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Pius-Bruderschaft : Die Kreuzzügler

  • -Aktualisiert am

Der Generalobere der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, bei der Priesterweihe in Zaitskofen Bild: Frank Röth

Die Pius-Brüder verdammen alles, was unsere Gesellschaft heute prägt. Doch während die katholische Kirche ständig Mitglieder verliert, gewinnen sie neue hinzu. Über den Reiz des Fundamentalismus in der Moderne.

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          In knöchellangen weißen Gewändern liegen sieben Männer auf dem Boden. Ihre Gesichter ruhen auf den Unterarmen, über dem linken liegt, zusammengefaltet, das Messgewand, das sie später zum ersten Mal tragen dürfen. Die Männer werden zu Diakonen und Priestern geweiht. Vor ihnen, auf den Stufen zum blumengeschmückten Altar, knien auf rotem Teppich vier Priester in roten Gewändern. Links und rechts der Kandidaten knien Geistliche in weißen Chorhemden, hinter ihnen zweitausend Gläubige vor Bierbänken. Alle rufen die großen Heiligen der katholischen Kirche an. Es sind 52 Namen. In Demut verharren die Kandidaten ausgestreckt vor dem Altar. Sie werden jetzt Männer Gottes. „Sancte Martine - ora pro nobis!“ Heiliger Martin, bitte für uns.

          Was hier in Zaitzkofen, einem kleinen Ort in Niederbayern, geschieht, hat der Vatikan verboten. Deshalb findet es nicht in einer prachtvollen Kathedrale statt, sondern in einem Zelt unter freiem Himmel. Diese Priesterweihen sind illegal. Denn es versammelt sich die Pius-Bruderschaft, ein Zusammenschluss konservativer Katholiken, der sich mit Rom zerstritten hat. Die Pius-Brüder missbilligen die Religionsfreiheit, die Ehescheidung, die Homosexualität, die Gleichberechtigung der Frau, die Abtreibung, die Trennung von Staat und Kirche und, generell, die Aufklärung. Sie sind gegen alles, was die moderne Gesellschaft ausmacht. Sie sind, wenn man so will, päpstlicher als der Papst.

          Nach dem Bittgebet legt der Bischof jedem einzelnen Kandidaten die Hände auf das Haupt, so wie es seit 2000 Jahren Bischöfe bei Weihen tun. Er trägt rote Handschuhe, seinen Ring und sagt: „Nimm das Joch des Herrn, denn Sein Joch ist süß und Seine Bürde leicht.“ Dann legt er den Neupriestern die Stola auf beide Schultern, salbt ihre Hände. „Damit alles, was sie segnen, gesegnet sei.“ Er überreicht ihnen Kelch und Hostie zum Zeichen ihrer neuen Gewalt. Am Ende der Zeremonie sagt er: „Denen du die Sünden nachlassen wirst, denen sind sie nachgelassen, und denen du sie behalten wirst, denen sind sie behalten.“ Alles freilich auf Latein.

          Fundamentalismus als Kompliment

          Gläubige aus ganz Europa sind zu dieser Priesterweihe gekommen. Die Frauen unter den Besuchern tragen Rock. Angehörige verschiedener katholischer Orden sind da. Ebenso eine Abordnung der Marienritter des kostbaren Blutes in beigefarbenen Umhängen. Es ist ein kühler Frühsommertag in Zaitzkofen, wo es ein Schloss aus dem 18. Jahrhundert gibt, das ein Priesterseminar der Bruderschaft Pius’ X. beherbergt. Im Schlossgarten findet der Weihegottesdienst statt. Von hier werden die neuen Priester ausgesandt in alle Welt.

          Sie sollen dem katholischen Europa, seinen Führern und Gläubigen, die eine Wahrheit predigen, die diese nicht mehr hören wollen. Sie sollen missionieren und allen Völkern das Evangelium bringen. Sie sollen die katholische Kirche retten, die ihnen wie eine Ruine vorkommt. Man schimpft sie Fundamentalisten, doch das empfinden sie als Kompliment.

