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Jeff-Koons-Kunst in Paris : Ist das Kitsch oder kann das weg?

  • -Aktualisiert am

So darf man sich das demnächst wohl auch in Paris vorstellen: „Tulips, 1995-2004“ von Jeff Koons, auf der Rockefeller Plaza in New York. Bild: AFP

Paris erhielt ein Kunst-Geschenk, an dem sich viele stören: Das „Bouquet of Tulips“ von Jeff Koons kommt aus Amerika und ist dem Gedenken an die Opfer der Terror-Anschläge gewidmet. Wo es hinsoll, ist nun endlich klar.

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          Eine Hand, die einen Strauß von Tulpen hält, etwa zehn Meter hoch, acht im Umfang, über dreißig Tonnen schwer und knallig bunt. Vor knapp zwei Jahren stellte Jeff Koons in Paris vor, wie seine Skulptur „Bouquet of Tulips“ aussehen wird. Eine Skulptur, die die Solidarität der Vereinigten Staaten mit Frankreich und insbesondere mit Paris nach den Anschlägen vom November 2015 und das Gedenken an die Opfer zum Ausdruck bringen sollte.

          Zugunsten von Koons ist festzuhalten, dass nicht er selbst auf die Idee kam, Paris monumentalisierten Kitsch als Geste nach den Terroranschlägen zu offerieren. Es war die damalige amerikanische Botschafterin in Paris, Jane D. Hartley, die sich das ausgedacht hatte, vielleicht auf den Weg gebracht durch finanzstarke Sammler wie François Pinault und ehemalige Koons-Händler wie Emmanuelle und Jérôme de Noirmont.

          Letztere organisierten das Fundraising. Jedenfalls ließ sich im November 2016 bei der Pressekonferenz schon mitteilen, dass Mäzene für die auf drei Millionen Euro geschätzten Produktionskosten der Skulptur aufkommen würden. Bürgermeisterin Anne Hidalgo gab sich bei dieser Gelegenheit nicht nur erfreut über die Gabe. Sie verkündete auch gleich den Ort, an dem sie aufgestellt werden sollte, nämlich der Platz zwischen dem Musée d’art moderne de la Ville de Paris und dem Palais de Tokyo.

          Doch das war vorschnell. Massiver Widerstand formierte sich gegen den Plan der Stadt, ein hervorstechendes architektonisches Ensemble zur Kulisse von Koons’ Kitsch-Art zu machen. Die Debatten verliefen bewegt, auch die beruflich mit zeitgenössischer Kunst Befassten waren durchaus nicht einer Meinung. Petitionen wurden verfasst, Meinungartikel geschrieben. Kulturministerin Françoise Nyssen, die den Aufstellungsort abzusegnen hatte, zog sich auf technische Gutachten zurück und initiierte runde Tische.

          Ablehnen konnte man das Monstrum nicht mehr. Dafür gab es hübsche Vorschläge, wo man es aufstellen könnte. Wenn nicht gleich in der Provinz, dann vielleicht im La-Chapelle-Viertel statt im vornehmen sechzehnten Arrondissement oder im neu angelegten Jardin des Halles, oder vielleicht in der Umgebung der Fondation Louis Vuitton, wo doch deren Gründer Bernard Arnault große Stücke auf Koons hält.

          Gekommen ist es nun ganz anders. Um die Kuh vom Eis zu holen und offenbar auch auf Winke aus dem Elysée, wo man die politisch aufgeladene Angelegenheit endlich lösen wollte, ließ der neue Mann für die Kultur im Pariser Rathaus wissen, dass Koons’ Tulpen in den Grünanlagen zwischen dem Petit Palais und der Place de la Concorde, also nahe den Champs Elysées stehen werden. Die amerikanische Botschaft wird dann fast in Sichtweite sein.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton.

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