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„Grands Hommes“ im Pantheon : Zwangsehe

Im Pantheon gedenkt Frankreich 73 seiner „grands hommes“ (und inzwischen auch fünf Frauen). Bild: AFP

Politiker haben sich dem Plan angeschlossen, Paul Verlaine und Arthur Rimbaud ins Pariser Pantheon zu überführen. Damit soll ein Zeichen gegen Homophobie gesetzt werden. Doch es regt sich Widerstand.

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          Im gleichen Grab wie Arthur Rimbaud liegt auf dem Friedhof von Charleville-Mézières sein Schwager begraben, der nach dessen Tod behauptet hatte, der Poet habe auf dem Sterbebett Reue bekundet und den Glauben wiedergefunden. Als der Journalist Frédéric Martel, Autor von „Sodom: Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan“, zusammen mit einem Schriftsteller – der Reden für Premierminister Jean Castex schreibt – und dem Verleger einer Rimbaud-Biographie vor dem Familiengrab stand, beschlossen die drei Freunde: Wir befreien den Poeten. Das kann nur durch eine Überführung ins Pariser Pantheon geschehen.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Politiker wie der frühere Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoé und der Schriftsteller Angelo Rinaldi von der Académie française machten mit. Man kam auf die Idee, auch gleich noch Paul Verlaine in das spektakuläre Projekt einzubeziehen. Im Pantheon gedenkt Frankreich 73 seiner „grands hommes“ (und inzwischen auch fünf Frauen). Seit Victor Hugo, der als politisches Gewissen der Republik Einzug hielt, sind keine Dichter ins Pantheon aufgenommen worden. Die Überführung der sterblichen Überreste von Rimbaud und Verlaine wird auch keineswegs mit ihrer literarischen Bedeutung begründet: Es gehe darum, ein Zeichen gegen die Homophobie zu setzen, schreiben die Initianten in ihrer Petition.

          Symbolischer Vollzug der Ehe für alle

          Schriftsteller und auch der Philosoph Michel Onfray haben das Manifest unterschrieben. Genauso wie neun frühere Kulturminister: von Jack Lang bis Frank Riester. Die jetzige Amtsinhaberin Roselyne Bachelot ist Feuer und Flamme für den symbolischen Vollzug der Ehe für alle – „sie liebten sich“ – im Tempel der Republik. Bachelot schwärmt von einer Geste mit „nicht nur historischer und literarischer, sondern aktueller Bedeutung“. Doch nicht nur im Internet wird das Projekt der Zwangsehe für die Ewigkeit mit Hohn und Spott bedacht. Ihr Verhältnis habe kaum mehr als zwei Jahre gedauert, und als Rimbaud es beendete, schoss ihm der ältere Verlaine mit der Pistole in den Arm. Er kam deswegen ins Gefängnis.

          Arthur Rimbaud (1854 – 1891) als junger Mann
          Arthur Rimbaud (1854 – 1891) als junger Mann : Bild: Picture-Alliance

          Noch nicht geäußert hat sich Bachelots Kollegin Marlène Schiappa, die ansonsten ständig twittert und den Kampf gegen die eheliche Gewalt zur nationalen Priorität erhoben hat. Ganz abgesehen davon, dass Verlaine seine Gattin übel beschimpft und geschlagen hatte. Rimbaud wiederum war Waffenhändler und alles andere als ein Gegner des Kolonialismus. Auch in den höheren Sphären der Republik des Geistes macht sich Widerstand gegen die Vereinnahmung gegen die Homophobie breit: Die Ehe für alle sei inzwischen bekanntlich abgesegnet worden.

          Einer Petition in „Le Monde“ haben sich die Literaturwissenschaftler, die sich zu Rimbauds Erbe bekennen, angeschlossen. Fans des Poeten, der als Ikone der Rebellion ein genauso beliebtes Sujet für T-Shirts geworden ist wie Che Guevara oder Jim Morrison, bezeichnen die geplante Überführung ins Pantheon geradezu als Vergewaltigung. Auch die Familie widersetzt sich ihr vehement. Mit ihrer Weigerung liefert sie dem Monarchen der Republik, der entscheiden muss, ein Alibi. Es ist nicht das beste und sogar etwas billig – aber hochwillkommen, um diesen Schildbürgerstreich zu verhindern.

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