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Peter Handke : Freundchen Peter

  • -Aktualisiert am

Peter Handke hat den Münchner Thomas-Mann-Preis erst angenommen, um ihn dann sofort einen „Scheißpreis“ zu nennen. Den Präsidenten des Preiskomitees spielte er vorher seine Bewunderung für Thomas Mann vor. Alles gelogen. Nur, was will Peter Handke damit erreichen?

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          Lateinstunde bei Oberlehrer Doktor Mantelsack! Nun kommt es darauf an, ob man seinen Ovid auch gelernt hat. Doktor Mantelsack greift sich einen heraus, von dem er annimmt, dass er auf ihn würde zählen können: „Edgar!“ Aber Edgar ist nicht präpariert: „Ich habe gestern wegen Kopfschmerzen nicht lernen können.“ Doktor Mantelsack ist irritiert: „Oh, du lässest mich im Stich, Edgar? Du willst mir die Verse vom Goldenen Zeitalter nicht sprechen? Wie jammerschade, mein Freund! Hattest du Kopfschmerzen? Aber mich dünkt, du hättest mir das zu Beginn der Stunde sagen sollen, bevor ich dich aufrief. Hattest du nicht schon neulich Kopfschmerzen gehabt? Du solltest etwas dagegen tun, Edgar, denn sonst ist die Gefahr nicht ausgeschlossen, dass du Rückschritte machst.“

          War Peter Handke auch unpässlich, als er in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste von deren Präsident Professor Borchmeyer aufgerufen wurde, um den Thomas-Mann-Preis entgegenzunehmen? Textkenntnisklausuren sind bei solchen Anlässen nicht üblich; aber was der Ausgezeichnete zum Dank und zum Gaudi des Publikums sagte, überbot die Lachnummer aus dem Schulkapitel der „Buddenbrooks“ noch: „Den Überdruss, den ich an meiner Existenz empfinde, finde ich besonders totalitär oder total, wenn es so einen Scheißpreis gibt. Thomas Mann hätte sicher nicht das Problem gehabt, das ich heute habe.“ Nein, Thomas Mann hatte andere Probleme.

          Wohin will Peter Handke?

          Dieter Borchmeyer, der Handke den Preis ausdrücklich in der Überzeugung gegeben hatte, dass es dafür keinen geeigneteren Kandidaten gebe, hätte sich verraten fühlen können, als Handke unverblümt gestand, ihn „total angelogen“ zu haben, als er so getan habe, als hätte er mit Thomas Mann etwas am Hut, vor dem er in Wirklichkeit aber eine Mischung aus „Bewunderung und Grausen“ empfinde. Es ist Handke unbenommen, solche Ansichten über den Namenspatron zu äußern. Was den Vorgang allerdings pikant macht, ist die Umbenennung des Preises, der früher Großer Literaturpreis hieß und mit dem die Akademie nun etwas an Thomas Mann wiedergutmachen will, denn es war der „Protest der Richard-Wagner-Stadt München“, mit dem dieser 1933 vertrieben wurde.

          Dieser ehrenwerte Schuss ist nach hinten losgegangen. Oh, du lässest mich im Stich, Peter, hätte Borchmeyer sagen sollen, du willst den Preis im Grunde gar nicht? Wie jammerschade, mein Freund! Aber mich dünkt, du hättest mir das zu Beginn der Verleihung sagen sollen, bevor ich dich aufrief. Hattest du nicht schon neulich einen Preis abgelehnt? Du solltest etwas dagegen tun, Peter, denn sonst ist die Gefahr nicht ausgeschlossen, dass du Rückschritte machst.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

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