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Silicon Valley als Politmacht : Pressen, bis die Presse kracht

Rache ist Blutwurst: Peter Thiel lässt sich die juristische Bekämpfung von „Gawker“ einiges kosten. Bild: AP

In das Duell zwischen Großinvestor Peter Thiel und dem Portal „Gawker“ tritt der Ebay-Gründer Pierre Omidyar ein. Kämpft er für Medienfreiheit, oder geht es um Eitelkeit, Geld und Macht? Es zeigt sich jedenfalls, wer heute Macht hat.

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          Drei Gewalten kennt die moderne Demokratie der Lehre und Praxis nach. Nehmen wir neben Exekutive, Legislative und Judikative noch die Medien als vierten Faktor hinzu, sind es vier. In den Vereinigten Staaten sind es inzwischen allerdings fünf. Wobei die fünfte Gewalt zugleich ein Staat im Staate ist beziehungsweise ein System darstellt, das nach eigenen Regeln funktioniert und die Regeln, die im Rest der Welt gelten, auch noch passend macht, wenn sie nicht passend erscheinen.

          Die Rede ist vom Silicon Valley und von dessen Gewaltigen, zu denen auch der milliardenschwere Investor und Paypal-Mitgründer Peter Thiel gehört, der bekanntlich Gefallen daran fand und zehn Millionen Dollar dafür ausgab, dass der frühere Wrestling-Sportler Hulk Hogan das Portal „Gawker“ verklagte. „Gawker“ hatte Ausschnitte aus einem heimlich aufgenommenen Sex-Video mit Hogan publiziert und muss deshalb eine Strafe von 140 Millionen Dollar zahlen. Was bedeutet, dass das Blog-Portal vor der Pleite steht und sich einen Mäzen und Geldgeber sucht. Von dem wir einmal annehmen, dass er Peter Thiel eher nicht ist, auch wenn der „Gawker“-Chef Nick Denton ihm das offenbar zutraut, wie man in Dentons offenem Brief nachlesen kann. „Gawker“ hatte Thiel vor Jahren als homosexuell geoutet. Der jetzige Prozess scheint Thiels kalte Rache zu sein.

          Das aber ruft nun einen anderen Tycoon aus dem Silicon Valley auf den Plan, und der kommt angeritten wie der weiße Ritter und spielt Schutzmacht, um „Gawker“ zu retten: Der Ebay-Gründer Pierre Omidyar will andere Unternehmen dazu bewegen, sich in dem Berufungsverfahren Hulk Hogan gegen „Gawker“ auf die Seite des Portals zu schlagen und dem zuständigen Gericht entsprechende Briefe zu schreiben. So hatte es zuletzt auch Apple gehalten, als sich der Konzern der Forderung des FBI verweigerte, das iPhone des Attentäters von San Bernardino freizuschalten. Da bekam die Justiz Post von „Freunden des Gerichts“, wie sich die Unterstützer nannten, die in Wahrheit selbstverständlich Freunde von Apple sind, die einmal zeigen wollten, was man erreichen kann, wenn echte Freunde zusammenstehen.

          Weißer Ritter: Pierre Omidyar meint, man müsse die Presse verteidigen, auch wenn es sich dabei mitunter um unangenehme Publikationen handele.

          Echte Freunde, echte Feinde, davon ist nicht nur das Silicon Valley voll, doch haben dessen Konzerne längst dort für ein freundliches Klima gesorgt, wo ihnen tendenziell eher kritisch begegnet wird – bei der „vierten Gewalt“. Man muss sich nur einmal umsehen, was schon alles passiert ist: Jeff Bezos gehört die „Washington Post“; Jack Ma, der Chef des chinesischen Plattform-Konzerns Alibaba Group, hat sich die „South China Morning Post“ zugelegt; Pierre Omidyar wiederum finanziert das Enthüllungsteam von „The Intercept“; und auch hinter anderen Websites stecken Online-Konzerne. Das Portal „Tech Crunch“ zum Beispiel gehört zu AOL. Google legt Programme zur Zusammenarbeit mit der Presse auf. Facebook verleibt sich die Informationsgebung gleich ganz ein und sortiert die Bestandteile, die von anderen kommen, so durch, dass sich Milliarden von Menschen wohlbehalten und gut informiert fühlen.

          Mit anderen Worten: Da hängt inzwischen so viel miteinander zusammen, dass Allianzen und Gegnerschaften direkt auf die Berichterstattung durchschlagen können, ohne dass man dieser das direkt ansieht. Da ist es eher die Ausnahme, dass die Bosse im Hintergrund blankziehen wie jetzt der Großinvestor Peter Thiel, der den Fragen der „New York Times“, ob er der Mann hinter dem „Gawker“-Prozess sei, allerdings auch nicht mehr ausweichen konnte. Was die amerikanischen Digitalzampanos wirklich umtreibt, zeigt sich an diesem Beispiel übrigens aufs feinste: Geld, Eitelkeit und Macht.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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