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Partnersuche im Internet : In den Sehnsuchtsmaschinen

Fast acht Millionen Deutsche suchen übers Netz einen Partner Bild: dpa

Sechzehn Millionen Singles leben in Deutschland, die Hälfte davon ist bei einer Partnerbörse im Internet registriert. Der Weg zur Liebe ist mit Mail und Maus zwar schneller, aber nicht weniger riskant geworden. Sandra Kegel hat sich im Netz umgeschaut.

          Katrin Leonhardt ist eine Frau, nach der sich die Männer auf der Straße umdrehen. Sie ist groß und schlank, hat lange blonde Haare, grüne Augen; außerdem ist sie schlagfertig und intelligent. Die achtundzwanzigjährige Leiterin eines Schulhorts dürfte mithin kein Problem haben, einen Freund zu finden. Die Natur hat den Fortbestand der Menschheit gesichert, indem sie auch dieser jungen Frau die Sehnsucht nach Zweisamkeit in den genetischen Code gestrickt hat; Schicksal spielen dabei gemeinhin Zufälle und Hormone, als Kulisse dienen Hörsäle, Familienfeste oder der Arbeitsplatz.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Nicht so bei Katrin Leonhardt. Sie will selbst Regie führen beim Suchen und Finden der Liebe, weshalb sie tat, was inzwischen Millionen Deutsche tun: Sie meldete sich bei einer Partnerbörse im Internet an. Mit Foto, Selbstbeschreibung und ausgefülltem Fragebogen ging sie online und fand am nächsten Tag mehr als sechzig Anfragen von Männern vor, die sich mit ihr treffen wollten. Nun hatte Katrin Leonhardt die Wahl und behielt die Kontrolle, was ihr wichtig ist. „Im Internet“, so kalkuliert sie, „kann man mit höherer Frequenz und geringerem Risiko suchen.“

          Beschleunigter Liebesreigen

          Während Frauen bis vor einigen Jahrzehnten in ihrem Leben - hoch gegriffen - vielleicht fünf oder sechs denkbare Heiratskandidaten trafen, aber eigentlich schon beim Vierten abwägen mussten, ob sie sich ein neuerliches „Nein“ alters- und vermögensmäßig überhaupt noch leisten konnten, hat der Liebesreigen im digitalen Zeitalter eine beispiellose Beschleunigung und Vervielfältigung erfahren. Die Sehnsuchtsmaschinen sind schneller, als Amors Pfeile je fliegen können. Nur ein paar Sekunden braucht der Computer, um den Suchenden eine Fülle an Partnervorschlägen zu machen: „Werther würde heute nicht Selbstmord begehen, er würde im Internet nach einer anderen Frau suchen“, sagt deshalb die israelische Soziologin Eva Illouz über die Paarbeziehungen im Zeitalter des Internet.

          In Deutschland leben gegenwärtig sechzehn Millionen Singles; fast die Hälfte davon ist bei einer Online-Dating-Börse registriert, Männer gleichermaßen wie Frauen. Einen Partner mit Mail und Maus zu finden ist heute so selbstverständlich, wie den Frühlingsquark in kleinen Portionen zu kaufen statt in der Familienpackung - das zumindest sagt Henning Wiechers, der professionell Singlebörsen im Internet vergleicht.

          Digitale Kompetenz

          Wer weiland Kontaktanzeigen schaltete, musste das Vorurteil fürchten, beim herkömmlichen Anbandeln glücklos geblieben zu sein, weshalb Paare, die sich auf diesem Wege fanden, oft die Legende einer zufälligen Begegnung strickten. Die digitale Annonce, die freilich keinen anderen Zweck erfüllt als ihre analoge Schwester, befördert hingegen ein anderes Bild: Denjenigen, der sich im Internet auf Liebessuche macht, umweht die Aura des digital kompetenten Zeitgenossen, der jung ist, hart arbeitet, viel verdient und deshalb für die beschwerliche Suche nach Frau oder Herrn Richtig keine Zeit hat.

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