          Vorbereitungen im Garten des Pristerseminars Herz Jesu in Zaitzkofen
          Vorbereitungen im Garten des Pristerseminars Herz Jesu in Zaitzkofen : Bild: Röth, Frank

          Es gibt etwa 900 Pius-Brüder weltweit, und jedes Jahr werden es mehr. Die Zahl scheint gering, jedoch existiert die Bruderschaft erst seit 1970. Während sich die Seminare der Amtskirche leeren, sind die sechs Priesterseminare der Bruderschaft voll. In Deutschland haben die Pius-Brüder über die Jahre zwölf neue, spendenfinanzierte Kirchen gebaut - während die Amtskirche immer mehr Gotteshäuser entweihen muss. In Osteuropa gründen sie neue Niederlassungen, erwerben Kapellen und Kirchen. In den Vereinigten Staaten, in der Schweiz und in Frankreich haben die katholischen Konservativen den größten Zulauf, die Gemeinde in Paris ist mehrere tausend Gläubige stark. Wie kann es sein, dass ein Bataillon Fundamentalisten eine Anziehung ausstrahlt, die anderen nicht mehr entwickeln? Was ist ihr Geheimnis?

          Die Wahrheit“, sagt der Bischof. Bernard Fellay ist Schweizer, er ist 55 Jahre alt, seit 31 Jahren Priester, seit 25 Jahren Bischof, seit 19 Jahren Generaloberer der Bruderschaft. Er spricht fünf Sprachen und Latein. Er hat in seinem Leben bisher 12 000 Messen gelesen. „Ist ein Priesterseminar ein bisschen konservativer, strömen die Berufungen sofort“, sagt er, „wenn die Gläubigen mehr Ernsthaftigkeit in der Messe sehen, kommen sie.“

          Ein Anti-Modernisten-Eid in Blut

          Wenn Bischof Fellay eine Messe zelebriert, dann trägt er sehr viele Kleidungsstücke: weiße Lederschuhe, eine violette Soutane, ein weißes Untergewand, ein Schultertuch, einen Gürtel, zwei weitere Untergewänder, das Messgewand, ein Band - die Manipel - über dem linken Unterarm, die Stola und manchmal einen Rauchmantel. Dazu kommen das violette Käppchen, ein Paar Handschuhe, der Amtsring sowie Mitra und Bischofsstab. Wenn die Gläubigen ihn sehen, fallen sie auf ein Knie nieder und küssen seinen Ring. Wenn Fellay predigt, tut er das meist ohne Manuskript und ausgiebig. Seine blaugrauen Augen hat er weit geöffnet und spricht mit weichem französischen Akzent vom Teufel, der in die Kirche eingedrungen sei, von den unvorstellbaren Qualen im Höllenfeuer und gottgefälligen Brandopfern. Eigentlich predigt er über das, was seine gemäßigten (er würde sagen: modernistischen) katholischen Kollegen nie erwähnen. Von sich spricht Fellay dann stets in der dritten Person und Gott nennt er immer den lieben Gott.

          “Der Mensch ist von Natur aus religiös. In der altehrwürdigen Messe, wie wir sie feiern, begegnen viele Menschen Gott, obwohl ihnen das noch nie vorher passiert ist, und dann kommen sie immer wieder zu uns“, sagt er und verschränkt die Hände vor der Brust. Er wirkt äußerst friedlich, doch manchmal formuliert er Sätze wie: „Wir sind bereit, mit unserem Blut das Credo niederzuschreiben, den Antimodernisten-Eid zu unterzeichnen.“

          Vor 25 Jahren, am 30. Juni 1988, wurden Fellay und drei weitere Pius-Brüder von Erzbischof Marcel Lefebvre in der Schweiz vor Tausenden Gläubigen zu Bischöfen geweiht. Lefebvre hatte sich vom Vatikan abgewendet, als die Kirche sich auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) der Welt öffnete, die Religionsfreiheit anerkannte, Bischofskonferenzen einrichtete, den Austausch mit anderen Religionen förderte, ihre Liturgie, also die Art und Weise, die Heilige Messe zu feiern, radikal vereinfachte und die Volkssprachen generell zuließ. Lefebvre war der Meinung, das Konzil widerspreche der katholischen Tradition und gründete die Pius-Bruderschaft zum Erhalt der wahren Lehre. Namenspatron ist der konservative Pius X., der in seinem Pontifikat zu Beginn des Jahrhunderts die Vorstellung als Irrlehre verurteilt hat, dass Fortschritt die Kirche zu Reformen zwingen könnte.

