https://www.faz.net/-gqz-uuch

: Den Umzug in den Ostteil erwogen

  • Aktualisiert am

Die Kommission für Zeitgeschichte in Bonn eröffnet eine neue Editionsreihe: "Akten deutscher Bischöfe seit 1945". Sie wird in Teilbänden parallel für Ost und West erscheinen. Der vorliegende "ostdeutsche" Band umfasst die Amtszeit von Julius Döpfner als Bischof von Berlin und Vorsitzender der Berliner Ordinarienkonferenz von 1957 bis 1961.

          4 Min.

          Die Kommission für Zeitgeschichte in Bonn eröffnet eine neue Editionsreihe: "Akten deutscher Bischöfe seit 1945". Sie wird in Teilbänden parallel für Ost und West erscheinen. Der vorliegende "ostdeutsche" Band umfasst die Amtszeit von Julius Döpfner als Bischof von Berlin und Vorsitzender der Berliner Ordinarienkonferenz von 1957 bis 1961. Der 1958 zum Kardinal erhobene Döpfner war zuvor Bischof von Würzburg gewesen. Starke politische Spannungen prägten Döpfners Berliner Jahre. Das Bistum umfasste West- und Ost-Berlin sowie Gebiete in der DDR, so dass die innere Verbundenheit und die Einheit des Bistums ein besonderes Anliegen des Bischofs war. Bedroht wurde die durch die Berlin-Politik der Sowjetunion und der DDR, deren Höhepunkte die von Chruschtschow 1958 geforderte Umwandlung des westlichen Teils von Berlin in eine entmilitarisierte freie Stadt und der Mauerbau am 13. August 1961 waren. Innenpolitisch verstärkte die SED mit ihrem V. Parteitag 1958 die Offensive zur gewaltsamen Durchsetzung sozialistischer Produktionsverhältnisse, der atheistischen Erziehung und der Zurückdrängung des kirchlichen Lebens. Mit der Bildung des DDR-Staatsrates im September 1960 und der Übernahme des Vorsitzes vereinigte der "Erzstalinist Walter Ulbricht" (so Döpfner) als Partei- und Staatschef alle Macht in seinen Händen.

          Als Vorsitzender der Berliner Ordinarienkonferenz war Döpfner, der in West-Berlin wohnte, der legitimierte Sprecher der katholischen Kirche in der DDR, einer Diasporakirche mit rund 1,2 Millionen Mitgliedern, die sich in einem sich verschärfenden Existenzkampf mit einem weltanschaulich-atheistischen, kämpferisch-sozialistischen Staat befand. Seine Hauptaufgabe sah er darin, die innere Geschlossenheit von Episkopat, Priestern und Gläubigen in der DDR zu bewahren. Entschlossen wollte er allen Versuchen widerstehen, die Einheit des Katholizismus im geteilten Deutschland aufzubrechen, die Kirche in der DDR zu unterwandern und ihre Diener politischen Absichten dienstbar zu machen. So bekräftigte der neue Bischof am 1. Mai 1957 die Anweisung seiner Vorgänger, dass nur der Bischof gegenüber weltlichen Stellen Erklärungen zu Zeitfragen im Namen der katholischen Kirche abgeben könne.

          Die katholische Kirche in der DDR wies damals, bedingt durch Oder-Neiße- und Zonengrenze, folgende Gliederung auf: Bistum Berlin mit einem Teil seines Territoriums, Bistum Meißen, Bereich des Erzbischöflichen Amtes Görlitz (der Teil des Erzbistums Breslau westlich von Oder und Neiße), Erzbischöfliches Kommissariat Magdeburg (Teil des Erzbistums Paderborn), Bereich des Bischöflichen Generalvikariats Erfurt (Teil des Bistums Fulda), Bischöfliches Kommissariat Schwerin (Teil des Bistums Osnabrück), Bischöfliches Kommissariat Meiningen (Teil des Bistums Würzburg). Die "einmütige Gemeinschaft" der Berliner Ordinarienkonferenz, in der seit 1950 die Bischöfe von Berlin und Meißen mit den Bischöflichen Kommissaren der anderen Jurisdiktionsbezirke zusammenwirkten, erwies sich im Kampf des ostdeutschen Katholizismus gegen den Staat als segensreiche Einrichtung. Im Gegensatz zur evangelischen Kirche konnte die katholische Kirche in der DDR so mit einer Stimme sprechen. Mutig trat sie für die Glaubens- und Gewissensfreiheit der katholischen Christen und für die Wirkungsmöglichkeiten der Kirche in der DDR ein.

          Weitere Themen

          Was heißt hier Aufarbeitung?

          Missbrauch in der Kirche : Was heißt hier Aufarbeitung?

          Die Vorwürfe gegen das Erzbistum Köln wegen der Zurückhaltung eines Gutachtens über sexualisierte Gewalt werden immer lauter. Doch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken findet keine klare Haltung dazu.

          Topmeldungen

          Zum Tod von Diego Maradona : In den Händen Gottes

          Bei der WM 1986 wurde er in Argentinien zum Heiligen. Er war einer, der es nach ganz oben schaffte. Nun muss die Fußball-Welt sich von einem ihrer größten Spieler verabschieden: Im Alter von nur 60 Jahren ist Diego Armando Maradona gestorben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.