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: Adolf der Friedliebende

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Heute treten nur noch selten Buchautoren mit dem Anspruch an, daß die Geschichte des Zweiten Weltkrieges in großen Teilen neu geschrieben werden müsse. Schließlich ist keine andere Epoche der deutschen Geschichte von der Forschung so dicht und detailliert analysiert worden. Die Interpretationen sind in ...

          Heute treten nur noch selten Buchautoren mit dem Anspruch an, daß die Geschichte des Zweiten Weltkrieges in großen Teilen neu geschrieben werden müsse. Schließlich ist keine andere Epoche der deutschen Geschichte von der Forschung so dicht und detailliert analysiert worden. Die Interpretationen sind in unseren Geschichtsbildern so festgefügt, daß jeder "Revisionist" sofort auf eine massive Abwehrfront stößt. Das gilt erst recht, wenn der Autor seine Geschichte mit der These eines angeblich manipulierten Nürnberger Urteils über die deutsche Kriegsschuld eröffnet. Er wolle dem Leser nicht die "Zumutung" ersparen, die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges als bloße deutsche Niederlage in einem Spiel begreifen zu müssen, in dem Hitler stets nur die Schachfigur in der Kalkulation Größerer, Mächtigerer gewesen sei.

          Vor drei Jahren suchte Stefan Scheil mit einer umfangreichen Fleißarbeit den Nachweis zu führen, daß Deutschland 1939 lediglich das Opfer einer Verschwörung geworden sei, angezettelt von chauvinistischen Polen, machtgierigen Franzosen, Briten und Amerikanern sowie einem finsteren Stalin. Er bewegte sich damit auf Bahnen, die der ehemalige Bundeswehr-General Gerd Schultze-Rhonhof in einem vielgelesenen Buch zog, das ebenfalls 2003 erschien. In seinem jetzt vorgelegten zweiten Band führt der freiberufliche Historiker und Publizist seine These vom gescheiterten Friedensstifter Hitler für die ersten zwei Kriegsjahre fort. Natürlich kann man Ursachen und Verlauf des Zweiten Weltkrieges auch als bloßes machtpolitisches Spiel sehen, an dem sich die ganze Staatenwelt beteiligt hat. Aber läßt sich wirklich ausblenden, daß Hitler diesen Krieg gewollt, angezettelt und als Kampf um "Lebensraum" geführt hat?

          Scheil polemisiert hier gegen den unvergessenen Kölner Historiker Andreas Hillgruber, der mit seiner bahnbrechenden Arbeit bereits Mitte der sechziger Jahre Maßstäbe für eine wissenschaftliche Geschichte des Zweiten Weltkriegs gesetzt hat. Mit einer lässigen Haltung fegt der Autor nahezu die gesamte akademische Forschung, die sich darauf gründet, vom Tisch und konzentriert sich bei seiner "Quellendurchsicht" - eine verräterische Wortwahl - auf jene historischen Vorgänge und Zitate, die seine These unterstützen. Eine Auseinandersetzung mit dem Forschungsstand oder eine umfassende Kontextualisierung seiner Diplomatiegeschichte sucht man vergeblich. Das gilt auch für die Ankündigung von neuem Archivmaterial. Seine Quellen bilden hauptsächlich - soweit es die deutsche Seite betrifft - Äußerungen von Hitler, Goebbels und Ribbentrop: Quellen, die neu interpretiert werden sollen.

          Scheil sieht die Phase zwischen Sommer 1940 und Sommer 1941 geprägt durch eine verstärkte Einflußnahme der Weltmächte Vereinigte Staaten von Amerika und Sowjetunion auf die ungelösten Spannungen innerhalb Europas. Deutschland sei einmal mehr daran gescheitert, eine europäische Friedensordnung zu organisieren und damit den Krieg zu beenden. Wer daran denkt, daß den anderen Völkern des Kontinents eine deutsche Hegemonie vielleicht nicht sonderlich gefallen hat, schon gar nicht ihre rassistische Struktur und wirtschaftliche Ausbeutung, liegt nach dieser Darstellung daneben. Es sei Winston Churchill gewesen, der sich mit List und Tücke darangemacht habe, Europa in Brand zu stecken. Griechen und Jugoslawen seien auf seine Versprechungen hereingefallen und von den Briten sinnlos geopfert worden, nur um den Krieg weiter eskalieren zu können. Hitler habe sich gegen eine Balkanfront gerade noch rechtzeitig wehren können.

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