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: CDU-Werte

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Kristina Köhlers Doktorarbeit ist nicht so öde wie der Buchtitel. Die zur Familienministerin aufgestiegene Abgeordnete erstellte die Dissertation neben ihrem Mandat. Dafür durfte sie eine repräsentative Stichprobe aus allen Mitgliedern ihrer Partei ziehen. Die ermittelten Positionen verglich sie ...

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          Kristina Köhlers Doktorarbeit ist nicht so öde wie der Buchtitel. Die zur Familienministerin aufgestiegene Abgeordnete erstellte die Dissertation neben ihrem Mandat. Dafür durfte sie eine repräsentative Stichprobe aus allen Mitgliedern ihrer Partei ziehen. Die ermittelten Positionen verglich sie mit Einstellungen, die sich aus einer schriftlichen Befragung der CDU-Bundestagsabgeordneten ergaben. So wollte sie herausfinden, was den Befragten wichtiger sei: die Gleichheit des Egalitarismus oder die Freiheit des Non-Egalitarismus. Zwar handelt es sich dabei um Modelle der Politischen Theorie. Aber die Autorin meint, dass sie im Wahlkampf 2005 eine enorme Bedeutung entfaltet hätten. Paul Kirchhofs steuerpolitisches Konzept, ein wesentlicher Grund für das unerwartet schlechte Abschneiden der Union, ist non-egalitär. Der von ihm propagierte einheitliche Steuersatz von 25 Prozent für alle Einkommensstufen schwächt die durch den progressiven Tarif bewirkte Angleichung ab. Er verstärkt die Ungleichheit der Einkommen. Die Befragung ergab, dass sich Abgeordnete und Mitglieder in großer Mehrheit zum Non-Egalitarismus bekennen. Frau Köhler zählt ihn gar zum "ideologischen Kernbestand der CDU". Eine Ursache dafür sieht sie in der Unzufriedenheit mit der Politik der großen Koalition. Das Ergebnis der Befragung habe viele Parlamentarier überrascht. Denn die hatten in den Fragebögen die Vermutung geäußert, dass die Mitglieder ihre non-egalitäre Haltung eher ablehnen würden. Weil die forschende Parlamentarierin sich auf die CDU beschränkt, kann sie einer weiteren Erkenntnis nicht genauer nachgehen. Sie besteht in der alarmierenden Tatsache, dass über Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit zwar innerhalb der CDU Einigkeit herrscht, die Mehrheit der Bevölkerung aber anderer Meinung ist.

          EWALD HETRODT

          Kristina Köhler: Gerechtigkeit als Gleichheit? Eine empirische Studie der objektiven und subjektiven Responsivität von Bundestagsabgeordneten. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009. 303 S., 39,95 [Euro].

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