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Papst Benedikt in der BBC : Eine doppelte Premiere

  • -Aktualisiert am

Papst Benedikt XVI. Bild: dpa

Papst Benedikt XVI. hat als erster Papst in der Nachrichtensendung eines öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders gesprochen: Am Morgen von Heiligabend wurde eine eigens aufgezeichnete Weihnachtsansprache in der BBC ausgestrahlt.

          2 Min.

          Der Papst und die BBC haben am Morgen von Heiligabend gemeinsam eine Premiere gefeiert. Zum ersten Mal ist es der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt gelungen, einen Papst für den täglichen religiösen Slot in der morgendlichen Flagschiffnachrichtensendung „Today“ des vierten Radioprogramms zu gewinnen. Für Benedikt XVI. war es die erste eigens für den Hörfunk geschriebene Ansprache. Dabei war er sich durchaus bewusst, dass ihm die weltweite Verbreitung der BBC nicht nur britische Zuhörer brachte.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Er richtete seine Worte denn auch über die Bewohner von England, Schottland und Wales hinaus an alle englisch-sprachigen Völker. Dabei ging es ihm um die Bedeutung der Weihnachtsbotschaft. Er blickte zurück auf jenen Moment da Geschichte, da das erwählte Volk Gottes den Heiland erwarteten, dessen Kommen Gott versprochen hatte. Den Kindern Israels habe ein großer Führer vorgeschwebt, der sie vom Joch fremder Herrschaft befreien werde, Gott erfülle stets seine Versprechen, sagte Benedikt, doch geschehe dies oft auf überraschende Weise.

          Das Kind, das in Bethlehem auf die Welt kam, habe nicht nur den Kindern Israels Freiheit gebracht, sondern allen Völkern für alle Zeiten. Es sei keine politische Befreiung durch militärische Mittel gewesen. Vielmehr habe Jesus den Tod für immer zerstört und das Leben wiederhergestellt durch seinen schändlichen Tod am Kreuz. Der Sohn Gottes habe den Weg der Lebensfülle geöffnet. Benedikt XVI. endete seine Botschaft mit einem Gebet, in dem er insbesondere die Alten und Kranken hervorhob, deren Tage sich dem Ende zuneigten.

          Diese doppelte Premiere des Papstes und der BBC ist als Ausdruck der großen Zufriedenheit im Vatikan über den apostolischen Staatsbesuch Britanniens im vergangenen September zu verstehen. Die nach monatelangen Verhandlungen zustande gekommene, knapp drei Minuten dauernde Weihnachtsansprache, die Mitte der Woche im Vatikan aufgezeichnet wurde, sei als eine Art Botschaft des Dankes zu deuten, erklärte der vatikanische Korrespondent der BBC. Benedikt hob eingangs hervor, mit welcher Zuneigung er an seinen Besuch zurückdenke und wie froh er sei, die Briten wieder ansprechen zu können.

          Die „Today“-Sendung ist Pflicht für Politiker

          Die dreistündige „Today“-Sendung, die Pflichtstoff ist für Politiker und alle, die sich für das Tagesgeschehen interessieren, rückte die Übertragung in den Vordergrund. Sie ließ Kritiker und Befürworter zu Wort kommen, Katholiken und Atheisten. Der Erzbischof von Birmingham wurde gefragt, ob der Papst liberaler sei als angenommen und ob die Kirche sich etwa in der Kondom-Frage verändern werde. Auch wurde die Bedeutung des als Erfolg gewerteten Papstbesuches in Britannien noch einmal ausgewertet.

          Es kam auch die oftmals gestellte Frage zur Sprache, ob eine täglicher predigartiger Beitrag in einer vornehmlich mit säkularen Themen befassten BBC-Sendung angemessen sei. Die Kolumnistin Polly Toynbee, Enkelin des berühmten Historikers ArnoldToynbee, bemängelte, dass die BBC so viel Aufsehens um die päpstliche Ansprache mache und wies darauf hin, dass bloß zwölf Prozent der Briten sich als praktizierende Christen auswiesen. Das sie eine hohe Schätzung, meinte Polly Toynbee. Britannien sei eine der säkularsten Gesellschaften der Welt.

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