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Papst-Kritiker und Pazifist : Philosoph Robert Spaemann gestorben

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Der Philosoph Spaemann äußerte sich immer wieder besorgt über Aussagen und den Kurs der Kirche unter Papst Franziskus. Bild: Helmut Fricke

Robert Spaemann hat sich mit seinen Beiträgen zu politischen Debatten der Bundesrepublik einen Namen als führender konservativer Philosoph deutscher Sprache gemacht. Jetzt ist er im Alter von 91 Jahren in Stuttgart gestorben.

          Robert Spaemann, einer der führenden konservativen Philosophen im deutschsprachigen Raum, ist tot. Er starb am Montag mit 91 Jahren in seinem Haus in Stuttgart, wie sein Sohn am Abend mitteilte. Im Mittelpunkt seines Denkens stand ein christlicher Glaube, der sich der geistigen Auseinandersetzung mit der vernunftgeprägten Moderne nicht verschließen, aber Modeströmungen nicht unterwerfen soll.

          Spaemann wurde als Sohn des Schriftstellers Heinrich Spaemann, der als Witwer katholischer Priester wurde, in Berlin geboren und wuchs in Köln auf. Der Philosoph war ein Verfechter der Naturrechtslehre in der Ethik und stand in vielen Fragen dem emeritierten Papst Benedikt XVI. nahe. In die politischen Debatten der Bundesrepublik mischte sich Spaemann unter anderem mit seiner Kritik an der Wiederbewaffnung und seiner grundsätzlichen Ablehnung der Atomkraft ein.

          Kritik an Papst Franziskus

          Von 1973 bis zu seiner Emeritierung 1992 lehrte Spaemann in München. Als Hauptwerk des Experten für christliche Philosophie gilt das 1989 erschienene Buch „Glück und Wohlwollen“. Nach Studium und Promotion arbeitete Spaemann als Verlagslektor und lehrte später unter anderem in Stuttgart und Heidelberg.

          In seinen Arbeiten beschäftigte er sich mit politischen, ökologischen und kirchlichen Themen. Entschieden wandte er sich gegen Umweltzerstörung, Sterbehilfe und Abtreibung. Spaemanns Texte zur Ideengeschichte der Neuzeit, zu Naturphilosophie, Anthropologie und Ethik wurden in 14 Sprachen übersetzt. Nach seiner Emeritierung als Professor in München veröffentlichte er noch zahlreiche Bücher und Aufsätze.

          Zuletzt äußerte sich Spaemann immer wieder besorgt über Aussagen und den Kurs der Kirche unter Papst Franziskus. So kritisierte er Positionen des Papstschreibens „Amoris laetita“ zur christlichen Ehe und zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Sie stünden eindeutig in Widerspruch zu den Worten Jesu und zur traditionellen Lehre der Kirche.

          Benedikt XVI. hatte Spaemann 2006 kurz nach seiner Wahl zum Papst in den Sommersitz Castel Gandolfo eingeladen, um mit ihm über das Verhältnis von Naturwissenschaft, Philosophie und Religion zu sprechen. Seit 2010 beteiligte sich der Philosoph an der Theologenausbildung der Trappistenabtei Mariawald in der Eifel.

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