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: Apokalyptische Zuspitzung

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Bücher, die ihre Leser aufrütteln sollen, sind nicht so einfach zu komponieren. Es kommt vor allem darauf an, eine Balance zu finden zwischen schlechten und guten Nachrichten. Gibt es nicht genügend schlechte Nachrichten, könnte die Reaktion darauf sein: Na und, ist noch immer gutgegangen! Überwiegen sie jedoch, wirkt das lähmend und löst Untergangsstimmung aus.

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          Bücher, die ihre Leser aufrütteln sollen, sind nicht so einfach zu komponieren. Es kommt vor allem darauf an, eine Balance zu finden zwischen schlechten und guten Nachrichten. Gibt es nicht genügend schlechte Nachrichten, könnte die Reaktion darauf sein: Na und, ist noch immer gutgegangen! Überwiegen sie jedoch, wirkt das lähmend und löst Untergangsstimmung aus. Genau das soll aber nach der Absicht der Verfasser solcher Aufrüttelungsbücher nicht geschehen. Vielmehr sollen sich deren Leser am Ende der Lektüre sagen: Jetzt muss ich sofort selbst etwas tun! An diese Grundregel für Aufrüttelungsbücher haben sich die Journalisten Harald Schumann und Christiane Grefe akribisch gehalten: "Die Menschheit steht am Scheideweg. Die Alternativen lauten: globale Kooperation oder globalisierte Katastrophen. Und nach heutigem Wissensstand bleiben nur zehn, vielleicht gerade noch fünfzehn Jahre, um die entscheidenden Weichen zu stellen."

          Aus dieser politischen Absicht ergibt sich die Darstellungs- und Argumentationsmethode der neun Kapitel des Buches, in denen nacheinander die Folgen der wirtschaftlichen Globalisierung, die Anarchie auf dem Weltkapitalmarkt, die Klimaveränderung, die Energieproduktion und schließlich in den drei letzten Kapiteln die als unzureichend, jedoch verbesserungsfähig eingestuften internationalen Institutionen und Mechanismen zur Bewältigung all der vorher aufgezählten drängenden Probleme vorgestellt werden. Es ist die Mäander-Methode, das ständige Hin und Her zwischen düsteren Prognosen und deren aufhellender Relativierung. Als Leser wird man dadurch in ein Bad der Emotionen getaucht. Einerseits wird alles immer schlimmer, andererseits steigen auch die Chancen für einen Sieg über die gefährlichsten Herausforderungen. Was zwischen dem Einerseits und dem Andererseits liegt, das ist der Wille ganz vieler Einzelner, sich selbst für die gute Sache in die Bresche zu werfen.

          Einmal abgesehen davon, dass das Genre der Aufrüttelungsliteratur ziemlich zwiespältig ist, weist es auch große Qualitätsunterschiede auf. Die Probe aufs Exempel kommt immer erst nach ein paar Jahren. So lange braucht es, bis sich, in den meisten Fällen, die schlechten Nachrichten als maßlos übertrieben und falsch akzentuiert herausgestellt haben und die darauf aufbauenden Prognosen als falsch. Den Aufrüttelungsspezialisten ficht das freilich nicht an, denn er schreibt ja seinem Buch das Verdienst zu, das Schlimmste verhindert zu haben. Manchmal ist das auch gar nicht ganz falsch, aber es trifft nur auf die Spitzenprodukte zu. Ob "Der globale Countdown" dazugehört, ist fraglich. Und das nicht etwa, weil Schumann und Grefe im sachlichen Teil gravierende Fehler unterlaufen wären. Gerade etwa die anschaulich formulierten Betrachtungen zur globalisierten Weltwirtschaft sind aufklärend im besten Sinne des Wortes.

          Problematisch wird das Buch hingegen wegen des Hangs der beiden Verfasser zu einer Art rot-grüner Dogmatisierung ihrer Lösungsvorschläge. Das lässt sich vor allem an dem zentralen und längsten Kapitel des Buches studieren, in dem es um die "ökologische Anpassung des Kapitalismus" geht: Der Klimaschutz sei fünfzehn Jahre nicht vorangekommen, weil die Ergebnisse der Klimawissenschaft die Geschäfte besonders der amerikanischen Öl-, Kohle- und Automobilindustrie bedroht hätten. Eine saubere Kohle-Technologie könne es nicht geben, Hoffnungen auf die Atomenergie seien der "größte anzunehmende Irrtum der globalen Klimadebatte", und Biosprit sei ein Irrweg. Klar, wo bei derlei Gefahren dann das Rettende wächst: im ökologischen Landbau, in den Solarzellen und den Windrädern. In China könnten die riesigen Staudämme den Anteil an erneuerbarer Energie binnen kurzem auf 40 Prozent vergrößern. Das liegt alles nicht weit weg von Ökotopia. Wenn es auch richtig ist, in erneuerbare Energien zu investieren, so wäre es doch ein großer Fehler, die unbeabsichtigten Nebenfolgen solcher scheinbaren Ideallösungen einfach zu ignorieren.

          Besonders verquer mutet der Schluss des Buches an, der in einer Art Eloge auf die Europäische Union als "dem Imperium, das niemanden bedroht", mündet. Zugleich wird als Ursache für das bisherige Versagen Europas auf der Weltbühne ihr Mangel an Demokratie konstatiert. Und als Strafe für das Ausbleiben einer kooperationsbasierten Weltpolitik mit dem Ziel weltweiter Gerechtigkeit wird das Gespenst eines erneuten Weltkriegs ausgemalt.

          WILFRIED VON BREDOW

          Harald Schumann/Christiane Grefe: Der globale Countdown. Gerechtigkeit oder Selbstzerstörung - Die Zukunft der Globalisierung. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008. 458 S., 19,95 [Euro].

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