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Politik und Party : Der Blitz von Kitz

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Bald Werbeträger für Tirol? Karl-Heinz Grasser mit Gattin Fiona Swarovski Bild: AP

Jetzt ist der Österreicher Karl-Heinz Grasser auch offiziell Privatier. Zuvor war er immerhin alphabetisch gesehen in der Top-Ten der Weltfinanzminister, verstand sich aber mehr auf Party als auf Verwaltung. Ein erleichterter Nachruf auf einen substanzlosen Politikertypus.

          Karl-Heinz Grasser, der abgewirtschaftete Finanzminister zwischen Februar 2000 und Januar 2007, hat sich soeben ins Privatleben verabschiedet. Wobei das nicht ganz richtig ist - Grasser war stets mehr Privatmann als Minister und hat dennoch beträchtlichen Aufruhr in der österreichischen Volkswirtschaft angerichtet. Selten wurde ein Funktionär so sehr wegen seines Aussehens und seiner Auftritte gelobt, seine politisch-ökonomischen Taten und vor allem Unterlassungen jedoch hauptsächlich von Spekulanten und Anhängern Milton Friedmans bewundert. Der vormalige Bundeskanzler Schüssel war Grassers Hirte, es sollte ihm an nichts mangeln. Niemand muss den beiden eine Träne nachweinen.

          Seine Sprechweise, vom politischen Ziehvater Jörg Haider erlernt und von kostspieligen Beratern zu höchsten Schwurbeln verfeinert, hat sich in der österreichischen Öffentlichkeit durchgesetzt. Nur die nichtssagende und darum vielverwandte Phrase „man wird sehen, was am Ende des Tages herausschaut“ kam wohl schon vor Karl-Heinz Grasser in Umlauf; sie kann nicht auf einen der Top-Ten-Finanzminister der Welt direkt zurückgeführt werden. Diese Einstufung unter die „Besten Zehn“ las er aus einem Artikel der „Financial Times“ heraus und tratschte sie sofort seinen zahlreichen Bekannten bei der Presse weiter. Selbst im österreichischen Staatsfernsehen war dies eine Meldung wert, erst das Nachlesen des betreffenden Beitrags durch eine Journalistin vom „Kurier“ stellte klar, dass es sich lediglich um eine alphabetisch gereihte Liste handelte.

          Amtsverständnis wie Fürst Potemkin

          Grasser will nun versuchen, einen Posten in der Wirtschaft zu finden. Wenn das nicht klappt oder auch keine Stelle im staatsnahen Bereich frei sein sollte (sehr unwahrscheinlich, denn während seiner sieben Amtsjahre schaffte er es letztendlich nicht ganz, alles Familiensilber der Republik zu verschleudern), wird er vielleicht doch auf seinem selbstverständlich keinesfalls aus Gefälligkeit zum Wohnsitz umgewandelten Bauernhof am Schwarzsee in Tirol zum Nebenerwerbslandwirt und erfüllt so die ursprüngliche Flächenwidmung mittels Viehzucht und Wurzelschnitzerei.

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          Schon werden er und seine Angetraute, Fiona Swarovski, vom heimischen Boulevard zu „Königen von Kitz“ gekürt. Keine größere Feier ohne die Grassers, genau wie zu seinen Zeiten in Amt und Würden. Denn er pflegte ein Amtsverständnis wie Fürst Potemkin unter Katharina der Großen - nur war seine Herrscherin erst der damalige Kanzler Schüssel, von Statur her nicht ganz die Zarin aller Reußen, und nun nimmt diese Stellung Frau Griffini-Grasser-Swarovski ein. Für das am kommenden Samstag stattfindende Hahnenkammrennen sollen sich die hippen Partypeople bereits angekündigt haben, wie auch zu einer Weißwurst-Party in einem Bio-Hotel, und am Wiener Opernball werden sie wohl ebenso wenig fehlen. Dann kann sich die Hotelerbin Paris Hilton, heuer auf dieser illustren Veranstaltung Stargast des Bauunternehmers und selbsternannten Societylöwen Richard Lugner, eventuell endlich mal auf ihrem Niveau unterhalten.

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