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Proteste gegen den Lockdown : Peinliche Bilder

  • -Aktualisiert am

Ist denn schon wieder 1984? Im Londoner Hyde Park wird ein Mann bei einer Demonstration gegen den Lockdown festgenommen. Bild: AFP

Gefährdete Bäume und kontrollierte Toilettengänge: Einige Briten wittern hinter den Corona-Beschränkungen den Anfang vom Ende ihrer Freiheit.

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          „So sieht ein Polizeistaat aus“, warnte der einflussreiche Verfassungsrechtler Jonathan Sumption Ende März nach einem Wochenende, an dem sich freiheitsliebende Briten besonders erregten über das pedantische Vorgehen der Polizei im Zusammenhang mit vermeintlichen Verstößen gegen die Corona-Beschränkungen. In einem Polizeistaat könne eine Regierung ohne rechtliche Autorität Verordnungen erlassen, „und die Polizei vollstreckt die Wünsche der Minister“.

          Lord Sumption steht mit seiner Auffassung, die Ausgangssperre stelle den größten Eingriff des Staates in die persönliche Freiheit in der britischen Geschichte dar, nicht allein da. Ein ehemaliger konservativer Minister beobachtete dieser Tage im Hyde Park, wie die Polizei – womöglich aus lauter Frust, dass sie das Zusammensein der Menschenmengen nicht im Griff hatte – zwei junge Männer verwarnte, die ein Seil an einem Ast befestigt hatten, um Turnübungen zu machen. Nach Auffassung der Ordnungskräfte gefährdeten die Männer den Baum. Die Szene weckte bei dem Politiker ähnliches Unbehagen wie die Aufforderung der stellvertretenden Gesundheitsbeauftragten, Paare mit getrennten Haushalten sollten zusammenziehen oder für die Dauer der Ausgangssperre getrennt leben.

          Ein Gefühl der Befangenheit

          Überall wittern Briten nun Schritte in Richtung des Orwell’schen Überwachungsstaates, auch in Oxforder Studentenbuden. Dort beschweren sich Prüflinge über die Aufsichtsmaßnahmen der Fakultät für Klassische Philologie bei den durch die Abstandsregelungen notwendig gewordenen Online-Klausuren. Manche empfinden es als Übergriff in ihre Privatsphäre, dass ihre Zimmer vor Beginn der Fernprüfung mit der Kamera auf Spickzettel oder die Anwesenheit einer anderen Person abgetastet werden und dass die Prüflinge während der Klausur unter Beobachtung einer Webcam stehen sollen. Die Beobachtung erzeuge ein Gefühl der Befangenheit sowie das Empfinden, die Webcam-Untersuchung könne für jene Studenten peinlich ausfallen, die nicht genug Geld hätten, sich gut einzurichten. Ein Student sagte der „Times“, aus einem wirtschaftlich benachteiligten Haushalt kommend, sei es ihm außerordentlich unangenehm zu wissen, dass seine Lehrer Einblick in seine persönlichen Umstände gewinnen würden.

          In englischen Schulen stehen Prüflinge bei altmodischen Klausuren unter Bewachung eines Aufpassers, selbst beim Toilettengang, bei dem die Kabine vor und nach Benutzung durchsucht wird. Vielleicht hat man es in Oxford aber eher mit den Sensibilitäten der sogenannten Schneeflocken-Generation zu tun als mit ethischen und rechtlichen Bedenken, wie sie Lord Sumption umtreiben.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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