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Pegida in Köln : Der Dom bleibt dunkel

Keine Bühne für Fremdenfeindlichkeit: der Kölner Dom Bild: dpa

Die katholische Kirche will während der Montagsdemonstration das Licht am Kölner Dom ausschalten. Sie setzt damit ein starkes Zeichen gegen Pegida.

          „Denn die einen sind im Dunkeln/Und die anderen sind im Licht/Und man siehet die im Lichte/Die im Dunkeln sieht man nicht“, heißt es in der Schlussstrophe der „Moritat von Mackie Messer“, die Bertolt Brecht erst für die Verfilmung der „Dreigroschenoper“ angefügt hat. Das war 1930, das Stück schon auf dem Weg zum Welterfolg, und das Dunkel, das sich über das Land legen sollte, dämmerte erst. Mit den „einen im Dunkeln“ sind die Benachteiligten, mit den „anderen im Licht“ die Begünstigten gemeint. Licht steht auch für Aufmerksamkeit: Gesehenwerden ist alles, das gilt heute noch mehr als vor 85 Jahren, und ist Voraussetzung für öffentliche Wahrnehmung. Die Kölner Anhänger der Pegida-Bewegung, die für Montag eine Demonstration angemeldet haben, die vom Deutzer Bahnhof über die Hohenzollernbrücke auf den Roncalliplatz an der Südseite des Doms führen soll, werden ohne sie auskommen müssen: Die Außenbeleuchtung der Kathedrale wird von 18.30 bis (mindestens) 21 Uhr ausgeschaltet.

          Andreas Rossmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Mit der Verdunkelung des Wahrzeichens setzt das Domkapitel ein starkes Zeichen. „Die Hohe Domkirche möchte keine Kulisse für diese Demonstration bieten“, sagte Dompropst Norbert Feldhoff, der im Dom das Hausrecht hat und von der entsprechenden Maßnahme der Dresdner Semper-Oper dazu angeregt wurde: „Nach den beschämenden Demonstrationen der HoGeSa, die das Image unserer schönen Stadt beschädigt haben, ist dies ein überfälliges Signal.“ Feldhoff, der in diesem Jahr in den Ruhestand geht, hatte das bereits am Dienstag, wie er dieser Zeitung sagte, „ganz alleine“ entschieden und gleich danach die „volle Zustimmung“ des neuen Erzbischofs Rainer Maria Woelki erhalten, der das Thema aufgriff und ausführte: „Das Abendland verteidigen wir nicht, indem wir die Schotten dicht machen“, kritisierte er die Pegida in seiner Silvesterpredigt, für die er großen Applaus erhielt: „Gerecht werden wir diesem christlichen Abendland, wenn wir...Flüchtlingen eine menschenwürdige Unterkunft und Nachbarschaftlichkeit zukommen lassen.“

          Der Kardinal machte die deutsche Rüstungsindustrie für das Ausmaß der humanitären Katastrophe mitverantwortlich: „Wir exportieren qualitätsvolle, zielgenaue und robuste Waffen in einem großen, noch nicht dagewesenen Umfang“, betonte er, inspiriert vom neuen franziskanischen Kurs in Rom: „Circa 100.000 Deutsche arbeiten für den Export von Kriegsgütern. Wir verdienen daran... Und wir wundern uns dann, wenn einige Opfer von Gewalt an unsere Türen klopfen?“

          Der Dom als politisches Ornat

          Der Kölner Dom wird seit dem frühen neunzehnten Jahrhundert, das fängt bei Joseph Görres an, als Objekt politischer Absichten und Projektionen beansprucht. 1842 reiste Friedrich Wilhelm IV. zum Dombaufest, auf dem der Grundstein für den Weiterbau beschlossen und die Kathedrale zum inoffiziellen Nationaldenkmal wurde. Den Nationalsozialisten passte das gotische und mithin französische Bauwerk nicht so recht in die Ideologie, da lag der Braunschweiger Welfendom näher. Konrad Adenauer traf sich mit Charles de Gaulle im Juli 1962 in Reims und, beim Gegenbesuch des französischen Präsidenten, zwei Monate später im Kölner Dom; 1967 wurde er hier mit einem Pontifikalamt verabschiedet.

          Staatsbesuche führten bis nach der Wende meist auch nach Köln, der Dom wurde so etwas wie die Staatskirche der Bonner Republik. Seit dem Umzug der Hauptstadt nach Berlin ist er das nicht mehr. Doch mit der Verdunkelung am Montag – „den Schalter dafür“, so der Dompropst, „hat die RheinEnergie, die die Beleuchtung sponsert“ – wächst dem Dom neue politische Symbolkraft zu. Die Kirche, deren Türme im Logo von Dienstleistern und Produkten Verwendung finden, ist für vieles, aber, so sagt sie, nicht für alles zu haben. Gestern fand hier die Aussendungsfeier der Sternsinger statt, „da sah es im Dom“, so ein Beobachter, „mal wieder aus wie in einem orientalischen Basar“, und am Montag um 21 Uhr, da läuft die Pegida-Demonstration womöglich noch, wird der „dicke Pitter“, die mächtigste Glocke des Doms, den Feiertag der Heiligen Drei Könige einläuten und die Weisen aus dem Morgenland begrüßen.

          Der Dom zeigt, auch ohne Beleuchtung, Wirkmacht. „Doch siehe! Dort im Mondenschein/Den kolossalen Gesellen!/Er ragt verteufelt schwarz empor,/ Das ist der Dom von Köllen“, dichtet Heinrich Heine in „Deutschland. Ein Wintermärchen“ (1844), lange vor der Vollendung des Bauwerks. Die Dunkelmänner von der Pegida lässt der Dom am Montag im Dunkeln stehen.

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