          Exkommuniziert wegen der alten Messe

          Erzbischof Marcel Lefebvre bildete Priester weiter nach alter Weise aus, verweigerte sich der neuen Messe, zelebrierte stattdessen die alte, seit dem 16. Jahrhundert praktizierte, mittlerweile aber verbotene Messe. Als er ohne Erlaubnis des Heiligen Stuhls 1988 vier Bischöfe weihte, galt das ein „schismatischer Akt“, seine neuen Kollegen im Amt wurden sofort exkommuniziert. Seither verhandeln die Pius-Brüder mit dem Vatikan über eine Wiedereingliederung. Man könnte auch sagen: Sie treiben Rom vor sich her.

          “Hoc est enim corpus meum“, spricht der Bischof, „dies ist mein Leib“ und hebt die Hostie hoch über seinen Kopf. Alle knien. Die neuen Priester dürfen den Kern der katholischen Messe, die Wandlung von Brot und Wein, zum ersten Mal mitbeten. Der Bischof berührt die Hostie mit Zeigefingern und Daumen, er fasst mit diesen vier Fingern nichts anderes mehr an, bis er sich später die Hände gewaschen haben wird. Seine Handschuhe ruhen auf einem Samtkissen. Mitra und Hirtenstab halten zwei Priester mit Tüchern fest. In neuen Messen, wie jeder Katholik sie kennt, gibt es keine Samtkissen. Keine Subdiakone, keine gregorianischen Gesänge, kein Latein - und der Priester dreht seiner Gemeinde das Gesicht zu. Doch eine Messe, so sagen die Pius-Brüder, ist ein Gespräch mit Gott, nicht mit den Menschen. Sie ist kein Abendessen, sondern ein heiliges Opfer, ein „Fest mit wilder und erschreckender Schönheit, der Schönheit des siebenfach gehörnten, siebenäugigen Lammes, in dessen Blut die Kleider der Menschen weißgewaschen werden“, wie es der katholische Dichter Martin Mosebach etwas enthusiasmiert ausgedrückt hat.

          Nonnen auf den Besucherbänken
          Nonnen auf den Besucherbänken : Bild: Frank Röth

          Um diese Messe werden die Pius-Brüder von vielen Katholiken gebeten. Sie eröffnen nicht irgendwo eine Kapelle, machen Werbung für sich und warten auf Gläubige. Es ist genau andersrum. Sie werden von den Katholiken gerufen. Aus dem Baltikum, aus Polen und Tschechien kommen zurzeit viele Bitten. Weil die Bruderschaft nicht Teil der offiziellen Kirche ist, verbieten ihr viele Ortsbischöfe, in regulären Kirchen Messe zu feiern. Deshalb mieten die Priester oftmals Säle und bauen dort für den Gottesdienst einen kleinen Altar aus einem Messkoffer auf. Für größere Gemeinden errichten die Pius-Brüder eigene kleine Kapellen oder kaufen anderen Konfessionen Kirchen ab. Oft genug bauen sie auch eine neue.

          Im Besitz der einen Wahrheit

          Durch das neue Sankt Peter in Berlin pafft dicker weißer Rauch. Auf dem Hochaltar hat Bischof Fellay fünf Häufchen Weihrauch angezündet. Von einzelnen Körnern ist in den Vorschriften die Rede, doch der Bischof kleckert nicht. „Haben Sie keine Angst, wenn die Kirche brennt“, sagt er. Man sieht vor lauter Rauch den Altar, der hier geweiht wird, gar nicht mehr. Golden schimmern noch die Gewänder der zahlreichen Priester. Der Rauch steigt nach oben, erreicht die Empore mit der Orgel und der singenden Schola. Dann verhüllt er auch noch das Lamm im Deckengemälde. Stimmungsmäßig wähnt man sich bei einer Papstmesse im Vatikan. Doch da draußen ist Berlin-Wilmersdorf. Die Welt dringt an diesem Mai-Morgen in Gestalt von Autobahnlärm überdeutlich herein. „Sie stehen hier am Fuße des Kreuzes“, predigt Bischof Fellay. Den meisten Kirchweihbesuchern dürfte das nichts Neues sein. Sie tragen Anzug oder Rock und Schleier und fallen wie auf ein geheimes Zeichen hin auf die Knie. Wer in Jeans gekommen ist und stehenbleibt, ist neu. Ein paar Dutzend interessierte Berliner scheinen demnach gekommen zu sein. Letztlich predigt der Bischof für sie.

