https://www.faz.net/-gqz-77lqe

Peter Feldmann, ein Porträt : Der Volksfreund als Oberbürgermeister

  • -Aktualisiert am

Die Möbel sind von Petra Roth

Ein Gerhard Schröder ist er also nicht. Nur Feldmanns Anzug ist noch Neue Mitte, doch das Programm ein altbekanntes: „Ich will den Menschen ihre SPD wiedergeben, die Gerhard Schröder ihnen genommen hat“, sagt er langsam, als wolle er, dass ich mir das ganz genau einpräge. Später werde ich feststellen, dass das sein normales Sprechtempo ist. Sein Büro ist nur noch karg bestückt. Die wenigen Möbel sind noch von Petra Roth übriggeblieben. Die langen Konferenztische wurden zur Gruppenarbeit zusammengeschoben. Das schräge, bunte Design des runden Schreibtischs lässt den Oberbürgermeister wie in einem Raumschiff versinken - Peter Feldmann, Captain Gerechtigkeit: „Die Blumengestecke habe ich auf das Nötigste runtergefahren.“ Geschmacklose Gebinde sind der klägliche Rest.

Der Fotograf von „Mix am Mittwoch“ fotografiert die Teilnehmer der Wohnungsbaukonferenz im Frankfurter Rathaus - exklusiv.
Der Fotograf von „Mix am Mittwoch“ fotografiert die Teilnehmer der Wohnungsbaukonferenz im Frankfurter Rathaus - exklusiv. : Bild: Karich

Für Feldmann steht an diesem Morgen eine „historische Konferenz“ an. Alle Bürgermeister der Region, die zuletzt nicht sehr friedlich miteinander umgegangen sind, wurden zu einer „Wohnungsbaukonferenz“ eingeladen. Auf dem Weg zum Sitzungssaal kommt man an Gemälden der ehemaligen Bürgermeister vorbei. „Hier will ich niemals hängen, denn dann ist man ja tot“, sagt Feldmann trocken. Im Konferenzraum warten viele Männer in dunklen Anzügen und gespannter Schweigsamkeit. Nur einige flüstern. Zwei Frauen sind dabei, Bürgermeisterinnen aus Schwalbach und Liederbach. Es gibt Filterkaffee aus verspiegelten Fünfziger-Jahre-Kannen und Höchster-Porzellan-Tassen sowie Kuchen. Doch niemand bedient sich. Ein solches Treffen habe es „seit zwanzig Jahren nicht gegeben“, sagt Peter Feldmann zur Begrüßung und versucht in seiner Einführung, emotionale, gefühlige Stimmung zu erzeugen. Die Gäste folgen ihm sichtbar konzentriert. Die randlose Brille wiegt er in der Hand hin und her. Sein Sprechtempo kassiert jede Aggressivität, obwohl es hier um Fragen geht, die nicht gemütlich sind: Wenn es Frankfurt schlechtgehe, melde sich die Stadt bei den Gemeinden im Umland, sagt einer. Feldmann, im charakteristischen Brustton der Überzeugung, pariert: „Wir wollen keinen Sozialhilfeexport.“ Der Regionalpatriot reitet seine Steckenpferde. „Es geht hier um die Krankenschwester und den Polizisten. Diejenigen, die Arbeit haben und genervt sind davon, dass sie sich die Wohnung in Frankfurt nicht mehr leisten können, so dass diejenigen, die Sozialhilfe bekommen, kaum schlechter dran sind. Sie leisten ihren Beitrag und können davon aber nicht leben.“ Bei manchen Forderungen und Deklarationen Feldmanns fragt man sich irgendwann, ob er ernstlich glaubt, jemand würde ihnen widersprechen.

“Die Frankfurter Bürger, von der Wiege bis zur Bahre, sind eben der größte Ausgabenpunkt“, sagt einer. Vor vielen Jahren ist Frankfurt von einer ganz anderen Situation ausgegangen. Damals hieß es, der Wohnungsmarkt sei tot. Jetzt hat Frankfurt mehr als 700 000 Einwohner. 25 000 mehr werden es im Jahr 2020 sein. Alles, was in einer halben Stunde erreichbar sei, sagt Feldmann, habe jetzt eine neue Bedeutung. In Friedberg wartet eine ehemalige amerikanische Kaserne auf Umnutzung. Es ist eine Kosten- und eine ökologische Frage, vor der die Politik steht. Wo gebaut wird, muss eine neue Infrastruktur hin. Irrsinnige Kosten im Regionalverkehr stehen an. 350 000 Pendler arbeiten jetzt schon in Frankfurt.

Weitere Themen

Topmeldungen

Österreichs Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP)

Coronavirus : Österreich droht Ungeimpften mit Lockdown

Die Regierung in Wien kündigt Ausgangssperren für Ungeimpfte an, sollte sich die Pandemielage weiter verschärfen. Einen Lockdown für Geimpfte oder Genesene schließt Kanzler Schallenberg aus.
Tankstelle in Marseilles, Südfrankreich: Die französische Regierung will einige Mitbürgerinnen und Mitbürger nun durch ein Energiegeld entlasten.

Benzinpreise : Hilfe auch für deutsche Autofahrer?

Paris macht es vor: Die Regierung federt die steigenden Strompreise mit einem Energiegeld ab. Auch in Deutschland steigt der Unmut wie die Spritpreise. Wie reagiert Berlin?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.