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: Alte Kameraden

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BUNDESWEHR. Am Verhältnis zur Wehrmacht haben sich in den Streitkräften der Bundesrepublik schon immer die Geister geschieden. Das machen die Publikationen zum 50. Geburtstag wieder einmal deutlich. Während sich die Journalisten Rolf Clement und Paul Elmar Jöris - beide Mitglieder des Beirats für Innere Führung - in ihrer offiziösen Bestandsaufnahme (F.A.Z.

          BUNDESWEHR. Am Verhältnis zur Wehrmacht haben sich in den Streitkräften der Bundesrepublik schon immer die Geister geschieden. Das machen die Publikationen zum 50. Geburtstag wieder einmal deutlich. Während sich die Journalisten Rolf Clement und Paul Elmar Jöris - beide Mitglieder des Beirats für Innere Führung - in ihrer offiziösen Bestandsaufnahme (F.A.Z. vom 29. August 2005) hinter den wehrmachtskritischen Traditionserlaß von 1982 stellen, hält ihr Kollege Clemens Range zu den alten Kameraden. Der Oberstleutnant der Reserve mit Wachbataillon-Erfahrung, der schon im zarten Alter von 19 Jahren seinen wehrgeschichtlichen Erstling über die "Ritterkreuzträger der Kriegsmarine" publizierte, will den "so beliebten historischen Umdeutungen" entgegenwirken und den - offensichtlich von ihm als desolat empfundenen - "Geist der Truppe" stärken. Dem Buch steuert der frühere Wehrmachts-Leutnant und ehemalige Bundeswehr-Vier-Sterne-General Günter Kießling ein markiges Geleitwort über die Bedeutung der Traditionspflege für eine "überschaubare soldatische Gemeinschaft" (etwa ein Bataillon) bei. Ganz nebenbei geraten auch die Vorgaben "truppenfremder hoher Militärs" ins Visier, was fast wie das mehr als fern gewordene "frontfremd" klingt. Die Darstellung ist in sechs Abschnitte gegliedert: Chronologie der Bundeswehr, Führungsorgane, Organisation der Streitkräfte, "Das Innere Gefüge und der Geist der Armee", weltpolitische Ereignisse bis 2004 sowie "Allgemeines". Darunter finden sich - bunt und üppig bebildert - eine kleine Uniform- sowie eine Waffen-und-Geräte-Kunde, aber auch Informationen zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit unter der Überschrift: "Verwurzelt - aber verkrampft: 300 Jahre Tradition". Erschreckend unverkrampft wird hier Generaloberst Heinz Guderian besungen und dem "geistigen Erbe" der Bundeswehr einverleibt: "Um so mehr befremdet es, daß keine Kaserne nach dem international anerkannten Schöpfer der Panzertruppe, dessen Sohn als General und dessen Enkel als Berufsoffizier in der Bundeswehr gedient haben, benannt wurde." Und was ist etwa mit Guderians Rolle als systemergebenes Mitglied des "Ehrenhofs" nach dem Attentat vom 20. Juli? Darüber und über manches andere schweigt sich Range aus, weist jedoch statt dessen über 800 Ritterkreuzträger namentlich nach, die in der Bundeswehr dienten. Sein Traditionsfazit lautet: Die Wehrmacht sei "trotz einiger Verstrickungen in Kriegsverbrechen dennoch Übermittler von Werten, Tugenden und Berufseigentümlichkeiten aus 300 Jahren Militärgeschichte an die Bundeswehr". Auf solch einen Wehrertüchtigungsversuch empfiehlt sich nur ein schlichtes Kommando: Wegtreten! (Clemens Range: Die geduldete Armee. 50 Jahre Bundeswehr. Verlag Translimes Media, Berlin 2005. 313 Seiten, 45,- [Euro].)

          rab.

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