          Die Kindlein kommen zu ihm: nach der Priesterweihe
          Die Kindlein kommen zu ihm: nach der Priesterweihe : Bild: Frank Röth

          Sie sehen eine Kirche, die versucht, alle Höhepunkte der sakralen Baukunst in sich zu vereinen. Da stehen romanische Zierbögen neben gotischem Zierrat. Die Bebilderung ist strikt figürlich, besonders das Gemälde des Propheten Ezechiel, der mit seiner linken Hand auf ein Skelett weist, von dem noch Fleischfetzen hängen, ist sehr einprägsam. Wer sich an architektonischem Eklektizismus nicht stört, sieht vor allem eines: eine prallvolle Kirche. Die Kirchweihe wird sogar in den Pfarrsaal übertragen. Ein Pius-Bruder trägt einen Knopf im Ohr und filmt für den eigenen Videokanal auf Youtube, Piusfilm.

          “Der katholische Glaube ändert sich nicht, kann sich nicht ändern, die Wahrheit ändert sich nicht, und so kann die Kirche sich auch nicht ändern“, erklärt Bischof Fellay mit lauter und flehender Stimme. In diesem Glauben sind fremde Religionen Irrtümer, die man nicht mit der Wahrheit auf eine Stufe stellen darf. Jesus Christus hat eine Kirche gegründet, nicht fünf. Ein christlicher Staat muss die Wahrheit schützen. Warum nicht Muslimen, die nach Deutschland kommen, einen Katholizismuskurs anbieten? Doch im Namen dieser Wahrheit ist vieles geschehen. Man wird daran erinnert, wirft man einen Blick in die in der Kirche ausliegenden Magazine. Die Kinderzeitschrift der Bruderschaft heißt: Die Kreuzfahrer.

          Was Sünde ist, ist hier allseits bekannt

           Was macht man, wenn man weiß, dass man im Besitz der einen, absolut unveränderlichen, ewig gültigen Wahrheit ist? Man kann den Gläubigen einen sicheren moralischen Grund bieten, ein Fundament, welches niemals erschüttert werden kann - und das in Zeiten, in denen die Amtskirche in der westlichen Welt tödlich korrumpiert ist. 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, das die Kirche fest für die Zukunft machen wollte, ist diese Zukunft unsicherer denn je. „Wann wird Rom erkennen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und nicht sie?“, fragen die Pius-Brüder immer wieder.

          Wer Wahrheit hat, braucht Schüler. Sieben Schulen betreibt die Bruderschaft im deutschsprachigen Raum, eine davon steht in Schönenberg bei Bonn, abgeschieden auf einem Berg im Bergischen Land. Das Theresiengymnasium ist eine private Mädchenschule mit Internat. Betrieben wird es von den Schwestern der Bruderschaft. Gerade ist ein neues, spendenfinanziertes Unterrichtsgebäude eingeweiht worden. Dort sitzt die 5. Klasse an einem Mittwochmorgen im Juni, bereit für den Religionsunterricht bei Schwester Agnes. Bevor die Mädchen im Matrosenanzug, der Schuluniform für offizielle Anlässe, nach Zaitzkofen fahren, ackern sie sich durch die Theorie der Priesterweihe. „Nicht, dass eine von euch an den wichtigen Stellen während der Messe aufs Klo geht.“

          Schwester Agnes erklärt, dass es Weihehindernisse gibt, derentwegen ein Mann nicht Priester werden kann. Eine Schülerin fragt: „Was ist ein Weihehindernis?“ - „Zum Beispiel wenn ein Mann kein tugendhaftes Leben führt.“ - „Was ist das?“ - „Wenn er ein sündhaftes Leben führt.“ Keine Nachfragen mehr. Was Sünde ist, das ist hier allseits bekannt.

