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Armeespiele in Russland : Wenn sich Scharfschützen treffen

  • -Aktualisiert am

Wollen nur spielen: Team Uganda auf einem russischen T-72 beim Panzer-Biathlon der Internationalen Armeespiele in Alabino bei Moskau. Bild: Reuters

Artilleriebeschuss als Ausdruck freundschaftlicher Beziehungen: In Russland finden zurzeit die Internationalen Armeespiele statt. Doping-Kontrollen gibt es nicht.

          Parallel zur europäischen Festspielsaison sind in Russland die Internationalen Armeespiele gestartet. Im moskaunahen Kriegsspiel- und Erlebnispark „Patriot“ begrüßte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu die 189 Soldatenmannschaften aus zweiunddreißig Ländern, die noch bis zum elften August in den Disziplinen Artilleriebeschuss, Unterwasserkampf, Raketenabwehr oder Fallschirmlandung mit anschließendem Marsch um Medaillen ringen werden.

          Die Armeespiele, die nicht von ungefähr seit 2015, also nach der Krim-Annexion und dem Ausbruch des Krieges in der Ostukraine, regelmäßig stattfinden, dienen dem Putin-Regime auch als Vehikel, Stärke und freundschaftliche Beziehungen zu anderen Staaten zu demonstrieren. In diesem Sommer sollen sie zudem die Aufmerksamkeit von den Protesten abziehen, die die geplante Heraufsetzung des Rentenalters für zivile Berufe im ganzen Land auslöst. Das Finanzministerium gab kürzlich bekannt, dass die Aufwendungen für innere Sicherheit in den kommenden Jahren kontinuierlich herauf-, die für Medizin und Kultur indes stetig heruntergefahren würden.

          Die Wettkämpfe finden auf diversen Militärübungsgeländen in ganz Russland, aber auch in China statt, das nach den Gastgebern die größte Delegation ins Rennen schickt, außerdem in Weißrussland, wo zum Scharfschützentreffen auch griechische Waffenträger angereist sind, die einzigen Vertreter eines Nato-Landes. Der russische Reserveoberst Viktor Murachowski, Chefredakteur der Zeitschrift „Arsenal des Vaterlands“, behauptet, auch andere Nato-Staaten, insbesondere in Süd- und Osteuropa, hätten gern an den Spielen teilgenommen, würden aber von der politischen Führung des Bündnisses daran gehindert. Stattdessen sind Uganda, Venezuela und Kuweit vertreten, die Erzfeinde Iran und Israel sowie Armenien und Aserbaidschan, ferner erstmals Algerien, Pakistan und Armeeangehörige aus Syrien, die ein großes Porträt ihres Präsidenten Baschar al Assad mitgebracht haben.

          Das Publikum liebt vor allem den Panzer-Biathlon, der im moskaunahen Alabino, aber auch in Nordwestchina abgehalten wird. Dabei absolvieren die Teams in einem 46 Tonnen schweren russischen T-72-Panzer – nur die Chinesen benutzen grundsätzlich ihre eigenen Type-96-Fahrzeuge – einen Parcours, bei dem sie in hohem Tempo tiefe Wassergräben durchqueren, Hügelkuppen überspringen, meterhohe Stufen überwinden und sodann ein festes Ziel wegschießen müssen. Nach den Gruppenausscheidungen führen die Russen, die gute Chancen haben, wie im Vorjahr auch die Finalausscheidung zu gewinnen. Doping-Tests drohen bei dieser Militär-Olympiade nicht. Dafür dürfen die Mannschaften zum Abschluss in der Disziplin „Feldküche“ ihre nationalen Köstlichkeiten vorstellen.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

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