag, Düsseldorf 2004. 1012 Seiten, 184,- [Euro]."Wissen Sie, meine lieben Parteifreunde, mein Freund Pferdmenges hat drei verschiedene Bezeichnungen der Wahrheit.

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          Die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag. Sitzungsprotokolle 1957-1961. Bearbeitet von Reinhard Schiffers. Zwei Halbbände. Droste Verlag, Düsseldorf 2004. 1012 Seiten, 184,- [Euro].

          "Wissen Sie, meine lieben Parteifreunde, mein Freund Pferdmenges hat drei verschiedene Bezeichnungen der Wahrheit. Er sagt: Das ist die Wahrheit, dem gegenüber steht der Ausdruck, das ist die reine Wahrheit, und wenn es ganz hoch geht, sagt er, das ist die lautere Wahrheit. Ich verspreche Ihnen, die reine Wahrheit zu sagen. Ich entnehme Ihren Mienen, daß Sie damit ganz zufrieden sind." So Bundeskanzler Adenauer in der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 8. Dezember 1959. Der Kanzler gab einen Überblick über die Außenpolitik - und machte dabei deutlich, wie viel Information er bereit war, der Fraktion mitzuteilen. Dann ging es um innenpolitische Fragen - "etwas durcheinander", weil Adenauer einmal als Vorsitzender der CDU, dann als Bundeskanzler und, wie er meinte, "vielleicht auch als Freund der CDU" sprach. Adenauer erwähnte Dinge, die auch nach 45 Jahren nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben, etwa den ausgeglichenen Bundeshaushalt. Der könne nur erreicht werden, "wenn wir alle an einem Strick ziehen und wenn keine Extratouren geritten werden". Oder, an anderer Stelle: Es bestehe "leider auch Anlaß, darauf hinzuweisen, daß unsere eigenen Redner im Plenum sehr oft vor leeren Bänken sprechen müssen". Oder: "Wenn die Wähler diese unsere Politik gar nicht mehr verstehen können; das ist das Schlimmste." Oder - in derselben Sitzung - die Mahnung an Abweichler bei Abstimmungen: Man müsse nicht unter allen Umständen mit dem Kopf nicken, "aber wenn die Situation so ist, daß die ganze Absprache gefährdet wird, dann muß man soviel innere Disziplin haben und, wenn es einem auch das Herz abdrückt, den Mund halten können. Ich muß auch oft den Mund halten im Kabinett - und das war jetzt die lautere Wahrheit." Die Fraktion dankte es ihm mit starkem, anhaltendem Beifall.

          Beifall gab es nicht immer, auch wenn das Verhältnis des Kanzlers zur Fraktion sicherlich nicht so war, wie Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier berichtet: Adenauer hatte ihn einmal gefragt, ob er wisse, "was Fegefeuer ist". Auf Gerstenmaiers Antwort, "daß das kein Lehrstück evangelischer Theologie sei", habe Adenauer erwidert: "Für mich ist das Fegefeuer, wenn ich in die Fraktion muß."

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