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Politik und Religion : Wie viel Bekenntnis verträgt die SPD?

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Könnte man sich derzeit ein öffentliches Bekenntnis eines Spitzenpolitikers zum Atheismus vorstellen? Bild: dpa

Christen dürfen eine Arbeitsgemeinschaft bilden, Laizisten nicht: Die Partei August Bebels übt unter Sigmar Gabriel die Frömmelei ein. Das Freidenkermilieu wird verprellt.

          Auf Säkularisierungsschübe, so vermuten Historiker, folgen Erweckungsbewegungen als Antwort. Sie bleiben in ihrem Umfang begrenzt und umfassen nicht mehr die ganze Gesellschaft. Als Strömung, die ihr eigenes Milieu ausbildet, können sie jedoch großen Einfluss gewinnen. Fast scheint es, als sei es wieder einmal so weit. Die Entchristlichung Deutschlands ist vorangeschritten. Die Wiedervereinigung hat dazu nicht wenig beigetragen, gibt es doch seitdem Regionen in Deutschland, in denen nur noch eine Minderheit der Bevölkerung einer Religionsgemeinschaft angehört.

          Und schon meldet sich die Antwort in umjubelten Papstauftritten oder im Hurrakatholizismus prominenter Journalisten und Schriftsteller. Auch die SPD lässt nicht auf sich warten. Nachdem ein Bundesvorsitzender sein Amt mit dem des Papstes verglichen hatte und sich die Generalsekretärin in einem Buch als praktizierende Katholikin geoutet hatte, trat um Christi Himmelfahrt 2011 herum auch der neue Parteivorsitzende mit dem Bekenntnis hervor, Lutheraner zu sein, womit auch die evangelische Flanke abgedeckt war. Könnte man sich ein öffentliches Bekenntnis eines Spitzenpolitikers zum Atheismus derzeit überhaupt vorstellen?

          Ein Biotop innerhalb der Partei

          Das ältere Parteimitglied wird sich an Gustav Heinemann und Johannes Rau erinnern und meinen, das sei ja alles nicht neu. Doch das ist eine Täuschung. Die beiden Bundespräsidenten waren zur SPD gekommen, weil die CDU ihrem spezifischen gesamtdeutschen Anliegen keine Heimat geboten hatte und sie mit ihrer eigenen Parteigründung gescheitert waren. Sie bildeten fortan ein bestimmtes Biotop innerhalb der SPD, nicht mehr. Dagegen erscheint uns die Gegenwart so, als würden in der Partei August Bebels und Karl Kautskys fortan die Atheisten, Agnostiker und Humanisten eine Minderheit darstellen, verfolgt vom Spott des Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse.

          Hier hat sich etwas auf den Kopf gestellt. Der gern von Thierse als Kronzeuge herangezogene Kurt Schumacher hat gesagt, wie Marxismus und Humanismus, so könne auch das Christentum eine Wurzel sozialdemokratischen Handelns werden, nicht mehr. Das Godesberger Programm von 1959 hat sich dann explizit für den öffentlich-rechtlichen Status der Kirchen ausgesprochen, aber im Hamburger Programm von 2007 ist davon nicht mehr die Rede! Wieso also erleben wir gegenwärtig, dass die Gründung von Arbeitsgemeinschaften für Christen und Juden bereits vollzogen ist, den Laizisten aber verboten wurde, den Parteinamen für sich zu verwenden? Sie mussten sich von Sozialdemokraten in „Sozis“ umtaufen und ihre Homepage außerhalb der Parteinetzwerke ansiedeln.

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