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Julia Bähr, Redakteurin im Feuilleton

Pandemie-Datenpanne : Die Tabelle ist voll

  • -Aktualisiert am

Boris Johnson mit Maske vor seinem Haus in London Bild: AFP

Die britische Regierung bekam eine harte Lektion in Sachen Datenverarbeitung, als ihre Excel-Tabelle in die Knie ging. Je genauer man hinsieht, desto peinlicher wird diese Panne.

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          Man lernt so viel in einer Pandemie. Reproduktionszahl, Aerosole, FFP2 – wer außer Medizinern hätte das noch vor einem Jahr alles aus dem Stand erklären können? Nachdem diese Lektionen einigermaßen sitzen, ist es Zeit für die nächste: Datenverarbeitung. Die britische Regierung lernte sie auf die harte Tour, denn es stellte sich heraus, dass 16.000 Corona-Fälle innerhalb weniger Tage verlorengegangen waren und nachträglich die Statistik ruinierten, die doch gerade wieder einigermaßen vertretbar aussah. Nun ist das schon peinlich genug, aber je genauer man hinsieht, desto schlimmer wird es, cringeworthy, wie der Brite sagen würde.

          Die Fälle wurden nämlich durchaus übermittelt – nicht wie in Deutschland, wo die Zahlen jedes Wochenende abfallen, weil einige Gesundheitsämter nur an Werktagen melden. Sie wurden als CSV-Dateien verschickt und dann umgewandelt, weil, und hier wird es spannend, die Behörde die Zahlen im Excel-Format sammelt. Nun ist Excel ein äußerst brauchbares Programm zur Tabellenkalkulation, aber es ist keine Datenbank und daher den Mengen an Informationen, die zu Covid-19 bereits vorliegen und wahrscheinlich noch kommen werden, nur bedingt gewachsen. Also lief die Datei voll und nahm keine neuen Fälle mehr auf. Das zog nicht nur eine fehlerhafte Statistik nach sich, sondern bedeutete auch, dass all diese Infektionsketten nicht weiterverfolgt wurden.

          Aber zurück zur Lektion Datenverarbeitung: Theoretisch hat die aktuelle Excel-Version Platz für mehr als eine Million Fälle, nämlich genau 1.048.576 Zeilen. So viele Erkrankte hat das Vereinigte Königreich glücklicherweise noch lange nicht. Deshalb waren einige Computerexperten zunächst entsetzt davon ausgegangen, die Tabelle hätte für jeden Fall nicht eine Zeile, sondern eine Spalte vorgesehen. Davon gibt es nur 16.384; es wäre zwar von erhabener Sinnlosigkeit gewesen, jedem Fall eine Spalte zuzuordnen, aber man weiß ja nie. Doch diese Vermutung bestätigte sich nicht, stattdessen stellte sich heraus, dass die Dateiendung nicht .xlsx lautet, sondern .xls. Die erste Endung kennzeichnet eine Datei der aktuellen Excel-Version, die zweite eine der Version von 2003. Und siehe da: Diese bietet tatsächlich nur Platz für 65.536 Zeilen, aber sie ist natürlich veraltet, und zwar schon seit Januar 2007. Die Behörde reagierte mit genau dem technischen Sachverstand, den sie bis dahin unter Beweis gestellt hatte: Die Datei wurde aufgeteilt, und zwar in mehrere Excel-Dateien. Erstaunlich, dass keiner auf die Idee kam, eine Tabelle in Word dafür anzulegen.

          Julia Bähr
          Koordinatorin F+Inhalte und redaktionelles SEO.

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