https://www.faz.net/-gqz-77lqe

Peter Feldmann, ein Porträt : Der Volksfreund als Oberbürgermeister

  • -Aktualisiert am

Standfest: Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann Bild: Röth, Frank

Peter Feldmann hält als neuer Frankfurter OB bewusst Distanz zur Kultur und schüttelt kräftig Hände in Sozialwohnungen. Aber nicht jede Aufgabe kann er sich aussuchen: Ein Tag im Arbeitsleben des Politikers.

          10 Min.

          Der Oberbürgermeister von Frankfurt steht da, als erwarte er einen überraschenden Angriff. Sein Anzug glänzt, seine Schuhe wirken poliert. Grau-braunmeliert sind Hose und Jackett, die Krawatte ist schlicht dunkelrot mit kleinen silbernen Quadraten. Er schaut aus ruhigen Augen - aber der Körper steht unter Hochspannung. „Alle glauben immer, ich sei so ruhig, aber es ist nicht leicht, ausgeglichen zu bleiben.“ Auf einem Zettel haben seine Mitarbeiter den Tag geordnet: Telefonate und Termine, eine Fahrt für Hausbesuche nach Wiesbaden und ein Gespräch mit Petra Roth, die siebzehn Jahre lang seine Vorgängerin im Amt war, bis er im vergangenen Jahr überraschend die Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten Boris Rhein gewann.

          Peter Feldmann und Petra Roth verstehen sich gut

          Zum großzügigen Büro mit Hinterausgang und Balkon mit Blick auf die Paulskirche fährt er von seinem Reihenhaus in Kalbach im Volkswagen, dessen Leasingrate höher ist als die des schweren BMW seiner Vorgängerin. Das war ihm vorher nicht klar: Immer das Billigste schien das sicherste Programm, er predigt es auch heute wieder seinen Mitarbeitern, und teure Flüge kommen nicht in Frage. Auf dem Bürobalkon, unter dem die Straße heute wie leergefegt ist, geht es ebenfalls spartanisch zu: „Hier ein paar Plastikstühle, und dann kann man es sich richtig gemütlich machen“, sagt er. Im Vorzimmer seines Büros hängt ein Foto, das ihn strahlend mit einer ebenso strahlenden Petra Roth zeigt. Sie geben sich die Hände.

          Er hat es nicht gelernt

          Peter Feldmann hat nicht viel für den klassischen Kulturkonsum übrig. Daraus macht er keinen Hehl. Sein Büroleiter Martin Wimmer bringt es auf den Punkt: „Er hat es nicht gelernt.“ Feldmanns Büro steht symbolisch für diesen Wandel im Rathaus: Am Fenster hängt die Fotokopie einer Schwarzweißfotografie; sie zeigt eine schlanke, hübsche Frau in einem Gewand und einem Tuch um den Kopf. Sie hockt auf dem Boden in einer orientalischen Umgebung, schaut lasziv herüber. Das Fotos hat Peter Feldmann von „seiner Exfrau geschenkt bekommen. Hier hingen vorher zwei gelbe abstrakte Bilder“, sagt er und, scherzhaft vertraulich: „Ich habe kurz darüber nachgedacht, ein Quietsche-Entchen dazuzustellen, aber ist natürlich klar, dass das nicht geht.“ Was da vorher hing, war von Gerhard Richter.

          Mit vierzehn ist Feldmann in die SPD eingetreten

          Soziale Gerechtigkeit, die Sorgen und Nöte derjenigen, denen nicht selbstverständlich die Aufmerksamkeit gehört, das sind Feldmanns Themen, verankert in Wurzeln und Werten von Frankfurts regionaler Geschichte, die er wiederbeleben will. Dazu gehört auch seine eigene. Wenn er sie jetzt erzählt, wirkt sie jedoch seltsam unentschlossen. Zu oft hat er anscheinend im Wahlkampf von seiner Jugend im Frankfurter Stadtteil Bonames berichtet, wo er in einer Hochhaussiedlung aufgewachsen ist, vom Abitur, vom Studium der Politologie und Sozialbetriebswirtschaft, von der Leitung eines Jugendzentrums, von der Arbeiterwohlfahrt und dem Management eines Altenhilfezentrums. Seine Legende baut er dann aber doch noch geschickt auf: Mit vierzehn Jahren sei er in die SPD eingetreten, habe ein Parteibuch erhalten. Doch weil er noch zu jung war, musste er wieder austreten. „Mit fünfzehneinhalb Jahren war ich dann endgültig Mitglied“, prahlt er. Feldmann will, dass die Menschen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Und er lässt keine Zweifel aufkommen an seiner Botschaft: Ich habe ein Programm, dem ich treu bleibe.

          Weitere Themen

          Die Vergessenen

          FAZ Plus Artikel: Frankfurter in Afghanistan : Die Vergessenen

          Mohammad und seine sieben Kinder stecken in Pakistan fest. Amir sucht einen Weg durch die Berge hinter Kabul für seine Geschwister. Wie Hunderte deutsche Staatsbürger warten die Frankfurter darauf, vor den Taliban gerettet zu werden.

          Rückkehr auf den Wüstenplaneten Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Dune“ : Rückkehr auf den Wüstenplaneten

          Nach mehreren Verschiebungen kommt nun endlich Denis Villeneuves Neuverfilmung des Science-fiction-Klassikers „Dune“ in die Kinos. Dietmar Dath verrät, warum sich das lange Warten auf die Rückkehr auf den Wüstenplaneten gelohnt hat.

          Topmeldungen

          Wiedergewählt im zweiten Anlauf: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (links) bei der Vereidigung

          Wahl Reiner Haseloffs : Acht Abweichler und wilde Spekulationen

          Schon wieder wird Sachsen-Anhalts Ministerpräsident erst im zweiten Anlauf bestätigt. In Magdeburg fragt man sich: War es ein organisierter Aufstand? Oder eine Verkettung von Einzelaktionen?
          Ohne Test oder Impfung geht in Italien bald gar nichts mehr.

          Italien prescht vor : Zur Arbeit nur noch mit Test oder Impfung

          Wer kein Zertifikat über eine Impfung oder einen Test vorweisen kann, darf in Italien vom 15. Oktober an nicht mehr zur Arbeit in Büros, Behörden, Geschäften oder der Gastronomie gehen. Und in Frankreich müssen 3000 nicht geimpfte Pflegekräfte ihren Posten räumen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.