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Papst-Kommentar : Auftragsmord

Papst Franziskus zum Thema Abtreibung: „Es ist, wie jemanden zu beseitigen“. Bild: dpa

Während einer Generalaudienz sagte Papst Franziskus kürzlich, ein Schwangerschaftsabbruch sei mit einem Auftragsmord zu vergleichen. Kalkuliert der Amtsinhaber seine geistlichen Worte politisch?

          Laut Strafgesetzbuch drückt sich im Mord eine besonders verwerfliche Art des vorsätzlichen Tötungsdelikts aus. Im Katechismus der katholischen Kirche wird die Abtreibung als „ein schweres Vergehen gegen das sittliche Gesetz“ bezeichnet. Auch das Zweite Vatikanische Konzil wird dort, im Katechismus, zitiert, mit der Schrift „Gaudium et spes“, in welcher es in rhetorisch noch einmal gesteigerter Form heißt: „Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuungswürdige Verbrechen.“ Nirgendwo jedoch taucht in diesem ganzen Verdiktzusammenhang die strafrechtliche Kategorie des Mordes auf.

          Die Kirche, so versteht man, verwirft die Tat (und dies schon „seit dem ersten Jahrhundert“), aber urteilt nicht über die Motive der in die Tat involvierten Personen. Deshalb spricht sie bei der Abtreibung nicht von Mord, ein Begriff, der untrennbar mit Motivforschung verbunden ist. Sondern beschränkt sich in ihren offiziellen Dokumenten auf eine auch säkular nachvollziehbare Haltung: dass der Zellhaufen ein Mensch in seinen Anfängen ist und entsprechenden Schutz verdient. Was immer an Machtmissbrauch und Frauenfeindlichkeit die kirchliche Haltung zur Abtreibung begleitet haben mag, in Geschichte und Gegenwart, es ist dieser tat-, nicht täterbezogene Stil, den auch Franziskus an den Tag legte, als er vor zwei Jahren verfügte, dass die Abtreibung sakramental vergebungsfähig sei und nicht länger einen Automatismus der Exkommunikation, also den Ausschluss aus der Sakramentengemeinschaft, nach sich ziehe.

          Von diesen Voraussetzungen der Lehre her, die man teilen mag oder nicht, jedenfalls aber als bekannt voraussetzen darf (wer fällt im Ernst aus allen Wolken, wenn er hört, dass die Kirche gegen Abtreibung ist und dies im Übrigen auch als säkulare Position vertritt?) – von diesen Voraussetzungen her fällt man nun doch aus allen Wolken, wenn der Papst Abtreibung mit „Auftragsmord“ in Verbindung bringt, wie am Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz: „Es ist, wie einen Auftragsmörder zu mieten, um ein Problem zu lösen“, erklärte er in Abweichung vom Redemanuskript. Wobei es in der Sache keinen Unterschied machen dürfte, ob, je nach Übersetzung, von Auftragsmördern oder von Auftragskillern die Rede ist.

          Schon wieder stellt sich die Dauerfrage dieses Pontifikats: Kalkuliert der Amtsinhaber seine geistlichen Worte politisch? Spricht er in Deals nach dem Motto: neulich den Gregoriusorden für eine Abtreibungsaktivistin, dafür heute wieder die Heiligkeit des Lebens, mit gepfefferter Drastik für die Konservativen? Was dann zu der häretischen Annahme verleiten könnte: dass diesem Papst nichts wirklich heilig sei.

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