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: Anekdotenreich

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JASSIR ARAFAT. Im November jährt sich sein Tod zum ersten Mal, und in Städten wie Gaza und Ramallah vergilben die Poster mit dem Gesicht des palästinensischen Präsidenten: Der Wechsel an der Spitze der palästinensischen Autonomiebehörde verlief reibungsloser als von vielen erwartet. Schon Anfang 2004 ...

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          JASSIR ARAFAT. Im November jährt sich sein Tod zum ersten Mal, und in Städten wie Gaza und Ramallah vergilben die Poster mit dem Gesicht des palästinensischen Präsidenten: Der Wechsel an der Spitze der palästinensischen Autonomiebehörde verlief reibungsloser als von vielen erwartet. Schon Anfang 2004 hat der israelische Journalist Amnon Kapeliuk seine Arafat-Biographie in französischer Sprache veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe wurde notgedrungen erweitert. Eine erste bilanzierende Würdigung dieser widersprüchlichen historischen Persönlichkeit, den viele israelische Politiker verteufelten und die Palästinenser zu ihrem Nationalhelden erhoben, gelang dabei nicht. Was an zeitlicher Distanz fehlte, ersetzt jedoch streckenweise persönliche Nähe: Kapeliuks Biographie lebt von den zahlreichen Begegnungen mit Arafat; laut Klappentext sollen es mehr als 150 gewesen sein. Mit einem palästinensischen Witz - "eine ironisch gefärbte Würdigung des Mannes, der den Palästinensern ihren Stolz und ihre Hoffnung zurückgab" - charakterisiert er Arafat: Auf der Pilgerfahrt nach Mekka fragt Arafat sein Freund Abu Jihad, weshalb er nicht wie üblich Steine auf drei Steinsäulen wirft, um den Teufel zu verfluchen. "Ich breche mit niemandem", antwortet Arafat. Diese "Konzilianz" des Palästinenserführers hat nach Kapeliuks Ansicht aber ein ganz klares Ziel: ein unabhängiger Palästinenserstaat mit Jerusalem als Hauptstadt. Kapeliuk beschreibt lebendig und anschaulich das lebenslange Lavieren Arafats zwischen Gewalt und Gewaltlosigkeit und seine lebenslange Suche nach Bündnispartnern in den eigenen Reihen wie dem Rest der Welt. In den Lebensjahrzehnten, die weiter zurückliegen, zeichnet er ein anekdotenreiches Bild des Palästinenserführers. Seine Schilderung des gescheiterten Nahost-Gipfels von Camp David im Sommer 2000 konzentriert der Autor auf den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Barak und seine Umgebung: Dessen Ziel sei gewesen, Arafat als Neinsager zu demaskieren. Die Schuld an dem Fehlschlag gibt er daher Barak und Präsident Clinton. Diese Sichtweise ist nicht völlig neu, wie auch die Darstellung der letzten Lebensjahre Arafats nur wenig neue Einsichten bietet. Vergeblich sucht man nach Erklärungen, die über das davor gezeichnete Charakterbild hinausgehen, um Arafats Ambivalenz im Umgang mit den Militanten oder seinen undurchsichtigen Umgang mit Hilfsgeldern besser zu verstehen. Vorwürfe, der Palästinenserführer habe Hilfsgelder veruntreut oder zweckentfremdet, wischt er als "bloße Fantasiegebilde" beiseite. Statt dessen behauptet Kapeliuk am Schluß wortreich, daß Arafat auf Initiative der israelischen Führung vergiftet worden sein könnte - ohne jedoch überzeugende Belege anzuführen. (Amnon Kapeliuk: Yassir Arafat. Eine Biographie, Palmyra Verlag 2005, 548 Seiten, 29,90 [Euro].)

          hcr.

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