          Sogar der Papst irrt

          Schwester Maria Michaela leitet das Internat. Sie ist eine pragmatische, kompakte Person mit sehr tiefer Stimme. In ihrem Büro stehen Plüschtiere, Papstfotos und auch ein Computer. Die Mädchen erhalten Informatikunterricht, dürfen aber privat keine Handys oder Rechner nutzen. Die Welt lenke zu sehr vom Wesentlichen ab, sagt Schwester Maria Michaela. Ansonsten könnten die Schülerinnen in ihrer Freizeit machen, was sie wollten, von einer Ausnahme abgesehen: lesen. Jede Privatlektüre muss mit der Schwester abgesprochen werden. Stephen King verböte sie sicherlich, klare Sache, eine groteske Herabwürdigung der Geschöpfe Gottes. Doch neulich war es diffiziler. Ein Mädchen wollte „Les Misérables“ lesen. Es darf, muss den Inhalt jedoch mit den Schwestern diskutieren. Damit sie das Gedankengut der Französischen Revolution nicht falsch versteht.

          Aus Freiheit und Brüderlichkeit, so glauben die Pius-Brüder, folgen irgendwann Homo-Häresie und Kommunismus. Vernunft ohne Gott aber ist krank und defizitär. Moral ohne Gott ist unverbindlich. So sieht das die Bruderschaft. So sah es wohl auch Benedikt XVI., wichtigster Unterstützer der Fundamentalisten. Er hat die alte Messe im Jahr 2007 wieder erlaubt, hat die Exkommunikation der Bischöfe zurückgenommen, hat Bernard Fellay die Anerkennung angeboten. Dafür hätte der Bischof nur das moderne Konzil akzeptieren müssen. Doch Fellay lehnte derartige Vorschläge ab wie auch schon seine Vorgänger im Amt des Generaloberen. Er nimmt sich heraus, der päpstlichen Autorität, die er sonst vehement verteidigt, nicht zu folgen. Der Papst ist zwar Christi Stellvertreter auf Erden, dem man treu zu sein hat, aber was das Konzil und seine liberalen Entscheidungen betrifft, da irrt der Papst, glaubt Fellay. In diesem Fall müsse man ungehorsam sein - und damit treu zur alten Lehre der Kirche. „Sie werden noch viel mehr Widersprüche entdecken“, sagt Fellay amüsiert, „zum Beispiel sind wir jetzt nonkonformistisch, weil wir konformistisch sind. Interessant, nicht?“

          Der Weg nach vorn führt zurück

          Von Franziskus, dem neuen Papst, erwarten die Pius-Brüder nicht viel, er hat seine erste Ansprache schließlich mit einem „Guten Abend“ begonnen und schon kurze Zeit später einen deutschen Protestanten zur Audienz geladen. Also geht der Kampf der „katholischen Avantgarde“, wie sich die Fundamentalisten selbst bezeichnen, weiter. Militärische Anspielungen kommen den Soldaten Christi leicht über die Lippen. Erst jüngst hat Monseigneur Fellay in einem Interview gesagt: „Was den Rosenkranz betrifft, bin ich offen für einen neuen Kreuzzug.“

          Es ist die Avantgarde, die zuerst auf den Feind trifft. Später kommt das Heer nach, und es kommt tatsächlich: Zehnmal mehr Unterstützer als noch vor einigen Jahren hätten die Brüder heute in der Kurie, sagt Fellay. Wenn die Kirche aber endlich tut, was die Pius-Bruderschaft will, wäre dann nicht irgendwann die Pius-Bruderschaft überflüssig? Fellay überlegt lange und antwortet: „Das wäre unsere größte Freude!“ Bis sein großes Ziel der neuen katholischen Gesellschaft erreicht ist, helfen nur beten und Messopfer halten. Ob der Weg zurück der Weg nach vorn ist, wird der liebe Gott entscheiden.

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