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Piusbruderschaft : Ein Papst beschwert sich über den Lärm

Erregung über seine Kritiker: Papst Benedikt XVI. äußert seinen Unmut Bild: picture-alliance/ dpa

Benedikt XVI. hat sich dem Druck der Öffentlichkeit gebeugt und in einem Brief an die Bischöfe auf seine Kritiker geantwortet. Doch mit seiner öffentlichen Öffentlichkeitsschelte, die von einem diffusen Unmut getragen wird, untergräbt er nur weiter seine Autorität.

          5 Min.

          Man täusche sich nicht“, hat Martin Mosebach der ungläubigen Welt am 9. Februar im „Spiegel“ ins Stammbuch geschrieben: „Dieser Papst tut gar nichts unter Druck der Öffentlichkeit.“ Man hat sich getäuscht, wenn man diesen Satz für wahr genommen hat. Der gestern publizierte Brief Benedikts XVI. an die Bischöfe ist ein Dokument von unklarem Status (Dokumentation: Papstbrief zur Piusbruderschaft). Er erläutert einen kirchenrechtlichen Akt, die Aufhebung der Exkommunikation von vier Klerikern, der normalerweise nicht der Erläuterung in einem Rundschreiben an die Weltkirche bedarf. Es liegt auf der Hand, dass der Papst mit diesem Brief auf den Druck einer Öffentlichkeit reagiert, die in allen Ländern, in denen die Priesterbruderschaft St. Pius X. tätig ist, Anstoß an der Begnadigung der vier Bischöfe der Bruderschaft genommen hat.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Den Erläuterungen von vatikanischer Seite, die es seit der Publikation des Dekrets vor sechs Wochen in stetigem Fluss gegeben hat, fügt der Brief nichts hinzu. Dass dem Heiligen Stuhl Bischof Williamson nicht als notorischer Holocaust-Leugner bekannt gewesen ist; dass ohne Annahme der Autorität des Zweiten Vatikanischen Konzils die Aufhebung der Kirchenstrafe nicht zur Wiederherstellung der Kircheneinheit führen kann; dass der Papst im Sinne der Barmherzigkeit gehandelt hat, aus Sorge um die Seelen der Exkommunizierten und ihrer Anhänger; dass römisches Entgegenkommen die festgefahrene Angelegenheit wieder in Bewegung bringen sollte; dass für die wieder zum Empfang der Sakramente zugelassenen Geistlichen weiter das Verbot, Sakramente zu spenden, in Kraft ist – all das ist von offizieller römischer Seite klargestellt worden.

          Man hat noch mehr kundgetan, Selbstverständliches, das man in der Öffentlichkeit unserer Zeit immer wieder sagen muss: dass der Holocaust ein abscheuliches Verbrechen ist, die Tatsache, von der die moralische Selbstreflexion der heutigen Menschheit ihren Ausgang nimmt.

          Päpstliche Illusionen

          Damit hätte es sein Bewenden haben können. Was die vatikanischen Erläuterungen taugen, ob die spektakuläre Rücknahme der Kirchenstrafe, die sich die Schismatiker durch ihre unerlaubte Weihe automatisch zugezogen hatten, als Schritt einer durchdachten Kirchenpolitik gelten kann, muss ohnehin die Zukunft zeigen. In den Verhandlungen mit der Bruderschaft wird sich klären, ob die Hoffnung des Papstes berechtigt ist, dass die römische Kehrtwende, das einseitige Entgegenkommen, belohnt werden wird. Religionssoziologisch mag dieses Szenario eher unwahrscheinlich anmuten: Müssen die Sektierer nicht glauben, ihr hartnäckiges Beharren auf ihrer Wahrheit habe sich endlich ausgezahlt, in der höchsten Not wende sich der Papst ihnen hilfesuchend zu?

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Zollitsch, der sich in den zurückliegenden Wochen als nüchterner Dolmetscher päpstlicher Intentionen bewährte, hat zu verstehen gegeben, dass er die Hoffnung des Papstes für eine Illusion hält. Dieser Kommentar zu einem Projekt, in das Benedikt XVI. sein Prestige gesetzt hat, markiert einen dramatischen Autoritätsverlust des Papstes. Ganz ohne mediale Nachhilfe hat sich dieser Verlust ergeben – allein aus der Betrachtung der langen Geschichte der Verhandlungen zwischen Rom und den Lefebvre-Leuten. Benedikt XVI. habe diese unerledigte Sache aus seinem Dienst in der Glaubenskongregation noch zu einem guten Ende bringen wollen und die Aussichten angesichts der verfließenden Zeit zu optimistisch bewertet – so fällt das wohlwollendste Urteil über diese Episode seines Pontifikates aus.

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