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Urheberrechte eines Makaken : Peta klagt für Alpha-Äffchen Naruto

Makaken-Selfie: Hat der Affe dafür Honorar verdient? Bild: Picture-Alliance

Ein Affe kann kein Urheberrecht für ein Selfie beanspruchen – oder? Die Tierschutzorganisation Peta sieht das anders und geht vor Gericht. Was der Affe mit dem Honorar soll, ist unklar.

          So ein Makak macht schon was her: strahlendes Gebiss, kräftige Gliedmaßen, bernsteinfarbene Augen und eine Kinnlade wie Kirk Douglas. Er ist nur ein wenig zu klein. Denn selbst der Tibetmakak, der größte Primat in der Familie der Meerkatzenartigen, die zur Überfamilie der geschwänzten Altweltaffen gehören, ist immer noch ein ganzes Stück kleiner als zum Beispiel Danny DeVito. Weil aber Talent, kreatives Potential und Charisma nicht von der Körpergröße abhängig sind, konnte auch ein sechsjähriger Makak namens Naruto eine beachtliche Karriere machen. Dem Affen sind vor einigen Jahren mit der Kamera des Fotografen David Slater einige Selfies gelungen, die seitdem millionenfach angeklickt wurden. Naruto, der ein paarmal auf den Auslöser drückte und dabei verschmitzt bis diabolisch und einmal auch recht amtlich in die Kamera grinste, wurde berühmt, der Fotograf hingegen, der die Aufnahmen ins Netz stellte, ist ruiniert. Mittlerweile ist Slater infolge der Kosten für mehrere Prozesse so abgebrannt, dass er nicht einmal mehr zur Verhandlung anreisen konnte, als sein Fall jetzt vor einem Berufungsgericht in San Francisco anhängig war. Verklagt wurde Slater von – Naruto, vertreten durch die Tierrechtsorganisation Peta.

          Sehet die Makaken unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und Peta klagt doch ihre Urheberrechte ein. Was wohl der Evangelist dazu gesagt hätte? In einem früheren Prozess, den Slater gegen einige Websites angestrengt hatte, machten die Beklagten geltend, dass Tiere nicht urheberrechtsfähig, die Bilder also ohne Rechteinhaber seien. Die Ansicht wurde vom amerikanischen Copyright Office bestätigt. Im neuen Prozess, der seit 2015 verhandelt wird, will Peta nun das Gegenteil erreichen und Naruto die Anerkennung als Rechteinhaber verschaffen. Für die Richter, die es mit einem Musterprozess zu tun haben dürften, wird das keine leichte Entscheidung. Zahllose Fragen tun sich auf. Was würde die Anerkennung des ja vererbbaren Urheberrechts zum Beispiel für Narutos Nachkommen bedeuten? Und wie unterscheiden Makaken eigentlich zwischen legitimen und illegitimen Nachkommen?

          Noch komplizierter wird die Sache, weil Slater, der damals einige Tage mit einer Gruppe von Makaken in Sulawesi verbracht hatte, fest davon überzeugt ist, dass die umstrittenen Bilder gar nicht Naruto zeigen, sondern ein weibliches Tier. Was aber, wenn Slater recht hätte? Müsste dann nicht ein Rechtsstreit zwischen Makaken die Folge sein und Peta sich stellvertretend selbst verklagen? Und wie würden wir dann über Naruto denken? Würden wir ein armes, willenloses Werkzeug der Tierrechtslobby in ihm sehen? Oder einen abgefeimten Hochstapler? Vielleicht steht der leider etwas klein geratene Naruto mit seiner kantigen Kinnlade aber auch einfach nur gern im Rampenlicht, genauso wie Kirk Douglas, Danny DeVito und all die anderen Alpha-Äffchen.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

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