https://www.faz.net/-gqz-wie5

: Albert Speers rechte Hand

  • Aktualisiert am

"Großvater war ein fleißiger Arbeiter an zweifellos wichtiger Stelle. Hitler hielt ihn sich warm, weil er wusste, dass er solche Leute brauchte. Er wünschte ihm eine schöne Weihnacht, nahm den Namen ,Saur' in den Mund und konnte sich so der Dankbarkeit und absoluten Loyalität des Technikers sicher ...

          1 Min.

          "Großvater war ein fleißiger Arbeiter an zweifellos wichtiger Stelle. Hitler hielt ihn sich warm, weil er wusste, dass er solche Leute brauchte. Er wünschte ihm eine schöne Weihnacht, nahm den Namen ,Saur' in den Mund und konnte sich so der Dankbarkeit und absoluten Loyalität des Technikers sicher sein." Kurz vor Ende des Krieges servierte er sogar Hitler die technische Möglichkeit, "New York in Schutt und Asche zu legen. Er wollte noch in den letzten Kriegswochen durchsetzen, dass die Firma Messerschmitt einen vierstrahligen Düsenjäger baute, der mit seiner Bombenlast New York erreichen sollte. So sollte der Krieg in letzter Minute doch noch gewonnen werden. Zum Lohn wollte er von Hitler zum Botschafter Deutschlands in den besiegten USA ernannt werden." Stattdessen geriet Hitlers Rüstungsexperte 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft und landete dann in Nürnberg, wo er sich als Zeuge der amerikanischen Anklagebehörde im Krupp-Prozess zur Verfügung stellte - mit der langfristigen Folge sozialer Isolation im Nachkriegsdeutschland.

          Die Rede ist von Karl-Otto Saur, der 1931 als Direktor der August-Thyssen-Hütte NSDAP-Mitglied wurde, von 1941 bis 1945 das Hauptamt für Technik im Rüstungsministerium leitete und in Hitlers Testament vom 29. April 1945 zum Nachfolger Albert Speers bestimmt wurde. Sein Sohn Karl-Otto junior und sein Enkel Michael, beide Journalisten, haben sich auf Spurensuche begeben und beschreiben in je zwölf Kapiteln ebenso eindrucksvoll wie kritisch die wechselvolle Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Erbe ihrer Familie. Aus der Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn ist ein facettenreiches Buch entstanden, das erstmals die unterschiedlichen Erfahrungen aus der Perspektive dreier Generationen wiedergibt.

          HANS-JÜRGEN DÖSCHER

          Karl-Otto und Michael Saur: Er stand in Hitlers Testament. Ein deutsches Familienerbe. Econ Verlag, Berlin 2007. 240 S., 19,90 [Euro].

          Weitere Themen

          Lange Nacht der vergessenen Stücke

          F.A.Z.-Veranstaltung : Lange Nacht der vergessenen Stücke

          Die Probe aufs Exempel: Am 18. April 2020 veranstaltet die F.A.Z. eine „Lange Nacht der vergessenen Stücke“ an der Berliner Volksbühne mit Bühnenstars wie Klaus Maria Brandauer, Burghart Klaußner und Dörte Lyssewski.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.