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Exoplaneten : Fernwehträume

Ach, was ist das Weltall so schön bunt! Bild: dpa

Jetzt macht mal halblang, und bitte noch keine Koffer packen: Über diese „erdähnlichen“ Exoplaneten wissen wir noch gar nichts.

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          Ja, es mag momentan aus verschiedensten Gründen nahe liegen, uns weg von unserer Erde in die Weiten des Weltalls zu träumen. Aber mit welchem Enthusiasmus medial nach wie vor die Auffindung „erdähnlicher“ Planeten gefeiert wird, erstaunt dann doch. Im eigens anlässlich der jüngsten Planetenfindung kreierten „Google Doodle“ winken der Erde durch das Teleskop sieben comicbunte planetare Freunde zu. Wie auch schon bei ähnlichen Anlässen zuvor, sieht man allenthalben fotorealistisch wirkende, künstlerische Darstellungen von Ozeanen mit Eisbergen oder steinige Schneewüsten, vor einem Himmel mit roter Sonne und Nachbarplaneten.

          Die Bildunterschriften, so man sie denn liest, klären zwar auf, dass es sich um „imaginierte“ Ansichten handelt, wie es auf den Planeten „aussehen könnte“. Doch der Konjunktiv ist ein trickreicher Verbmodus. Es könnte auf den Planeten schließlich auch kostenloses Wlan geben, ausschließen kann man das derzeit noch nicht. Womit wir bei der leidigen Frage dessen wären, was wir überhaupt wissen.

          Trappist-1 ist nur der Anfang

          Die aktuell in der Zeitschrift „Nature“ beschriebenen sieben Planeten umkreisen in engen Bahnen einen roten Zwergstern, genannt „Trappist-1“, der sehr viel schwächer strahlt als unsere Sonne. Drei der mittleren Planeten könnten die richtigen Oberflächentemperaturen für flüssiges Wasser besitzen und damit als potentiell lebensfreundlich gelten. Für konkretere Angaben fehlen uns aber Informationen über das Klima der Planeten. Hätte beispielsweise die Erde keine Atmosphäre, wäre selbst sie bei durchschnittlich minus achtzehn Grad Celsius kaum lebensfreundlich. Der „Nature“-Kommentar zum Artikel schließt entsprechend ernüchternd: „Könnte einer der Planeten Leben beherbergen? Wir wissen es schlicht nicht.“

          So schwer es uns fällt, wir müssen erst noch auf bessere Daten warten, bevor wir klarere Aussagen machen können. Aber Trappist-1 ist ohnehin nur der Anfang. Die Suche nach „der zweiten Erde“ wird sich weiter beschleunigen. Beispielsweise wird das geplante Tess-Weltraumteleskop der Nasa von 2018 an Tausende Exoplaneten in unserer Nähe aufspüren, die Plato-Mission der Esa wird wohl von 2025 an gezielt nach potentiell lebensfreundlichen terrestrischen Planeten suchen, die um Sonnen ähnlich der unsrigen kreisen. Das ebenfalls 2018 startende James Webb Space Telescope wird dabei die so notwendigen Informationen über die Atmosphären der fernen Planeten liefern. Wir sollten uns also darauf einstellen, dass wir uns in kommenden Jahren vor träumerisch-künstlerischen Planetenbildern und bunten planetaren Comic-Animationen kaum noch retten können.

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