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: Apologeten

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Breschnew handelte mit großer Voraussicht, als er im August 1968 die Intervention gegen den Sozialismus mit menschlichem Antlitz in Prag anordnete. Der Westen habe versucht, "die Tschechoslowakei aus dem Ostblock herauszubrechen, um die ursprünglich herrschenden Verhältnisse zu restaurieren". Was ...

          Breschnew handelte mit großer Voraussicht, als er im August 1968 die Intervention gegen den Sozialismus mit menschlichem Antlitz in Prag anordnete. Der Westen habe versucht, "die Tschechoslowakei aus dem Ostblock herauszubrechen, um die ursprünglich herrschenden Verhältnisse zu restaurieren". Was 1968 dank der Wachsamkeit des sozialistischen Bündnisses verhindert wurde, glückte 1989, "weil es dieses Bündnis nicht mehr gab". Kaum zu glauben, aber wahr, diese Thesen stammen aus der Feder des ehemaligen Dresdner PDS-Stadtverordneten Horst Schneider, der zu DDR-Zeiten Allgemeine Geschichte lehrte. Er hat die Vorbemerkung zu einer seltsamen Dokumentensammlung verfasst, die unter dem Titel "Prag 1968" herausgekommen ist. Klaus Kukuk, ehemals DDR-Botschafter in Prag, steht zwar mit seinem Namen als Herausgeber auf dem Buchdeckel. Zu der erzreaktionären Rechtfertigung der 68er Intervention gegen die angebliche Verschwörung eines "Zentrums" von "antisozialistischen Kräften" gegen die Staatsordnung der damaligen CSSR hat er jedoch keine Zeile beigesteuert. Die als bislang "unbekannt" dargebotenen Dokumente sind Protokolle und Mitschriften aus Führungsgremien der tschechoslowakischen KP sowie des Warschauer Paktes aus dem Jahr 1968. Das Wesentliche daraus ist längst bekannt. Sie taugen aber als Belege für die erschreckende Stumpfheit und den Zynismus der Interventionsmächte. "Wie fühlt sich der Genosse Cernik?", fragte Breschnew den tschechoslowakischen Ministerpräsidenten am 23. August 1968, nachdem man ihn und Parteichef Alexander Dubcek gewaltsam nach Moskau geschafft hatte. "Schlecht, wie wir alle", antwortet Cernik. Bald werde "der Rausch nachlassen, Propaganda und Ideologie werden wieder normal zu fungieren beginnen", und "die Arbeiterklasse wird begreifen, dass die Rechten hinter dem Rücken des Zentralkomitees und der Regierung die Umwandlung der Tschechoslowakei aus einer sozialistischen in eine bürgerliche Republik vorbereitet hatten". Linke Reaktionäre glauben noch heute, dass Breschnew recht hatte.

          JOCHEN STAADT

          Klaus Kukuk (Hrsg.): Prag 68. Unbekannte Dokumente. Verlag edition ost, Berlin 2008. 288 S., 14,90 [Euro].

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