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Parkour : Die ganze Stadt ist mein Hindernis

  • -Aktualisiert am

Traceure: Auf den Spuren von Spiderman Bild: Karsten Uhlmann

Parkour ist die Kunst, sich einfach gerade fortzubewegen - ohne sich unnötig lange mit Barrieren zu befassen. Diese Herausforderung wird immer populärer. Dadurch aber auch immer gefährlicher. Auf dem Gelände der Alten Messe in Leipzig üben die echten Athleten.

          Tarzan tat es, Zorro auch. Spiderman sowieso. Und eigentlich auch Robin Hood. Sie alle vollbrachten auf ihre Weise Großes, aber besonders die Art ihrer Fortbewegung machte sie berühmt. Sie alle kamen zügig von A nach B - auf dem direkten Wege, ohne sich unnötig lange mit Barrieren zu befassen. Ihre Nachfolger haben das Gleiche im Sinn, aber mit anderer Taktik: überwinden statt umgehen. Bänke, Bäume, Bauzäune, Blumenkübel, Geländer, Gerüste, Garagen - mit geschmeidigen Bewegungen bahnen sie sich ihren Weg. Was sie benötigen: nur eine Stadt. Umso verbauter, desto besser. Sie nennen sich Traceure - die den Weg ebnen -, ihr Tun nennt sich Parkour (siehe auch Ich möchte Pfeil einer Jugendbewegung sein)

          Längst hat sich die werbende Wirtschaft von der Coolness der Traceure, die sie mit totaler Körperbeherrschung paaren, ihre Scheibe abgeschnitten. Auf Tempo geschnittene Werbespots oder Musikvideos werden inflationär mit den Künsten der Athleten aufgepeppt. Die Eröffnungsszene im jüngsten James-Bond-Film „Casino Royale“, die Agent 007 auf der Jagd nach einem vermeintlichen Bösewicht auf einer Großbaustelle bis hinauf in die Kräne hetzt, ist stark an Parkour angelehnt. Die besten deutschen Traceure betreiben ihr Fach derweil nicht auf einer Großbaustelle, sondern - noch besser - auf einer ewigen Baustelle: auf dem Gelände der Alten Messe in Leipzig. Es bietet ein riesiges betoniertes, zementiertes, gemörteltes, gefliestes und damit ideales Trainingsfeld für die Gruppe.

          Er nimmt Anlauf und springt

          Ihr Lauf beginnt am „Ost-West-Kontaktzentrum“, ein Relikt aus Zeiten, als dieser unwirtliche Ort die größten Handelsmessen der Welt beherbergte. Seit fast zwei Jahrzehnten zerrt der Wind an dem einstöckig-flachdachigen Bau, an einigen Stellen hat er den Blick auf das eiserne Grundgerüst freigelegt. Nun sieht es so aus, als müsste man es nur anpieksen und es fiele in sich zusammen. Sandra Hess, Weltmeisterin im Freestyle-Karate im Jahre 2001, und der Sportstudent Alex Lorenz führen die Leipziger Traceure an. Vier Athleten, zwischen fünfundzwanzig und einunddreißig Jahre alt, stehen auf dem Dach einer der riesenhaften Messehallen. Das Licht steht günstig, der Fotograf macht die irrsten Verrenkungen, um die rechts, links, oben, unten an ihm vorbeifliegenden Athleten einzufangen. Parkour lebt von Bildern.

          Traceure: Auf den Spuren von Spiderman Bilderstrecke

          „Saut de précision“ nennt sich der weite Satz zu einem vorher definierten Landepunkt. Alex reibt sich kurz mit der Handfläche über den geschorenen Schädel und zupft seinen schwarzen Kapuzenpulli zurecht. Dann nimmt der kleine Mann Anlauf und springt. Wie ein Flummi. Über den Rand des Hallendachs hinaus auf das Nebengebäude. Mit einer „Roullade“, einer Rolle über Rücken und Schultern, um die Fallenergie abzufedern, landet er wieder auf beiden Beinen. Dann ist er aus dem Blickfeld verschwunden. Wo ist er? Da kommt er schon wieder zurück - Sprung, Roullade vor die Füße des Fotografen, Blick auf das Foto im Display. „War ganz okay, oder?“

          Fließende Bewegungen und das gute Foto

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