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: Aus der Perspektive der Gestapo

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Als Sönke Zankel seine Forschungsergebnisse über die Münchener Widerstandsgruppe unter dem Titel "Die Weiße Rose war nur der Anfang" (2006) veröffentlichte, gab es zumeist harsche Kritik. Nun legt er nach mit einer mehr als doppelt so umfangreichen Darstellung, ergänzt um eigene Kapitel zu den Mentoren, zur "politischen Einordnung" und zu den Nachfolgeaktionen.

          Als Sönke Zankel seine Forschungsergebnisse über die Münchener Widerstandsgruppe unter dem Titel "Die Weiße Rose war nur der Anfang" (2006) veröffentlichte, gab es zumeist harsche Kritik. Nun legt er nach mit einer mehr als doppelt so umfangreichen Darstellung, ergänzt um eigene Kapitel zu den Mentoren, zur "politischen Einordnung" und zu den Nachfolgeaktionen. Was Vielfalt, Vollständigkeit und Neuartigkeit der herangezogenen Quellen betrifft, erwirbt sich der Autor unbestreitbare Verdienste, ebenso wie bei seiner eingehenden Diskussion der Sekundärliteratur, die allerdings durchweg mit einem abschätzigen Verdikt endet. Beharrlich, beinah dogmatisch weigert er sich, die Widerstandsgruppe - wie im allgemeinen Sprachgebrauch auch aus Gründen der willkommenen Symbolwirkung üblich - "Weiße Rose" zu nennen. Seine Begründung, dass nur die ersten vier der insgesamt sechs Flugblätter sich explizit auf die "Weiße Rose" bezogen hätten, ist dafür wenig stichhaltig. Deutlich wird dessen ungeachtet, dass wieder einmal die schon seit einigen Jahrzehnten beliebte "Entmythologisierung" und "Entsymbolisierung" von "Helden des Widerstandes" ansteht, für die sich - im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Begründung einer Widerstandstradition in der frühen Bundesrepublik - die seinerzeit mit vielen heroisierenden Beiwörtern bekränzte "Weiße Rose" im besonderen Maße anbietet.

          Dass Zankel damit längst geöffnete Türen einrennt, hat man ihm bereits nach der Vorabpublikation mehrfach bescheinigt. Gleiches gilt für Zankels irrigen Weg, wenn er eine - dem Wandel von Formen- und Wertevorstellungen geschuldete und zum Verständnis vergangener Wirklichkeiten auch notwendige - "Entmythologisierung" von historischen Personen, ihren Vorstellungen und Handlungen über weite Strecken mit deren "Skandalisierung" und weitgehender "Entwertung" zu erreichen glaubt. Wieder erscheinen die Gefährten des Scholl-Kreises in Zankels Diktion in großen Teilen als betont nationalistische, antijudaistische beziehungsweise antisemitische, einem archaischen Frauenbild nachhängende, "antidemokratische", ja "konterrevolutionäre" Mitglieder einer intellektuellen elitären Clique, die lange Zeit überdies überzeugte Anhänger der nationalsozialistischen Herrschaft gewesen waren. Ihre Wendung gegen das Regime habe sich an einem unklaren, durchgängig nicht politisch verstandenen Freiheitsbegriff orientiert, keinesfalls aber an prinzipiell "demokratischen" oder "internationalen" Motiven. Ihr Widerstand habe sich in sechs, zuweilen unter der Wirkung von Aufputsch- oder Betäubungsmitteln ausgeführten Flugblattaktionen erschöpft. Die Gruppe sei durch die umfassende Aussagebereitschaft der verhafteten Widerständler gegenüber der Gestapo rasch zerschlagen worden und ohne nennenswerte Wirkung geblieben.

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