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1939 bis 1945 : Liechtenstein und Hitlers Schein

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Wie informativ, umfänglich und scharfsinnig analysiert das innenpolitische Geschehen dargestellt ist, so randständig, punktuell und letztlich spekulativ erfolgt der Umgang mit der Außenpolitik, die weitgehend an der Schweiz ausgerichtet war. Diese nahm auch die diplomatische Vertretung des Fürstentums gegenüber Drittstaaten wahr. Doch bestand ein vielfältiges Liechtensteiner Beziehungsgeflecht mit Regierungs-, Verwaltungs- und Parteiinstanzen im angrenzenden ehemaligen Österreich, aber auch mit hochkarätigen Repräsentanten des „Dritten Reichs“, einschließlich Hitler.

Ein eigenes Kapitel widmet sich dem Glückwunschaustausch zwischen dem „Führer“ und Fürst Franz Josef II., ohne dass die politische Bedeutung zutage träte. Das gilt auch für den ersten offiziellen Empfang des jungen Fürsten Anfang März 1939 in Berlin, der ausgewählte Präsente überreichte. Der eitle Göring erhielt Wallensteins Marschallstab, auch wenn die fürstliche Familie nach dem Krieg zu suggerieren suchte, es habe sich um eine Fälschung gehandelt.

Der Autor schwächt die Intensität der nicht verschwiegenen Kontakte zwischen Fürstenhaus und nationalsozialistischen Größen behutsam ab. Dabei versteht sich dieses Arrangement gegenüber einem übermächtigen expansionistischen Nachbarn aus politischem Selbsterhaltungstrieb von alleine - auch weil sich die beträchtlichen fürstlichen Vermögenswerte überwiegend im „Großdeutschen Reich“ befanden. Problematisch wird es dort, wo das fürstliche Staatsoberhaupt und seine Regierung politische und private Geschäfte miteinander mischten. Das zu trennen mag aus Gründen patriotischer Loyalität schwerfallen, weshalb der Autor wohl auf eine systematische Darstellung der Liechtensteiner politischen wie wirtschaftlichen Außenbeziehungen verzichtet. Immerhin deutet er an, dass es bei besagtem Staatsbesuch auch insgeheim um die nach dem Ersten Weltkrieg in der Tschechoslowakei eingebüßten Besitzungen ging, deren Rückgabe der Fürst im Vorfeld der "Lösung der tschechoslowakischen Frage" erfolgreich anstrebte.

Waren Franz Josef und seine Regierung aus ökonomischem Interesse zustimmende Mitwisser der Zerschlagung der Tschechoslowakei Mitte März 1939? Jedenfalls revanchierte sich das Fürstenhaus mit großzügigen Spenden an NS-Organisationen von HJ bis SS. Erwähnt, aber nicht hinreichend problematisiert, ist der fürstliche Zukauf „arisierten“ zwangsveräußerten jüdischen Besitzes. Hier gilt als Bewertungskriterium, dass ein ausländisches Staatsoberhaupt zum eigenen materiellen Vorteil unausgesprochen die Enteignung der Juden seitens des NS-Regimes sanktionierte.

Damit ist das wissenschaftliche Manko des Werkes angesprochen: Der Autor hat eine narrative Darstellung Liechtensteiner Politik und Gesellschaft vor dem hintergründigen Konstrukt massiver nationalsozialistischer Bedrohung von außen und innen gewählt, die es ihm erlaubt, heikle Themen des deutsch-liechtensteinischen Verhältnisses aufzugreifen, ohne zu prüfen, ob sie in einen anderen kausalen Kontext gehören. Einer solchen Sicht der Dinge entsprach nach dem Krieg die Verurteilung lediglich der Putschisten von 1938 sowie des Landesleiters der Volksdeutschen Bewegung, während beispielsweise die Verantwortlichen für die Zwangsarbeit der Liechtensteiner Juden rechtlich nicht belangt wurden. Diese kritischen Anmerkungen sollen den Stellenwert der beiden Bände als imposante Faktensammlung nicht mindern, die der Autor ansprechend zu vermitteln weiß.

Peter Geiger: Kriegszeit. Liechtenstein 1939 bis 1945. Verlag Chronos, Zürich 2010. 2 Bände, 1328 Seite, 72,50 Euro.

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