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Begehbare Installationen : Pauline Curnier Jardin erhält Preis der Nationalgalerie

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Der Preis der Nationalgalerie soll in Deutschland lebende junge Künstler fördern. Die grenzüberschreitende Arbeitsweise der diesjährigen Gewinnerin verbindet optische und erzählende Elemente von Theater und Kino.

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          Die aus Marseille stammende Künstlerin Pauline Curnier Jardin erhält in diesem Jahr den Preis der Nationalgalerie Berlin. Die einstimmige Entscheidung der Jury wurde am Donnerstagabend in Berlin vom Direktor der Nationalgalerie, Udo Kittelmann, bekannt gegeben. Die Jury würdigte vor allem die herausfordernde und verunsichernde Sprache der Arbeiten.

          Die 1980 geborene Curnier Jardin lebt in Berlin. Bei ihren Arbeiten bedient sie sich mit begehbaren Installationen der Mittel des Kinos und verbindet sie mit ihren Skulpturen.

          Die grenzüberschreitende Arbeitsweise verbindet optische und erzählende Elemente von Theater und Kino. Im Hamburger Bahnhof in Berlin hat Curnier Jardin für ihre Präsentation begehbare Installationen geschaffen, in denen sich filmische Sequenzen mit Skulpturen zu einer eigenen Welt verbinden.

          Pauline Curnier Jardin bei der Preisverleihung im Hamburger Bahnhof

          In der 16 Minuten dauernden Installation „Qu’un Sang Impure“ etwa greift sie Jean Genets „Un Chant d’Amour“ von 1950 auf, ersetzt dabei aber die jungen Insassen eines Gefängnisses durch Frauen nach der Menopause, die ebenso exzessiv wie verstörend ihre erotische Kraft zelebrieren. Jenseits des Kreislaufes der Reproduktion, losgelöst von männlichen Begierden, gibt Curnier Jardin ihren Darstellerinnen eine besondere Macht.

          Die Auszeichnung wurde zum zehnten Mal vergeben. Neben Curnier Jardin waren Simon Fujiwara, Flaka Haliti und Katja Novitskova für die alle zwei Jahre verliehene Auszeichnung der Freunde der Nationalgalerie nominiert worden. Werke der vier Anwärter waren seit Mitte August im Hamburger Bahnhof ausgestellt.

          Der Gewinner des Preises für Künstler unter 40 Jahren, die in Deutschland leben, wird seit 2013 nicht mehr mit einem Geldpreis, sondern mit einer Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalgalerie ausgezeichnet. Dazu erscheint auch eine Publikation.

          Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte die Auszeichnung. Eine angesehene Jury mit viel Sachverstand, Zeit und fundierten Begründungen lenke die Aufmerksamkeit auf Einzigartiges, kreatives Potenzial und ungewöhnliche Positionen. Dies trage zum beständigen Erfolg außergewöhnlicher Künstler bei. Grütters verwies auf bisherige Preisträger wie Olafur Eliasson, Tino Sehgal, Monica Bonvicini, Christian Jankowski, Katharina Grosse oder Anne Imhof. „Sie alle zählen mittlerweile zu den großen klingenden Namen der Gegenwartskunst“, sagte sie.

          „Gerade in einer Zeit, in der populistische Einfalt den Blick verengt, brauchen wir Künstlerinnen und Künstler, die ihn durch einen Perspektivwechsel wieder weiten.“ Kunst helfe, Widersprüche und Überforderungen auszuhalten und sie als Herausforderung und Aufgabe zu begreifen.

          Der Förderpreis für Filmkunst wurde Lucia Margarita Bauer zugesprochen, wie der Schauspieler Ulrich Matthes als Präsident der Deutschen Filmakademie bekannt gab. Nationalgalerie und Filmakademie vergeben den Preis gemeinsam seit 2011, um den Austausch zwischen der filmenden und der bildenden Kunst zu unterstützen.

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