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US-Prozess : Rhett darf Scarlett auf "Tata" küssen

  • Aktualisiert am

Rhett Butler schmust mit Scarlett O'Hara: In Randalls Parodie nur deshalb, weil sie ihrer Mulatten- Halbschwester Cynara so ähnlich sieht Bild: dpa

Die umstrittene Parodie auf „Vom Winde verweht“ darf in den USA nun doch erscheinen.

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          Eine umstrittene Parodie auf den amerikanischen Klassiker „Vom Winde verweht“ von Margaret Mitchell darf nun doch veröffentlicht werden. Das hat ein Berufungsgericht in New York bestimmt. Mitchells Erben hatten „The Wind Done Gone“ der US-Autorin Alice Randall als Plagiat zu blockieren versucht und sich auch in erster Instanz in Atlanta durchgesetzt.

          Das Berufungsgericht hob dieses Urteil jedoch unter Hinweis auf das Recht auf freie Meinungsäußerung auf. Fürsprache hatte „The Wind Done Gone“ von mehreren namhaften Künstlern und Intellektuellen erhalten - darunter der Literatur-Nobelpreisträgerin Toni Morrison und der Historiker Arthur Schlesinger. Die „New York Times“ war eine der wenigen US-Zeitungen, die Auszüge des Buches vorab zu lesen bekam. Das Blatt beschrieb es als Mischung aus Satire, Sentimentalität und politischer Rhetorik mit Elementen eines billigen Melodramas.

          Im Juni kommt das Buch auf den Markt

          Der Verleger von „The Wind Done Gone“, Houghton Mifflin, feierte den Spruch der Berufungsinstanz und kündigte an, noch im Juni die ersten 25.000 Exemplare des neuen Romans auf den Markt zu bringen.

          Er schildert ebenso wie „Vom Winde verweht“ das Leben auf einer Südstaaten-Plantage zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges. Bei Randall heißt die Plantage „Tata“ statt „Tara“. Anders auch als in Mitchells Klassiker wird das Geschehen aus der Sicht von Scarlett O'Haras Halbschwester, einer Mulattin namens Cynara, erzählt.

          Bei Randall hat Scarlett einen schwarzen Vorfahren, wird Tara (Tata) in Wirklichkeit von gerissenen Sklaven geführt, die ihre weißen Herren manipulieren. Vor allem ist Rhett Butler in Randalls Parodie nur deshalb hinter Scarlett her, weil sie ihrer Mulatten- Halbschwester Cynara so ähnlich sieht, der wahren Liebe seines Lebens.

          Kritik an dem Film

          „Vom Winde verweht“ wurde 1939 verfilmt und ist damit in der ganzen Welt bekannt geworden. Afro-Amerikaner werfen Buch und Film seit langem eine einseitige Sicht auf die Geschichte vor. Bürgerrechtler Martin Luther King äußerte sich einst kritisch, Malcolm X machte den Film sogar dafür verantwortlich, dass er sich der militanten Schwarzenbewegung anschloss.

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